Neue Hoffnung nach dem Weltuntergang

Neue Hoffnung nach dem Weltuntergang

Eigentlich sollte ja die Welt im vergangenen Jahr untergehen - sagten zumindest die Mayas. Aber Pustekuchen, die Welt steht noch. Nach dieser katastrophalen Fehlleistung braucht es für das kommende Jahr bessere Prognosen. Der TV blickt schon einmal - nicht ganz ernst gemeint - voraus.

Prüm/Arzfeld/Jünkerath. Das neue Jahr wird ein Jahr der Katastrophen - was soll man von einem 13er Jahrgang auch anderes erwarten. Wohl dem, der ein gutes Orakel kennt, um sich auf das kommende Unheil einzustellen. Nachdem das bislang befragte Orakel von Heckhalenfeld dann doch ein paar Mal danebengelegen hat, ist es Zeit für eine neue Quelle: Der Trierische Volksfreund hat deshalb exklusiv einen Blick in den Kaffeesatz der Redaktionsmaschine geworfen und festgestellt, dass das Jahr 2013 dann doch nicht so katastrophal wird.

Januar: Unerwartet schnell entscheidet das Oberverwaltungsgericht Koblenz in Sachen Bahnstrecke Prüm-Gerolstein: Die Rhein-Sieg-Eisenbahn bekommt die Betriebsgenehmigung und darf ab sofort wieder Züge verkehren lassen. Das Bonner Unternehmen verliert keine Zeit und lässt sich auch von der zugewachsenen Strecke nicht aufhalten. Stattdessen werden ab dem Frühjahr spannende Safari-Fahrten mit Machetenausflügen durch den Eifel-Urwald angeboten - ein absoluter Renner bei Düsseldorfer Feriengästen.

Februar: Die Wintersaison auf dem Schwarzen Mann und in der Wolfsschlucht endet. Auch in diesem Jahr hat sich der Winter rar gemacht, als Schuldiger wird schnell die Klimaerwärmung identifiziert. Umgehend wird in der Verbandsgemeinde Prüm ein Maßnahmenpaket mit dem Arbeitstitel "Winter 2020" erstellt. Kernpunkt ist eine riesige Kühlanlage unter dem Schwarzen Mann, deren Kälte auch ausreicht, die Wolfsschlucht ganzjährig in einen Gletscher zu verwandeln. Das Ding braucht zwar so viel Energie wie eine Großstadt, aber auch dafür hat man sich im Rathaus eine Lösung erdacht: Man will einfach den geplanten Windpark mit seinen 100 Rotoren auf dem Schneifelrücken anzapfen.

März: Im Städteplaner-Wettbewerb zum Prümer Hahnplatz werden die drei mit Spannung erwarteten Siegerentwürfe vorgestellt. Doch auf die Euphorie folgt Ernüchterung. Keiner der von der Jury ausgewählten Planungen kann die Prümer Kommunalpolitiker überzeugen. Zu viel Schnickschnack wie Parkbänke, Mäuerchen, Brünnchen und Bäume. Der Stadtrat geht umgehend in eine mehrmonatige Klausur, um einen Ausweg aus diesem Debakel zu finden.

April: Die Skandinavisierung der ehemaligen Milchunion Hocheifel schreitet voran. Auf einstimmigen Beschluss der Arla-Geschäftsführung wird Pronsfeld in Prønsfæld umbenannt - man wolle sich einfach heimischer fühlen, heißt es. Damit auch die Milch schwedischer schmeckt, werden die Milchbauern gezwungen, ihren Kühen beim Melken aus Pippi Langstrumpf vorzulesen.

Mai: Neue Hoffnung für Stadtkyll: Ein geheimnisvoller Investor kündigt an, mit Hilfe seiner chinesischen Geschäftspartner das Hotel am Park zu übernehmen und gleichzeitig auch das geschlossene Waldfreibad wieder zu öffnen.
Mehrere Hundert Millionen Euro sollen insgesamt investiert werden, um das marode Bad in eine moderne Poollandschaft zu verwandeln. Das Hotel am Park soll ebenfalls mit viel Geld in ein sieben Sterne Super-Super-Luxushotel mit 10 000 Betten umgebaut werden. Doch während schon einige angesichts dieser Perspektiven in Jubelstürme ausbrechen, bleibt Ortsbürgermeister Harald Schmitz skeptisch. Ein Informant hat ihm den Namen des Investors gesteckt: Rank Amparski.

Juni: Nachdem die naturfachlichen Prüfungen auf der A-1-Trasse ein Vorkommen des äußerst seltenen gelbgrün-gefiederten Büschschnirklers zutage fördern, wird das gesamte Lückenschluss-Projekt gestoppt. Stattdessen soll nun die B 51 zwischen Tondorf und Prüm zur Autobahn ausgebaut werden. In der traditionell autofreundlichen Abteistadt herrscht große Vorfreude, denn auch die A 60 nach Belgien soll in diesem Zug vierspurig ausgebaut werden, sodass Prüm zum neuen Autobahnknotenpunkt der Eifel wird.

Juli: Die sechs Dörfer der Verbandsgemeinde Obere Kyll, die zur VG Prüm wechseln wollen, sind die Hinhaltetaktik der Landesregierung leid und schreiten zur Tat: In einer Nacht- und Nebel-Aktion werden sämtliche Autos auf die PRÜ-Kennzeichen umgerüstet. Das "Vulkaneifelkreis" auf den Ortsschildern wird überpinselt und durch "Eifelkreis Bitburg-Prüm" ersetzt. Pläne, zwischen Stadtkyll und Jünkerath einen Checkpoint zu installieren und nur Autofahrer aus dem Altkreis Prüm passieren zu lassen, werden dementiert. "Niemand hat die Absicht, eine Mau… äh, eine Schranke zu errichten", heißt es.

August: Der Prümer Stadtrat kommt aus seiner Klausur über den Hahnplatz aus Tibet zurück und hat eine Lösung gefunden - die zudem auch noch den leeren Stadtsäckel schont. Angesteckt von der buddhistischen Lehre nach Genügsamkeit beschließt der Rat, den Platz so zu belassen, wie er ist. "Es ist die Begierde, die uns zu unzufriedenen Menschen macht, deshalb haben wir entschieden, diesen Weg zu gehen", lautet der einstimmige Beschluss des Rates.

September: Paukenschlag beim Eifel-Literatur-Festival: Für die nächste Ausgabe hat der französische Zeichner Albert Uderzo sein Kommen zugesagt. Exklusiv wird er in Prüm aus dem neuesten Asterix-Band vorlesen. Nachdem bereits Ranga Yogeshwar viele junge Leser zum Festival gelockt hat, will Festivalleiter Josef Zierden mit dem Schöpfer des tapferen Galliers diesen Weg konsequent weitergehen.

Oktober: Nach einer rekordverdächtigen Umbauzeit wird der modernste Bahnhof Deutschlands in Jünkerath eingeweiht. Erster Fahrgast ist der neue Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, der mit einem prächtig geschmückten ICE und großem Tamtam in der alten Heimat einrollt. Im Gepäck hat er zudem die Zusage für die Erweiterung des dann nicht mehr kleinen Eisenbahnmuseums in Jünkerath. Denn dort soll künftig die nicht mehr gebrauchte Fußgängerunterführung ausgestellt werden - "als Deutschlands gruseligstes Stück Eisenbahngeschichte".

November: Die Kommunalreform sorgt weiter für Ärger: Nachdem die Verbandsgemeinden Neuerburg und Irrel erfolgreich gegen die Zwangsvereinigung geklagt haben, rückt nun doch wieder die VG Arzfeld in den Blick. Irgendjemanden müsse man schließlich fusionieren, berichten anonyme Quellen aus dem Innenministerium. Und auch der Partner ist in Mainz schon ausgeguckt: die VG Speicher. Beide Einheiten seien zwar nicht benachbart, "aber das bedeutet ja nicht, dass sie nicht genauso gut zusammenpassen wie die anderen Verbandsgemeinden, die wir zusammenlegen", heißt es vonseiten der Landesregierung.

Dezember: Ein gigantischer Komet stürzt auf die Erde und bringt den Weltuntergang. Letzter Kommentar eines Wissenschaftlers: "Die verdammten Mayas, nicht einmal rechnen konnten sie…"

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