Neues Blatt im Reifen-Poker

Neues Blatt im Reifen-Poker

GÖNNERSDORF. Seit Jahren will das Reifenunternehmen "Meyer Lissendorf" erweitern (der TV berichtete mehrfach). Bislang jedoch war, aufgrund von Umweltauflagen und zornigem Gegenwind aus der Nachbarschaft, keine Genehmigung zu bekommen. Jetzt aber wird das Verfahren offenbar runderneuert.

Man müsse sich eben "frühzeitig" zusammensetzen, sagt Walter Strutz (FDP), Staatssekretär im Mainzer Wirtschaftsministerium, zu den Problemen bei "Meyer Lissendorf". Dann sei auch dort "eine vertretbare Lösung zu gestalten". Klingt gut - nur: Für frühzeitige Gespräche wird es nach mehr als acht Jahren Planung und mindestens fünf Jahren Verfahrens-Hickhack langsam ein bisschen eng. "Wir hatten das Thema schon abgehakt", meint deshalb auch Hubert Vietoris, Gründer und Chef des Gönnersdorfer Unternehmens."Neue Chance der Konsensfindung"

Doch jetzt kommt das Vorhaben des Reifenmanns wieder in die Spur: "Ich glaube, wir haben eine neue Chance der Konsensfindung", sagt Strutz. Der Staatssekretär kündigt eine erneute Runde an - "noch diesen Monat", mit hochrangigen Vertretern aus demWirtschafts-, Innen- und Umweltministerium. Denn: Das Sorgen-Thema Überschwemmung scheint erledigt - und lässt eine ganz neue Aqua-Planung zu. Der künftige Gefahren-Atlas Mosel werde zwar weiterhin das von Vietoris vorgesehene Areal in den Kyll-Wiesen als Risikofläche aufführen, berichtet Werner Arenz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll. Aber der Unternehmer plane dort ja lediglich Rangier- und Abstellfläche. Die Nachricht ist Wasser auf Vietoris Mühlen: Denn rund fünf Millionen Euro möchte der Unternehmer an seinem Heimatstandort ausgeben. Für neue Hallen, Rangier- und Kommissionierplätze und einen größeren Verwaltungsbau. 11 000 Quadratmeter Erweiterung sind bereits genehmigt, Vietoris aber braucht die doppelte - und bereits gekaufte - Fläche. Sein Räder-Werk mit 100 Beschäftigten, 1974 gegründet, hat so erfolgreich gewirtschaftet, dass es längst aus allen Schläuchen zu platzen droht. Vor allem die Logistik sei kaum noch zu bewältigen, berichtet Geschäftsführer Bernhard Sommer. Ein dicker Auftrag über 180 000 Kompletträder sei deswegen abgeblasen worden.Nachbarn wehrten sich

Vietoris, europaweit unternehmerisch auf Achse, lagerte nach Lissendorf aus, eröffnete Büros in Rotterdam und Andernach - nur vor der Haustür konnte er partout für seine Pneus kein Land gewinnen. Das Problem: Die Nachbarn am Gönnersdorfer Ortsrand, von denen sich einige an kantigen Großhallen und versiegelten Flächen stören, wehrten sich. Und das Umweltministerium pochte bislang auf Einhaltung der Grenze zum Überschwemmungsgebiet der Kyll sowie auf Natur- und Artenschutzbelange. Rund 70 Arbeitsplätze, sagt Vietoris, seien dadurch der Eifel abhanden gekommen. Und das in einer Gemeinde, die durch viele Umweltprojekte geradezu vorbildlich zu nennen sei, wie Gönnersdorfs Ortsbürgermeister Walter Schmidt und der Beigeordnete und Bruder des Firmenchefs, Josef Vietoris, unisono bekräftigen. Artenschutz - feine Sache, findet auch VG-Chef Werner Arenz. Aber der sollte dann eben auch so seltene wie erfolgreiche Unternehmer einbeziehen: "Wenn es schon schwierig ist, neue Betriebe hier anzusiedeln, dann muss es möglich sein, dass man die bestehenden schützt." Jetzt scheint die Unwucht aus dem Verfahren raus. Und wenn die Reifen - vorbehaltlich eines Bürger-Beteiligungsverfahrens - im Dorf bleiben, freut sich Arenz auf weitere Arbeitsplätze. 100 Beschäftigte seien zwar ein Pfund - "aber da kann man noch ein Schippchen drauflegen".