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Neue Stolpersteine für 18 Nazi-Opfer in Bollendorf

Neue Stolpersteine für 18 Nazi-Opfer in Bollendorf

Der "Arbeitskreis jüdische Geschichte Bollendorf" bereitet eine neue Gedenk-Aktion für Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde vor. Der Künstler Gunter Demnig wird am 10. Mai weitere Steine verlegen.

Bollendorf Während in Bitburg noch über eine würdige Form des Gedenkens an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus nachgedacht wird (der TV berichtete am 8. März), sind die Bollendorfer schon zwei Schritte weiter. Nach der ersten Verlegung von 24 Stolpersteinen am 24. Juni 2016 sollen nun in diesem Jahr 18 weitere Gedenksteine in den Straßen des Ortes gesetzt werden. "Wir haben uns für diese Form des Gedenkens entschieden", erklärt Michael Weidert, Bollendorfer und Mitglied des Arbeitskreises. Der Gemeinderat habe das befürwortet - unter der Voraussetzung, dass die Hauseigentümer einverstanden seien. "Wir wollen das Gedenken schließlich nicht aufzwingen", betont der Lehrer.
"Dann sind wir zu den Hausbesitzern gegangen, die auch sehr aufgeschlossen waren. Manche wollten aber auch keinen Gedenkstein vor ihrem Haus", ergänzt Karl-Wilhelm Gellissen.

"Die Stolpersteine sind nicht so abstrakt wie Gedenktafeln, da spielt mehr Emotionalität mit", so erklärt sich Kunsthistorikerin Barbara Kemmer die Reserviertheit mancher Menschen gegenüber dieser Form des Gedenkens. Wie es überhaupt zu dem Engagement der ambitionierten Gruppe gekommen ist, zu der auch noch Frank Schmitt und Agnes Köhnen-Wood gehören, schildern Gellissen und Weidert so: Gellissen hatte in Dietz an der Lahn eine Gedenktafel für jüdische Kinder gesehen, die ihn sehr angesprochen hat. "Und vor der 1300-JahrFeier Bollendorfs haben wir uns gedacht, dass bei diesem Jubiläum auch das Gedenken an die jüdische Geschichte Bollendorfs eine Rolle spielen soll", so Weidert weiter. Seitdem hat die Gruppe viel Recherche-Arbeit geleistet und leistet sie noch - alles ehrenamtlich natürlich.

Bevor die Inschrift in die Messingplatte geschlagen werden kann, müssen die Fakten mit dem Bundesarchiv in Köln abgeglichen werden, berichtet Barbara Kemmer, die viel Zeit mit der Nachforschung der Schicksale jüdischer Bürger von Bollendorf verbringt. Zu der Arbeit gehören auch Besuche im Landeshauptarchiv Koblenz, im Landesarchiv und im Amt für Wiedergutmachung in Saarburg. Die Fahrten finanziert die Gruppe selbst.
Regen Kontakt halten sie und auch Karl-Wilhelm Gellissen zu den Angehörigen und Nachfahren der Bollendorfer Juden, von denen auch wieder einige zur Gedenkaktion im Mai kommen wollen. Der Austausch mit den Angehörigen in Israel, Frankreich, Großbritannien und den USA ist das Berührendste für die Gruppe und zugleich Motivation, weiterzumachen, sagt Weidert.

Wenn die Recherchen abgeschlossen sind, ist es wichtig, einen Termin beim Künstler Gunter Demnig, dem Initiator der Stolpersteine, zu bekommen. Mittlerweile braucht es ein halbes Jahr Vorlauf. Demnig und sein Team können im Monat 440 Steine herstellen und verlegen, wie auf der Homepage zu erfahren ist. Und: Erst im Oktober können wieder Termine vergeben werden, der Termin in Bollendorf steht aber schon fest. Am 10. Mai ist es so weit. Zuvor hat die Arbeitsgruppe noch viele Aufgaben zu erledigen. Und sie braucht auch noch finanzielle Unterstützung. Es wird noch ein Flyer gedruckt, der über die Menschen informiert, an die nun erinnert wird. "Die Steine werden komplett über Spenden finanziert. Letztes Jahr haben wir alle Kosten so bestreiten können", sagt Barbara Kemmer. "Dieses Jahr brauchen wir allerdings noch Unterstützung."

Wer die Gedenkaktion unterstützen möchte, kann Stolpersteine komplett (120 Euro) oder teilweise (beliebiger Betrag) finanzieren.
Spendenkonto: IBAN: DE93 586 500 30 0004 0000 55, BIC: MALADE51BIT, Institut: Kreissparkasse Bitburg-Prüm, Kontoinhaber: Verbandsgemeindekasse Südeifel, Verwendungszweck "Stolpersteine Bollendorf".STOLPERSTEINE ERINNERN AN SCHICKSAL DER NS-OPFER

Extra

Die Gedenksteine werden für die in der NS-Zeit verfolgten, ermordeten, deportierten, vertriebenen oder in den Suizid getrieben Menschen verlegt. Der Kölner Künstler Gunter Demnig setzt die Steine vor deren letztem frei gewählten Wohnort. Am Mittwoch, 10. Mai, ab 14 Uhr wird er 18 weitere Steine in Bollendorf verlegen, und zwar in der Bach-, in der Neuerburger-, in der Burgstraße und Am Sauerstaden.