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Neuer Stuhl und alte Sorgen

Neuer Stuhl und alte Sorgen

Andreas Kruppert (31), Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld, blickt trotz mieser Haushaltslage optimistisch in die Zukunft. Mit dem TV spricht er über erste Erfahrungen und Projekte für die Zukunft.

Arzfeld. Der Sportsgeist ist ins Chefbüro der Verbandsgemeinde eingezogen. So könnte man jedenfalls die Bildauswahl interpretieren, die das Büro des neuen Bürgermeisters Andreas Kruppert schmückt. Weiß gerahmt hängen dort ein von Jogi Löw handsigniertes Deutschlandtrikot von der Europameisterschaft 2008 und ein Trikot des 1. FC Kaiserslautern, Lieblingsclub des fußballbegeisterten VG-Oberhaupts. Ansonsten ist das Büro noch unverändert. Nur der Bürostuhl, auf dem noch Vor-Vorgänger Karl-Heinz Baumann gesessen haben soll, ist ausrangiert. "Ich glaube, der Stuhl war abgeschrieben", sagt Kruppert und lacht. Vor kurzem sei er beim Telefonieren mit dem "antiken Stück" umgefallen und in der Schildkrötenstellung gelandet. Das gab den Ausschlag für eine Neuanschaffung.

Mit Bekoover Platt im Islek akzeptiert



Er habe sich sehr gut eingelebt sagt der 31-Jährige, "man hat es mir aber auch nicht schwer gemacht. Ich bin herzlich und offen empfangen worden." Auch die Ratsarbeit gestalte sich völlig unkompliziert. "Ich bin als freier Kandidat angetreten, und das halte ich auch durch", sagt Kruppert, auch wenn er den Christdemokraten angehört. So sei er sowohl von SPD als auch von CDU zu den Fraktionssitzungen eingeladen worden. Wie die Stimmung nach den Querelen in der CDU nun sei, dazu könne er nichts sagen. Ausgezeichnet sei auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit seinem ersten Beigeordneten Klaus Juchmes, und auch sein Vorgänger Patrick Schnieder steht mit Rat und Tat zur Seite, falls Bedarf ist.

Seine ersten 100 Tage seien unheimlich spannend gewesen. Schon am ersten Wochenende seiner Amtszeit standen die Westeifelschau sowie die Einweihung des Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhauses in Plütscheid im Terminkalender. "Ich hatte mir vorgestellt, ich würde mehr Zeit im Büro verbringen", sagt der gebürtige Biesdorfer, der mit seinen Mitarbeitern ausschließlich "Bekoofer Platt" spricht und damit auch im Islek gut verstanden wird. Seine neue Tätigkeit sei "komplett anders" als seine frühere Arbeit in der Kommunalaufsicht. "Ich musste mich daran gewöhnen, dass es keinen Rhythmus mehr gibt und ich nun eine öffentliche Person bin."

Großen Spaß mache ihm das Zusammentreffen mit vielen Menschen, weniger die Verhandlungen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Kommunalaufsicht, mit der er nun von der anderen Seite des Schreibtisches aus argumentieren muss.

Vier große Themen will der Bürgermeister in Zukunft beackern. Zum einen möchte er im Haushalt finanzielle Spielräume schaffen. Die Universität Trier bearbeitet zurzeit eine Studie zur Verwaltungsreform für den Vulkaneifelkreis und den Eifelkreis Bitburg-Prüm, bei der unter anderem auch finanzielle Stärken und Schwächen gezeigt werden sollen. Von der Studie erhofft sich Kruppert neue Erkenntnisse. Davon abgesehen möchte er im nächsten Jahr die Verwaltung umstrukturieren. Zuvor möchte er aber die Mitarbeiter (alleine in der Verwaltung sind es rund 40) noch besser kennenlernen.

Ein weiteres wichtiges Thema wird die Abwasser-Situation sein, unter anderem die Erschließung von 300 Einzelgehöften. In puncto Tourismus möchte er für die ganze Eifel noch mehr gemeinsame Strukturen schaffen. Viertes großes Thema ist die Beteiligung von jungen Menschen in Jugendparlamenten oder ähnlichen Gremien. Über allen Plänen schwebt jedoch das Damokles-Schwert der hohen Verschuldung: 5,2 Millionen Investitionskredite und 17 Millionen Kassenkredite belasten den VG-Haushalt - da kann auch der sportlichste Bürgermeister keine großen Sprünge machen.



Meinung

Geschicktes Management

Der neue Bürgermeister der Verbandsgemeinde Arzfeld, Andreas Kruppert, hat sicherlich nicht die leichteste Ausgangsposition für seinen Amtsantritt vorgefunden. Die VG ist hoch verschuldet, und für neue Investitionen ist kein Geld da. Da kann sich Kruppert nur als gewiefter Schuldenmanager einen Namen machen. Und das hat er auch vor. Im Tourismus möchte er die Kräfte bündeln, den eigenen VG-Haushalt will er konsolidieren, die Verwaltung umstrukturieren und die Jugend mehr in Entscheidungen einbinden. Zumindest diese Pläne kosten nicht viel Geld, bringen die VG aber dennoch weiter voran. Wenn es ihm durch geschicktes Management und die Zusammenarbeit mit anderen Verwaltungen gelingen sollte, sich finanzielle Spielräume zu schaffen, dann kann man auch wieder von neuen Projekten träumen. Doch vorerst muss der Gürtel noch eng geschnallt bleiben. s.glandien@volksfreund.de