Neue Runde, neue Posten: Der Rat der Verbandsgemeinde Prüm hat sich konstituiert.

Kommunen : Bunte(re) Runde, starke Momente

Der neue Rat der Verbandsgemeinde Prüm hat sich konstituiert. Und bietet neben geänderten Verhältnissen in seiner ersten Sitzung auch einen für viele bewegenden Augenblick.

Auf in die neue Ratsarbeit: Bevor er sie alle vereidigt, schwört Aloysius Söhngen (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, die neuen Mitglieder ein, auf ihre Pflichten, aber auch auf ihre Rechte. Ganz oben stehe das Gemeinwohl. „Aber Sie können frei entscheiden. Sie sind an keinerlei Weisungen gebunden.“

Diese Unabhängigkeit zeigt dann gleich eine Handvoll Fraktionäre bei der Entscheidung über die Beigeordnetenposten – den, nach der Vereidigung, zweiten wesentlichen Punkt auf der Tagesordnung: Selbstverständlich sind die Bewerber längst abgesprochen, alle drei gehen ohne Gegenkandidaten ins Rennen.

Aber gewählt werden müssen sie ja trotzdem. Und siehe: Auch wenn alle mit deutlicher Mehrheit der 33 anwesenden Ratsmitglieder (drei fehlen entschuldigt) in ihre Posten gehoben werden, gibt es doch auch Gegenstimmen. Vier bei Johannes Kuhl, der für die stärkste Fraktion, die CDU (15 Sitze), antritt, vier bei Rudolf Johanns (FWG, zehn), sechs bei Paula Sonnen (SPD, fünf).

Vielleicht ein Hinweis darauf, dass andere Zeiten angebrochen sind im Rat: Söhngen muss mit neuen Verhältnissen zurechtkommen. So fehlt ihm nicht nur Parteifreundin Mathilde Weinandy, bisher CDU-Fraktionsvorsitzende, die nach der verlorenen Stadtbürgermeisterwahl im Mai auf alle Mandate verzichtete (der TV berichtete). Auch die bequeme, absolute CDU-Mehrheit im Rat ist perdü. Stattdessen führt zum Beispiel der neu gewählte Stadtbürgermeister Johannes Reuschen eine kräftiger gewordene FWG-Fraktion an.

Reuschen darf dann bei der Beigeordnetenwahl zusammen mit Alicja Freya van Cuyck (Bündnis 90/Die Grünen) – die beiden werden als jüngste Ratsmitglieder ausgeguckt – die Auszählung vornehmen. Geht alles sauber über die Bühne, Söhngen dankt: „Für so junge Leute habt ihr das sehr ordentlich gemacht.“

Ein Fragezeichen hinterlässt Annette Schürmann, für Bündnis 90/Die Grünen angetreten und gewählt: Sie hat die Runde der vier Mandatsträger verlassen und sitzt fraktionslos im Rat. Warum? So richtig klar wird es nicht, man hält sich bedeckt. Auf TV-Anfrage sagt Annette Schürmann lediglich, dass sie sich trotz gewisser Diskrepanzen „durchaus in der Lage“ sehe, „die Grünen angemessen repräsentieren zu können“ und sich „selbstbestimmt und vor allem respektvoll“ in die Ratsarbeit einbringen wolle. Wie gesagt: Fragezeichen.

Die FDP angemessen repräsentieren dürfen von nun an zwei Ratsmitglieder, was den Liberalen erstmals Fraktionsstatus in der VG-Runde verschafft: Jürgen Krämer, zugleich Kreisvorsitzender, und Stefan Fiedler.

Die übrigen Tagesordnungspunkte werden im Flug abgehakt. Auch alle Ausschüsse, ebenfalls schon vorab ausbaldowert, sind ruckzuck gewählt wie vorgeschlagen.

Die Arbeit kann beginnen. Ein Moment darf aber hier nicht unterschlagen werden: Es ist der Augenblick, in dem Söhngen seinen Beigeordneten Johannes Kuhl verpflichtet.

Da verlässt auch der Bürgermeister ganz kurz die Ebene der Geschäftsmäßigkeit: Es habe schon einmal jemand mit diesem Namen neben ihm gesessen, sagt Söhngen. Und erinnert damit an Rudolf Kuhl. Denn der war vor 19 Jahren ebenfalls erster Beigeordneter geworden, damals noch hauptamtlich. Rudolf Kuhl starb plötzlich und viel zu jung, mit 47 Jahren, im November 2001.

Und jetzt nimmt sein Sohn Platz neben dem Bürgermeister. Es ist ein Augenblick, den Johannes Kuhls Mutter Lydia im Publikumsraum sichtbar bewegt verfolgt. Sie ist bei Weitem nicht die Einzige.

Da steht alles drin, was man als Ratsmitglied wissen muss: das Kommunalbrevier. Foto: Fritz-Peter Linden

Und dann ist die Sitzung vorüber: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen in den nächsten fünf Jahren“, sagt der Bürgermeister und weist darauf hin, dass vor der nächsten Zusammenkunft ein Foto von allen gemacht werden solle – also „bitte kämmen und Ohren waschen“. Und dann lädt er zu einem Schlussgetränk ein.

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