Neuerburg sucht Alternativ-Standort für Aldi

Neuerburg sucht Alternativ-Standort für Aldi

Die Ansiedlung eines Aldi-Markts in Neuerburg ist eine heikle Geschichte. Seit Februar 2009 gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan, wonach der Discounter auf dem Ex-Top-Markt-Areal untergebracht werden soll. Die Grundstückseigentümer haben jedoch andere Pläne für das Gelände.

Neuerburg. Wer die Stadt Neuerburg auf der L 10 Richtung Krautscheid verlässt, kommt unweigerlich an dem tristen Anwesen vorbei: eine stillgelegte Tankstelle in ausgewaschenem Rot, in weißen Buchstaben die Aufschrift "Top-Markt", dahinter ein langgezogener flacher Bau, dem man ansieht, dass hier schon lange kein Kunde mehr seinen Einkaufswagen hineingeschoben hat.

Wenn es nach den Plänen der Stadt gegangen wäre, würden hier schon längst die automatischen Schwenktüren eines Aldi-Supermarkts öffnen. Zudem sollten der im Stadthallengebäude ansässige Rewe-Markt und die benachbarte Kik-Filiale auf dem ehemaligen Top-Markt-Areal untergebracht werden.

Zumindest gibt es einen dementsprechenden rechtskräftigen Bebauungsplan, den der Neuerburger Stadtrat bereits im Februar 2009 beschlossen hat. Nichtsdestoweniger lässt die Ansiedlung von Aldi in Neuerburg weiter auf sich warten. "Es war bisher einfach nicht möglich, mit den Grundstückseigentümern eine Einigung zu erzielen", erklärt Neuerburgs Stadtbürgermeisterin Anna Kling.

Das Problem: Seit das Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt wurde, haben sich die Eigentumsverhältnisse am Top-Markt-Gelände verändert. Statt des ursprünglichen Investors, der Aldi nach Neuerburg holen wollte, ist nun eine Eigentümergemeinschaft aus der Enztalstadt Inhaber des Areals. Und die sähe auf dem Gelände lieber einen Handwerker- und Gewerbepark.

Der wiederum ist jedoch von dem rechtskräftigen Bebauungsplan nicht gedeckt, wonach das Gelände nur zur Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel genutzt werden darf. "Es ist natürlich das sehr gute Recht der Eigentümer, dort ihre eigenen Vorstellungen umsetzen zu wollen", zeigt die Stadtbürgermeisterin Verständnis.

Und dennoch habe auch die Stadt eine Verantwortung, müsse Allgemeininteressen berücksichtigen. Denn: Für die langfristige infrastrukturelle Entwicklung Neuerburgs als Mittelzentrum braucht es nach Klings Überzeugung unbedingt einen Aldi-Discounter in der Stadt.

Das sehen auch die Neuerburger und viele aus dem Umland so: Innerhalb eines Monats hatten die drei Stadtrats-Fraktionen CDU, SPD und Liste Hosdorf Ende des vergangenen Jahres 800 Unterschriften pro Aldi in Neuerburg gesammelt.

Ob die Ansiedlung allerdings tatsächlich noch auf der L 10 stadtauswärts in Richtung Krautscheid zu realisieren ist, ist fraglich. "Vonseiten der Stadt ist da immer Gesprächsbereitschaft", gibt sich Kling offen, die versucht, mit Fingerspitzengefühl eine Lösung herbeizuführen. Allerdings ist sie auch Realistin - und deswegen auf der nicht ganz einfachen Suche, auf den sehr begrenzten Flächen in der Enztalstadt einen alternativen Standort mit einer ungefähren Größe von 6000 Quadratmetern zu finden.

"Wir loten zurzeit alles aus, was im Stadtgebiet infrage kommen könnte", sagt sie. Doch bevor kein anderer geeigneter Standort für den Bau von Aldi gefunden sei, werde auch der Bebauungsplan für den Bereich des Ex-Top-Markt-Geländes nicht zugunsten eines Handwerker- und Gewerbeparks geändert, betont Kling: "Von der Stadt wäre es ja geradezu leichtsinnig, dieses Planungsgebiet jetzt leichtfertig aufzugeben."