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Neuerburg: Historische Fotos aus vergangenen Jahrzehnten

Geschichte : Historische Fotos: So sah Neuerburg vor vielen Jahrzehnten aus (mit Bildergalerie)

Martin Brunker und Egon Colling haben 760 Aufnahmen und Ansichtskarten des historischen Neuerburgs in mühevoller Arbeit digitalisiert. Lohn der Mühe: Ein Buch, welches ab sofort erhältlich ist.

Die Hausangestellten servieren Kaffee und Kuchen, während Notar Albert Neels mit Gästen vor seinem Haus in der Neuerburger Tränkstraße ernst den Blick in die Ferne schweifen lässt. Es wirkt fast kurios, aber diese hochherrschaftliche familiäre Szene stammt nicht aus einem Fotoalbum der Familie Neels. Die Aufnahme von etwa 1910 wurde als Postkarte veröffentlicht. Etwa 760 solcher historischen Karten aus 100 Jahren haben Egon Colling und Martin Brunker zusammengetragen und stellen sie nun in einem 342 Seiten starken Buch vor.

So kam Egon Colling auf die Idee

„Neuerburg – die Perle der Westeifel“ lautet der Titel des Bandes. Die Idee zu dem Buch komme von ihm selber, sagt Colling. Brunker habe 2017 den Band „Geschichte der Stadt und Herrschaft Neuerburg“ veröffentlicht. Colling wiederum sammelt seit vielen Jahren historische Karten und Aufnahmen von Neuerburg. „Und ich bin mit dieser Leidenschaft ja nicht allein. So kamen wir darauf, uns einmal umzuhören und zu schauen, wer noch weiteres Material liefern könnte“, sagt Colling. Nach und nach sei immer mehr zusammengekommen.

Eine große Stütze seien dabei die Sammlungen von Karl Höffler, Norbert Klinkhammer und Rudi Homann gewesen. „Um vielleicht noch ganz unbekannte Ansichtskarten zu finden, schalteten wir auch verschiedene Anzeigen und riefen zur Mitarbeit auf“, sagt Colling. Ebenfalls mit Erfolg. Vor etwas mehr als einem halben Jahr sei es dann an die konkrete Arbeit gegangen.

Scannen und Aufbereiten waren viel Arbeit

Collings Herausgeber-Partner war anfangs übrigens eher skeptisch. „Er fand die Idee nicht so verlockend. Wie ich langsam nachvollziehen kann. Es ist ja nicht getan damit, die Postkarten und Aufnahmen zu sammeln, sie müssen ja auch eingescannt und aufbereitet werden und das blieb halt, er ist da der Fachmann mit der technischen Ausstattung und dem Know-how, an ihm hängen“, sagt Colling und grinst breit. Er habe zwar geholfen, wo es nur geht, aber die Sisyphusarbeit sei dann eben doch an Brunker hängen geblieben.

Besonders das Bildmaterial von Karl Höffler sei, so toll und beeindruckend die Karten auch seien, eine Herausforderung gewesen. „Höfflers Archiv besteht ausschließlich aus Dia-Aufnahmen.“ Wegen der kleinen Größe musste die Auflösung bei der Digitalisierung möglichst hoch sein, um auch kein Bilddetail zu verlieren. „Das dauert aber und ist ein erheblicher Zeitaufwand.“

Immerhin waren die Dias nicht so restaurierungsbedürftig wie manche anderen Ansichtskarten. „Wir machten uns die Mühe, unsere Reproduktionen wirklich so gut es geht digital zu restaurieren. Knicke und Risse wurden ausgebessert, Artefakte und Verschmutzungen entfernt“, sagt Colling. Arbeitsintensiv waren ausgerechnet die nicht farbigen Karten. „Die Graustufenbilder – also schwarz-weiß Aufnahmen – verfärbten sich mit den Jahrzehnten. Sie haben wir nun wieder in ihre originalen Graustufen umgewandelt.“

Und selbst die Größen der Ansichtskarten machten ein bisschen Sorgen. „Vor 1920 waren Postkarten oft deutlich kleiner als die heutigen. Um Details besser sichtbar zu machen haben wir die Karten auf ein Format gebracht.“ Um dem Leser das Schmöckern zu erleichtern wurden die Aufnahmen thematisch sortiert, unter anderem nach Stadtansichten, Burg-Bildern, Aufnahmen des Bahnhofs, aber auch der Straßen, Plätze und Häuser Neuerburgs.

Ein bisschen stolz ist Colling auf das Cover. „Es ist ein Plakat von etwa 1910.“ Die Kunst- und Verlagsanstalt Schaar und Dathe aus Trier haben es für Neuerburg entworfen. „Leider ist über den Künstler nichts bekannt. Wer etwas weiß, kann sich gern melden.“

„Neuerburg – die Perle der Westeifel“ kostet 30 Euro und kann in Neuerburg gekauft werden bei: Kiosk in der Marktstraße, Marktstraße 3; Uhren und Schmuck Neugebauer-Mittler, Oberstraße 9, Astrid’s Bastelstube, Marktplatz 7. Weitere Infos bei Martin Brunker unter Telefon 0171-8595469 oder per E-Mail an m.brunker@t-online.de