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Neuer Job durch Eigeninitiative

Neuer Job durch Eigeninitiative

GEROLSTEIN. Jeder dritte arbeitslose Teilnehmer hat einen neuen Job. Das ist die vorläufige Bilanz des Gerolsteiner Bewerberzentrums der Handwerkskammer. Sie setzt in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt ein neues Konzept zur Arbeitsvermittlung um. Insgesamt haben die 13 Bewerberzentren der Arbeitsverwaltung in der Region bis Ende Oktober geholfen, 650 000 Euro zu sparen.

"Wenn ich hier wieder weg müsste, würde für mich eine Welt zusammenbrechen", erklärt Bernhard Grett. Der 57-jährige Berufskraftfahrer fand nach einem Jahr Arbeitslosigkeit übers Gerolsteiner Bewerberzentrum (BWZ) einen neuen Job bei Wagner Logistik in Pelm."Als Mann für alles. Grett ist der reinste Glücksgriff", sagt Firmenchef Lothar Wagner. "Herr Grett war einer unserer Spurtstärksten, weil er schon in der zweiten Woche eine Stelle fand", freut sich BWZ-Dozentin Christa Finken. Und dabei half auch Vermittler "Zufall". Chefin Marlene Wagner: "Jemand gab uns den Tipp mit dem BWZ. Ich hab da angerufen, und dann ging alles zack-zack." Von den drei Bewerbern habe "bei Grett direkt das Gefühl vorgeherrscht, dass er ins Team passt".Persönliches Profil eröffnet Alternativen

Marlene Wagner erklärt: "Wir haben bisher noch nie Mitarbeiter übers Arbeitsamt gefunden, werden künftig aber wieder mit dem BWZ zusammenarbeiten." Im nächsten Quartal ist bei Wagner Logistik eine weitere Aufstockung des Personals geplant.Im BWZ wird den Teilnehmern beim Erstellen einer individuellen Bewerbungsmappe und der Kontaktaufnahme zu den Firmen geholfen. Zum achtwöchigen Kurs gehört ein zweiwöchiges Praktikum. "Wir erarbeiten zudem mit jedem Teilnehmer ein persönliches Profil", erklärt BWZ-Leiter Gregor Schwindling an. So könne beispielsweise ein Schreiner auch als Abteilungsleiter in einem Baumarkt arbeiten oder im Außendienst für Fenster- und Türenproduzenten. Nach dem Kurs werden die BWZ-Teilnehmer maximal vier Monate lang von den Experten weiter betreut.So auch die Hotelfachfrau Marzena Blankenheim. Für die 33-jährige Polin wurde in der Betreuungszeit eine Stelle in der Jugendherberge Gerolstein gefunden. Sie meint rückblickend: "Im BWZ war es wie in einer Familie, weil wir alle im gleichen Boot saßen. Die Dozenten haben uns echt motiviert." Herbergsmutter Elke Heitmann baut auch bei der künftigen Arbeitnehmersuche auf das BWZ. Sie sagt: "Die nehmen uns doch viel Arbeit ab, weil sie eine Vorauswahl treffen. Das hilft gewaltig."Von den bisher 115 Teilnehmern wurden 38 vermittelt. Schwindling verweist darauf, dass die Hälfte über Initiativbewerbungen einen neuen Job fanden, also bei Firmen, die gar keine offene Stellen gemeldet hatten und bei denen sich die Teilnehmer einfach beworben hatten.Genau das erwartet auch Unternehmer Wolfgang Maier, Chef der Firma HTI-Bau. Er sagt: "Schwindling muss auf mich zukommen. Bei uns kommen Arbeitssuchende ohne Ende vorbei." Maier hat einen jungen Türken übers BWZ eingestellt. Der Unternehmer bleibt aber skeptisch, was die künftige BWZ-Vermittlungsarbeit angeht. Er meint: "Das BWZ ist eines von mehreren guten Systemen. Die Existenzberechtigung wird sich erst im Laufe der Jahre beweisen, weil am Arbeitsmarkt sehr vieles im Umschwung ist."Das BWZ Gerolstein startete im März 2003. Der Radius geht weit übers Gerolsteiner Land hinaus. Ein Jobsuchender wurde nach Kaisersesch vermittelt, ein Einzelhandelskaufmann fand eine neue Stelle bei einer Aral-Tankstelle in Blankenheim. Pächterin Bettina Greuel sucht noch eine Vollzeit- und eine Teilzeitkraft. Weil Greuel mit dem vermittelten Arbeitnehmer "sehr zufrieden" ist, hat sie in der vergangenen Woche im BWZ Gerolstein den neuen Bedarf angemeldet. KONTAKT: BWZ Gerolstein, Bahnhofstraße 19-21, Gerolstein, Telefon 06591/985237, Mail: Bewerbungszentrum-Gerolstein@gmx.de