Neue Schadstoffmessungen bei Spangdahlem: Böden kaum belastet, das Wasser jedoch sehr

Neue Schadstoffmessungen bei Spangdahlem: Böden kaum belastet, das Wasser jedoch sehr

Gute Nachricht für Bauern und Gärtner: Die Böden rings um die Air Base Spangdahlem sind kaum belastet. Bäche, Teiche und Flüsse hingegen weisen weiterhin bedenklich hohe Konzentrationen krebserregender Schadstoffe auf. Einzig die Salm ist relativ sauber.

Dass Kampfjets mit ohrenbetäubendem Lärm über die Dörfer donnern, ist für die Menschen rings um die Airbase Spangdahlem Alltag. Doch an den Gedanken, dass aus dem Gelände jenseits des Zauns krebserregende Stoffe in Angelteiche, Bäche, Flüsse und ins Grundwasser sickern, müssen sich viele mit großem Unbehagen zunächst gewöhnen. Erst seit etwas mehr als einem halben Jahr ist öffentlich bekannt, dass die Umwelt rings um die Flugplätze Spangdahlem und Bitburg mit perfluorierten Tensiden (PFT) belastet ist. Sie stammen aus Löschschäumen, die auf den US-Flugplätzen jahrzehntelang bei Übungen zum Einsatz kamen.Neue Hoffnung


Angler haben seitdem aufgehört zu angeln, so mancher Gärtner lässt sein Obst lieber verfaulen, als es zu essen und der gefährdete Beilinger Trinkwasserbrunnen ist nur noch eine statt zwei Stunden täglich am Netz. "Auch wenn die nachgewiesenen PFT-Werte weit unter den erlaubten Grenzwerten liegen, wollen wir den Bürgern mit dem Zurückfahren des Brunnens für die Zukunft ein beruhigenderes Gefühl geben", erklärte Bürgermeister Manfred Rodens.

Immerhin gibt es für die Binsfelder Gärtner nun neue Hoffnung, dass sie die Kirschen, Bohnen oder Zucchini, die in ihren Gärten reifen, doch einfach essen können. Zumindest wenn die Pflanzen nicht direkt neben einem Bachlauf stehen. PFT-Belastungen wurden laut Joachim Gerke, dem Abteilungsleiter für Wasserwirtschaft bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, nur im Überschwemmungsbereich der Bäche festgestellt. Und diese lägen um den Faktor 100 unter jenen Werten, die für Kinderspielplätze empfohlen werden. Eine positive Überraschung also. Aktuell wird untersucht, was die gemessene Konzentration für die PFT-Aufnahme in Nutzpflanzen bedeutet. Die SGD rät Gärtnern dazu, beim Bewässern vorsorglich auf Bachwasser zu verzichten.
Auch für die Salmfischer gibt es eine halbwegs gute Nachricht: Der bei Bruch gemessene PFT-Wert liegt mit 0,01 Mikrogramm unter dem aktuellen Richtwert (allerdings immer noch über dem sehr strengen Wert, der in Zukunft gelten soll, siehe Extra).

Das war es dann aber auch schon mit den guten Nachrichten. Die übrigen neuen Messergebnisse bestätigen, dass die Südeifel wohl noch viele Jahre lang mit einem erheblichen Umweltproblem zu kämpfen hat. Denn die Schadstoffkonzentration in Bächen und Flüssen ist unverändert hoch. Viel zu hoch. Der höchste Wert (drei Mikrogramm) wurde erneut nahe am Zaun im Märchenweiher gemessen: Nimmt man den aktuellen Richtwert zum Maßstab, so ist die Schadstoffkonzentration 60-mal höher als sie sein sollte. Ab 2018 gelten viel strengere Regeln: Nach diesen enthält der Teich 4615-mal zu viel PFT. Auch Linsen- und Wachenbach sind extrem verunreinigt: Sie enthalten 40- beziehungsweise 3067-mal zu viel PFT. Ganz ohne Belastung ist im Umfeld der Air Base kein einziges Gewässer.

Eine Untersuchung der Amerikaner, die dem TV vorliegt, zeigt zudem, dass auch das Grundwasser in Tiefen von mehr als 70 Meter stark verunreinigt ist. "Es läuft darauf hinaus, dass noch mehr Trinkwasserbrunnen gefährdet sind. Das ist bloß eine Frage der Zeit", fürchtet Günther Schneider aus Binsfeld, Sprecher einer Arbeitsgruppe beim BUND, die sich mit dem Thema beschäftigt. Schneider kritisiert, dass zu wenig unternommen werde. Sein Verband fordert eine Sanierung der Gebiete.

Aktuell sind Fachleute allerdings noch dabei, herauszufinden, wo genau die Belastungen herkommen. "Es hat keinen Sinn, einfach irgendwo Boden auszuheben, wenn man die Schadstoffquellen und Wasserwege nicht kennt", sagt Gerke. Dass der Flugzeugtreibstoff JP8 Ursache der Verunreinigung sein könnte, hat die Wasserbehörde inzwischen ausgeschlossen. Ein Ende der Erkundungsarbeiten ist nicht in Sicht.Meinung

Kein Grund zur Beruhigung
Zwar ist es erfreulich, dass wenigstens die Böden unweit der Air Base weitgehend PFT-frei sind. Ein Grund zur Beruhigung sind die neuesten Messergebnisse trotzdem nicht: Die in den Gewässern gemessenen Schadstoffwerte sind kein bisschen besser geworden. Obwohl es nun schon Jahre her ist, dass in der Südeifel PFT-haltige Löschschäume versprüht wurden, werden offenbar noch immer größere Mengen der krebserregenden Schadstoffe freigesetzt: Sie gelangen in Bäche und Flüsse, reichern sich in Fischen an und sickern ins Grundwasser. Da ist auch die Sorge ums Trinkwasser berechtigt - in der Eifel aber auch in Trier, das sein Wasser zum Teil aus dem Kylltal bezieht. Panik hingegen ist unangebracht. Noch ist das Trinkwasser überall in der Region einwandfrei. Potenziell gefährdete Brunnen werden seit kurzem so intensiv überwacht, dass man sich keine Sorgen machen muss. Da jedoch langfristig die Gefahr besteht, dass Schadstoffe nachsickern, muss deren Ursprung so schnell wie möglich gefunden und die betroffenen Gebiete müssen saniert werden. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND, Kreisgruppen Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel) bietet in Kooperation mit der Volkshochschule Trier eine Infoveranstaltung zu perfluorierten Tensiden (PFT) an. Zwei Experten informieren am heutigen Freitag, 3. Juli, um 19 Uhr in der Volkshochschule am Domfreihof, Raum 5, in Trier über die Schadstoffproblematik. Dr. Thorsten Stahl, Leiter des hessischen Landeslabors, referiert zum Thema: "Umwelt- und Gewässerbelastung durch Fluorchemikalien - Gefahr für unser Trinkwasser?", und Helfried Welsch, Bereichsleiter der Stadtwerke Trier (SWT) und zuständig für Anlagen und Netze, spricht zum Thema: "Trinkwasserversorgung - Bedeutung anthropogener Stoffe". Der Eintritt ist frei. kahExtra

Noch gilt für Bäche oder Teiche ein Richtwert von 0,05 Mikrogramm PFT/Liter. Allerdings hat die EU eine Richtlinie erlassen, derzufolge Binnengewässer ab 2018 nicht mehr als 0,00065 Mikrogramm PFT/Liter enthalten sollen. Dass die neue Umweltqualitätsnorm so streng ist, liegt daran, dass Fische den Schadstoff anreichern und so über die Nahrungskette auch Menschen gefährden. Fische: 9,1 Mikrogramm PFT/Kilogramm.kah

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