Neuer Rekord im neuen Ring

Aus dem Archiv Oktober 2018 : 212 000 Euro für zwei Bullen - Neuer Rekord im neuen Ring in Fließem

212 000 Euro haben Züchter für zwei Bullen gezahlt. So teuer wie bei der „German Masters Sale“ wurden in Europa noch nie Rinder bei einer Auktion verkauft.

Rekorde zu brechen, gehört für die Organisatoren der „German Masters Sale“ zum Geschäft. Maßstäbe wurden bereits bei der ersten Auflage der Auktion, die 2014 in Bitburg über die Bühne ging, gesetzt. Damals wechselte das europaweit teuerste Kalb für eine Wahnsinnssumme von 84 000 Euro den Besitzer. Überhaupt ist die Eifeler Veranstaltung ein Kuhhandel der Superlative: Insgesamt wurden Tiere mit einem Gesamtumsatz von über 900  000 Euro in 14 verschiedene Länder verkauft. „Diese Internationalität ist absolut einmalig in Europa!“, meint Initiator Nici Nosbisch. Doch damit nicht genug der Höchstleistungen.

Auch bei der jüngsten Auktion gab es einen Rekord. Zwei Bullen, ein sogenanntes „Paket“, wurde für 212 000 Euro an eine amerikanische Besamungsstation verkauft. Es ist der höchste Preis, den ein Interessent jemals bereit war bei einer Zuchtviehauktion in Europa für Tiere zu zahlen. Der Züchter, der aus der Nähe von Münster stammt, wird sich freuen.

Für den Laien ist es kaum verständlich, warum Menschen bereit sind, solche hohen Summen für ein Rind zu bezahlen. Was genau macht denn diese Tiere so wertvoll, Herr Nosbisch?  „Die Bullen haben extrem hohe genomische Werte und versprechen daher eine hervorragende Vererbung“, erklärt der Eifeler und meint damit Größe, Masse, Milchleistung und, und, und. Die US-Firma, die auf den klangvollen Namen „Sexing Technologies“ hört, verdient ihr Geld mit tiefgefrorenem Bullensperma, das sie in alle Welt verkauft. Und für den Samen bezahlen einige Bauern wohl einiges. Wenn sie dann bei der Zucht alles richtig machen, kommen dabei vielleicht Prachtexemplare wie „Mattenhof Unix Gaiana“ heraus, dem teuersten Weibchen auf der Auktion.

Das Kalb entstammt einer der leistungsstärksten Kühe Europas und ist daher besonders wertvoll. Für eine stattliche Summe von 30 000 Euro wurde sie an ein niederländisch-deutsch-schwedisches Züchtersyndikat versteigert. „Islandpride Riverdane Agronaut Zo“, die drittteuerste Auktionsnummer am Wochenende, brachte dem Verkäufer immerhin 25 000 Euro ein.

Aber für kaum eines der 157 Tiere wurde bei der German Masters Sale kein vierstelliger Betrag geboten. 6600 Euro machten die Kuhkäufer im Schnitt für ein Exemplar locker. Die Statistik zeigt: In Fließem kommen wirklich nur hochkarätige Huftiere unter den Hammer.

Wer nicht vom Fach ist, kann bei den Auktionen daher kaum folgen. Im Sekundentakt rattern die Moderatoren  Daten herunter wie Hotshot, LBI-Wert, Rotfaktor, Doorman und Embryonenvertrag. Experten reisen für diese Schau aus aller Welt an. Einige verfolgten das Geschehen aber auch vor dem Bildschirm und boten online mit. Insgesamt spricht Nosbisch von einer „nie da gewesenen Interaktion.“

Aber auch jede Menge Besucher haben es am Wochenende zum Spektakel geschafft. Fast 1000 Gäste hat Veranstalter Nosbisch gezählt. Und damit rund 200 mehr als im vergangenen Jahr.

Nico Nosbisch. Foto: Uwe Hentschel

Ob das auch an den neuen Räumlichkeiten liegt? Immerhin fand die Auktion ja 2018 zum ersten Mal in Fließem statt und nicht mehr in Bitburg. Nosbisch: „Die Besucher, Beschicker und auch das Helferteam waren begeistert von der neuen und modernen Auktionshalle.“ Wir erinnern uns: Auch bei der Landwirtschaftsschau am Beda-Markt zogen Aussteller und Gäste eine positive Bilanz, weil in Fließem viel mehr Platz sei als in der Bitburger Auktionshalle.