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Neue Räume für ein selbstbestimmtes Leben

Gesellschaft : Räume für ein selbstbestimmtes Leben

Die Lebenshilfe-Kreisvereinigung Bitburg saniert im Gesundheitszentrum Neuerburg vier Wohnungen. Im Januar sollen die ersten Mieter einziehen.

So manches Geburtstagskind hat keine Lust, seinen 50. zu feiern. Viele fahren stattdessen lieber in Urlaub. Bloß weit weg, um möglichst keinen Gedanken daran verschwenden zu müssen, dass man nun wahrscheinlich den Zenit seines Lebens überschritten hat.

Diese Probleme haben Vereine oder Firmen nicht. Und trotzdem wird nicht jedes Jubiläum gleich groß gefeiert. „Wir beschenken uns zum 50. Geburtstag selbst“, sagt Hans-Joachim Kurth, Vorsitzender der Lebenshilfe-Kreisvereinigung Bitburg, die am 4. Dezember 1968 gegründet wurde. „Und zwar, indem wir dafür sorgen, dass selbstbestimmtes Leben auch geistig behinderten Menschen möglich ist.“ Die Bitburger wollen im Jubiläumsjahr wichtige Aufgaben erledigen. „Wir legen lieber einen Schwerpunkt auf unser Tun.“ Spätestens ab Januar 2020 ist es nach dem Bundesteilhabegesetz Pflicht, geistig beeinträchtigten Menschen „zu Wohnraum zu verhelfen, der zur Führung eines möglichst selbstbestimmten, eigenverantwortlichen Lebens geeignet ist“, heißt es im Paragraphen 77. Um das zu ermöglichen, investiert die Lebenshilfe ins Gesundheitszentrum in Neuerburg. Dort sollen in der ehemaligen DRK-Rettungswache auf zwei Etagen vier Wohnungen à  40 Quadratmeter Größe entstehen. Die Bewohner von je zwei Einheiten nutzen zusammen ein Bad und eine Küche.  Die Lebenshilfe wird aus ihren Rücklagen einen Zuschuss von 50­ 000 Euro für die Sanierung zahlen. Die Räume sollen für zehn Jahre angemietet werden.

Und die Mieter sind auch schon gefunden. „Wir haben zwei Damen und zwei Herren, die im nahegelegenen Hotel  Euvea arbeiten und zurzeit noch bei ihren Eltern wohnen“, sagt Kurth. „Doch was passiert, wenn die Eltern mal nicht mehr können oder mal nicht mehr da sind?“, fragt Günter Hegner, Vorstandsmitglied bei der Lebenshilfe Bitburg. Die beiden Vorstandsmitglieder sehen ihre Aufgabe darin, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie den Behinderten selbstbestimmtes Wohnen anbieten können. Und so eine Gelegenheit habe sich in Neuerburg geboten. „Das ist ein erster kleiner Schritt“, sagt Kurth.

Alleingelassen werden die Behinderten auch in ihrer eigenen Wohnung nicht. Die Mieter, die in Neuerburg einziehen werden, aber auch Mitglieder anderer Lebenshilfe-Wohngemeinschaften, haben die Möglichkeit, sich zum Beispiel bei der Lebenshilfe-Wohngemeinschaften gGmbH oder auch anderen Anbietern Betreuungsdienste einzukaufen.

„Die Angehörigen werden so entlastet. Ab einem gewissen Alter können sie die Betreuung nicht mehr schultern“, sagt Kurth. Und es wird in Zukunft immer mehr Rentner mit geistiger Behinderung geben. Neben den Wohnheimen und Werkstätten, in denen bislang die Behinderten betreut werden, denkt die Lebenshilfe deshalb auch über eine Tagesbetreuung für geistig beeinträchtigte Rentner nach.

Ende des Jahres sollen die Wohnungen fertig sein. Im Januar können die Mieter einziehen. In Bitburg habe man bereits Erfahrung mit dieser neuen Wohnform sammeln können, denn dort hat die Lebenshilfe schon Appartements angemietet. Mit den Geschäftsführern  des Gesundheitszentrums habe die Zusammenarbeit hervorragend geklappt, sagt Kurth.

Das sieht auch Alexander Schaal so, einer der beiden Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Neuerburg: „Wir freuen uns, dass es mit der Euvea eine so gute Nachbarschaft  gibt und wollen diese weiter aufleben lassen.“ Die Wohngruppe der Lebenshilfe passe sehr gut in das Gesamtkonzept. „Ich habe noch nie so schnell ein Projekt umgesetzt – das war richtig schön.“

Und so ganz ohne Feier wird das runde Jubiläum der Lebenshilfe Bitburg auch nicht über die Bühne gehen, verrät Kurth. Nur über das Wie ist noch nicht entschieden.