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Neuer Hausherr auf Schloss Kewenig

Neuer Hausherr auf Schloss Kewenig

Feuchtigkeitsflecken an der Fassade, vernagelte Fenster, der Garten voller Unkraut: Das Schloss Kewenig bei Körperich hat sich zuletzt nicht gerade von seiner schönsten Seite gezeigt. Zumindest das Unkraut ist inzwischen beseitigt, und auch sonst soll sich bald vieles ändern: Das Schloss hat einen neuen Eigentümer - eine Dachdeckerfirma aus Vianden.

Körperich. Der bronzefarbene Aufkleber mit der Aufschrift "Castle Island House Deutschland" auf dem weißen Briefkasten vor dem schmiedeeisernen Tor ist ebenso verschwunden wie das ausgeblichene Banner mit dem Aufdruck "Achtung, dieses Objekt wird überwacht".
Auch das Gestrüpp ist beseitigt, das noch bis vor kurzem im Garten wucherte und damit kaum einen Blick zuließ auf Schloss Kewenig.
Sichtbare Anzeichen dafür, dass sich in letzter Zeit jemand des Anwesens in der Nähe der Ortsgemeinde Körperich angenommen hat.
Ein Jemand, der offenbar nicht nur konkrete Pläne für das Schloss hat, sondern diese auch direkt umsetzen möchte - anders als der Vor-Eigentümer.
Dieser hatte die ehemalige Wasserburg samt ihrer Außengebäude - einem Nebenhaus und drei Scheunen - Ende 2004 gekauft, um es zu einer Popakademie mit Hotel für junge talentierte Musiker umzufunktionieren. Die ehrgeizigen Pläne scheiterten allerdings an der finanziellen Umsetzung (der TV berichtete).
Dass das nicht noch einmal passieren wird, davon ist der neue Hausherr des Schlosses, die Dachdeckerfirma Metty Weyrich und Söhne aus dem luxemburgischen Vianden, überzeugt. Vor kurzem hat das Unternehmen, das seit den 50er Jahren besteht und in dem 30 Mitarbeiter beschäftigt sind, das Eigentum an dem Körpericher Anwesen erworben, der Kauf sei laut Francis Weyrich, Geschäftsführer der Firma, "eine Zufallssache" gewesen.
Sein Betrieb sei mit Reparaturarbeiten am Dach der ehemaligen Wasserburg beauftragt gewesen, dabei habe er erfahren, dass das Anwesen zum Verkauf steht. Eigentlich sei er lediglich auf der Suche nach einem Außenlager für seine Dachdeckerfirma gewesen. Die drei Scheunen auf dem Grundstück erschienen ihm ideal, zumal Körperich und Vianden nur zehn Kilometer voneinander entfernt liegen. Die rund 200 000 Euro, für die das Schloss samt aller Nebengebäude zu haben war, "waren preislich für uns sehr erschwinglich im Vergleich zum Luxemburger Bauland", sagt Weyrich. Er ergänzt: "Wir haben das Schloss quasi gratis hinzubekommen."
Und so liegt das Hauptaugenmerk seiner Firma zunächst einmal darauf, die verfallenen Scheunen, deren Dächer abgedeckt sind und in deren Inneren das Gras wächst, wieder herzurichten. Noch in diesem Jahr soll damit begonnen werden, Weyrich rechnet mit Kosten für die Instandsetzungsarbeiten von mindestens 300 000 Euro. Dem Schloss will er sich frühestens im Herbst 2012 widmen - Weyrich rechnet damit, dass insgesamt gut eineinhalb Millionen Euro investiert werden müssen.
Er könne sich durchaus vorstellen, das Gebäude irgendwann einmal - "in drei bis fünf Jahren" - im Erdgeschoss privat zu nutzen, sagt er: "Das Schloss ist wunderschön und die Bausubstanz ist super."
Das Obergeschoss könnte dann möglicherweise für öffentliche Zwecke, beispielsweise Ausstellungen, zur Verfügung gestellt werden. Ein Vorhaben, das Weyrich bereits mit der Denkmalbehörde des Eifelkreises abgestimmt hat und das dort offenbar auf Zustimmung stößt. "Das sieht alles ganz gut aus", sagt Doris Berscheid von der Kreisverwaltung.
Und auch der Körpericher Ortsbürgermeister, Winfried Horn, steht den Plänen der luxemburgischen Dachdeckerfirma positiv gegenüber: "Ich freue mich riesig, dass es am Schloss Kewenig endlich vorangeht!"