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Neue Apps für Dörfer: Oberweiler funkt mit

Soziales : Neue Apps für Dörfer: Oberweiler funkt mit

Als erste Dorfgemeinde des Eifelkreises nimmt Oberweiler an dem Projekt „Digitale Dörfer“ teil. Mit der App „Dorf Funk“ sind die Bürger untereinander besser vernetzt. Doch warum zeigen nicht mehr Dörfer Interesse?

Immer auf dem Schirm haben, was im Dorf passiert, welche Entscheidungen der Gemeinderat trifft und welche Festchen anstehen. Mit der  App „Dorf Funk“ ist all das möglich. Das Handyprogramm funktioniert ähnlich wie ein Chatroom bei WhatsApp oder Facebook. Mit dem Unterschied, dass man nur mit Bürgern aus dem Dorf schreibt. So kann man sich nicht nur auf schnellstem Weg über Neuigkeiten austauschen, sondern etwa auch Beschwerden und Anregungen an zuständige Lokalpolitiker senden.

Seit September nutzt Oberweiler diese Software. Ortsbürgermeister und Landtagsabgeordneter Nico Steinbach (SPD) erklärt: Die Arbeitsgruppe „Digitales“, die sich im Rahmen des „Zukunftschecks Dorf“ herausgebildet hat, sei auf das Projekt gestoßen. „Und das hat einfach gut gepasst“, sagt Steinbach: „Bei der digitalen Infrastruktur geht es uns ja nicht nur um schnelles Internet, sondern auch darum, die Vernetzung für das Dorfleben zu nutzen.“ Und genau das ist ja auch die Idee hinter dem Programm: die Vernetzung ländlicher Regionen, die Stärkung der Gemeinschaft und das Bieten neuer Chancen für lokale Unternehmen.

Entwickelt hat die Software das  Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering in Kaiserslautern zusammen mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Den Auftrag für das Projekt „Digitale Dörfer“ hat 2015 das rheinlandpfälzische Innenministeriums erteilt.

„Dorf Funk“ ist dabei nur eine der Apps im „digitalen Dorf“. Man kann sich das Programm als eine Kommunikationszentrale vorstellen. Das Programm enthält sechs Teilbereiche, genannt „Funkfrequenzen“, die zum einen zum  „Plausch“ dienen, aber auch als Plattform für Events und News. Außerdem können Mängel und Vorschläge über das Feld „Ideen“ an die Gemeinde weitergeleitet werden. Unter der Funkfrequenz „Biete“ lassen sich etwa Mitfahrdienste im Dorf gestalten.

Außerdem gibt es dann noch Programme wie „BestellBar“ und „LieferBar“. Dieser Online-Marktplatz soll regionalen Händlern Unterstützung bieten. Das funktioniert folgendermaßen: Die Produkte der Einzelhändler der Region könne von den Bürgern online bestellt und anschließend von den Firmen geliefert werden.  Ergänzend zu dieser BestellBar, gibt es die „LieferBar“ als Mitbring-Service.  Bürger können hier Einblick in noch ausstehenden Auslieferungen bekommen, um etwa die Bestellung ihrer Nachbarn mitzunehmen. Für solche Zustellungen erhält der Auslieferer „DigiTaler“.

Für die Oberweilerer macht das derzeit wohl noch keinen Sinn. „Dafür ist unser Dorf zu klein“, sagt Steinbach: „Die Organisationsebene ist nicht groß genug.“ Denn Geschäfte gibt es im Dorf ja keine. Um den Service in der Zukunft  dennoch zu nutzen, schlägt er einen Zusammenschluss mit größeren Gemeinden vor. Denn die Bedeutung der „Bestell Bar“ für Menschen, „die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, sei groß. Überhaupt glaubt Steinbach an die App: „Die Nachrichten auf dem Handy zu empfangen, das entspricht einfach dem Zahn der Zeit.“

Apropos Nachrichten: Neben „Dorf Funk“ will Oberweiler künftig auch „Dorf News“ nutzen, eine Homepage, die mit dem „Funk“ gekoppelt ist und aufgebaut sein soll wie die Seite einer Zeitung oder eines Radiosenders.

Realisierbar ist das durch Ehrenamtliche: Der Ortsbürgermeister und seine Beigeordneten funktionieren für „DorfNews“  laut Steinbach als „Chefredakteure“. Vereinsvorsitzende sind „Redakteure“, die für die Präsentation ihres Vereins verantwortlich sind. Allen anderen Freiwilligen aus Oberweiler steht die Möglichkeit offen, Beiträge auf „Dorf News“ zu stellen. Die Homepage befindet sich derzeit aber noch im Aufbau.

Doch wird das Projekt auch von den Bürgern angenommen? Laut Steinbach sei die Begeisterung seitens der jungen Leute sehr hoch. Und auch bei den älteren Bürgern zeigen sich zumindest 50 Prozent interessiert. Steinbach glaubt, dass die Beteiligung weiter steigen wird, denn „immer mehr Leute besitzen ein Smartphone. Bei vielen Älteren hängt es nur an dem Herunterladen der App“. Ziel des „Zukunfts Check Dorf“ sei es, die App an zwei Drittel der Bewohner von Oberweiler zu bringen.

Warum aber ist der Ort im Bitburger Land bislang der einzige im Eifelkreis Bitburg-Prüm, der die Programme nutzt? Immerhin sind diese schon seit gut drei Jahren auf dem Markt.

Vielleicht liegt es an der Lizenzgebühr, die bei einer Teilnahme fällig wird. Für die Homepage „Dorf News“ zahlt eine Gemeinde 200 Euro, für die App „Dorf Funk“ 500. Die Preise seien so günstig, weil das Land einiges zuschieße, sagt Steinbach. Dennoch tut den größtenteils verschuldeten Eifeler Orten jeder zusätzliche Cent im Haushalt weh.

Steinbach glaubt trotzdem, dass  „peu à peu weitere Dörfer hinzukommen.“ Das Projekt müsse erst noch bekannter werden. Laut der Kreisverwaltung des Eifelkreises scheitert es hingegen nicht an der mangelnden Bekanntheit der Apps: „Die Ortsgemeinden wurden mehrfach ausführlich informiert.“ Den Grund für die Zurückhaltung der Gemeinden sieht man im Landratsamt eher „im kontinuierlichen Arbeitsaufwand, den die Teilnahme im Projekt erfordert.“

 So sieht die App „Dorf Funk“ aus, wenn man sie auf dem Handy öffnet.
So sieht die App „Dorf Funk“ aus, wenn man sie auf dem Handy öffnet. Foto: TV/Wilbert, Bianca

Die neue Homepage von Oberweiler mit allen Infos rund um das Projekt ist zu finden unter: