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Neues Eifel-Bier aus Blankenheim trägt Siegel der Eifel-Qualitätsmarke

Innovationen : Fünf Freunde bringen helles Bier aus der Eifel auf den Markt

Wie fünf Freunde in dunkler Zeit ein Helles erfanden – ein Bier, das es bisher in der Region nicht gab, mit dem Segen der Eifel-Qualitätsmarke. Seit dieser Woche ist das Blankenheimer Produkt auf dem Markt.

Sie wissen, dass sie mit ihrem neuen Bier nicht gegen den Platzhirsch und andere große Hersteller anstinken können: „Wir werden damit nicht reich“, sagt Kai Janssen aus Köln, einer der beiden Geschäftsführer der Blanq GmbH in Blankenheim. „Aber wir wollten etwas bewegen, etwas Anderes machen.“

Das Andere heißt „Blanq Eifeler Helles“ und ist seit dieser Woche im eigenen Laden in Blanqen ... pardon, Blankenheim und dort auch im Rewemarkt zu haben – weitere Verkaufsstellen, wie es derzeit aussieht, nicht auszuschließen. Denn die Bestellungen ziehen an, auch die ersten Gastronomen in der nördlichen Eifel haben schon geordert. Und neben vielen Händlern und Lokalen, sagt Janssen, „haben auch Eifelfreunde aus Köln, Bonn und Düsseldorf bereits bestellt“.

Ein Helles im Pilstrinkerland? Klar doch: „In Corona-Zeiten kommt man auf solche Ideen“, sagt Janssen. Und zwar in Blankenheim, seinem Wochenend- und Feriensitz, wo er während der Pandemie mit Frau und Tochter noch viel mehr Zeit verbrachte als ohnehin schon.

Die offizielle Gründungslegende geht, wie auf der Website der GmbH nachzulesen, so: „Als wir mal wieder gelangweilt von der elegischen Stimmung beim Bier zusammensaßen, sind uns zwei Dinge aufgefallen: Zum einen ist die Auswahl an handwerklich gebrauten, guten Eifeler Bieren noch recht überschaubar. Und zum anderen könnte nachhaltiger Eifel-Tourismus stärker gefördert werden: Erholung vor der Haustüre und im eigenen Land, (Rad-)Wandern, lokale Angebote für natur-, kultur- und genussliebende Menschen.“

Klingt gut. Man merkt, dass die Köpfe dahinter mit Marketing zu tun haben (siehe Info). Aber das wollen sie nicht auf ihr Produkt beschränken: Sie könnten sich, sagt Janssen, auch Partnerschaften mit anderen Klein-Produzenten vorstellen, vielleicht einmal ein lokales Bierfestival. Und alle, die mit ihnen kooperieren oder schlicht ihr Bier verkaufen, sollen ebenfalls in den Genuss der Blanq-Öffentlichkeitsarbeit kommen.

Thema Bier und Klein-Hersteller: Ganz so wenig hat sich da nicht getan in der jüngeren Vergangenheit. Im Juni hat das Brauhaus in Prüm – mit seinem Abtei-Bräu – eröffnet (der TV berichtete). In Stadtkyll-Schönfeld produziert der erfahrene Braumeister Uwe Sibiak sein „Wirfttaler“, im ostbelgischen Grenzland haben die Domaine Berterath in der Gemeinde Büllingen und die „Peak“-Brauerei in Sourbrodt interessante Biere im Programm.

Und schon seit vielen Jahren unter dem Dach der Eifelmarke findet man die Gemünder Brauerei mit ihrem Eifeler Landbier, die Privatbrauerei Cramer in Nideggen-Wollersheim und die Vulkan-Brauerei in Mendig – die ist auch Partner der Blankenheimer Biererfinder: Denn bei allen Ideen fehlte den fünf Gründern eine wesentliche Voraussetzung: Irgendwer musste das Bier auch brauen.

Da kamen dann die Fachleute in Mendig ins Spiel: Dort wird das Helle hergestellt, aus Eifeler Sommergerste, dem Wasser der Vulkan-Brauerei und vor allem, kein Witz, „in wirklich jeder Flasche einem Spritzer Ahrquellwasser“. Das einzige, was nicht aus der Region kommt, sondern aus Bayern und Böhmen, ist der Hopfen.

Aber warum ein Helles? „Wir haben uns natürlich vorher den Markt ein bisschen angeguckt“, sagt Janssen. Und der habe gezeigt, dass in den Städten dieses Bier immer besser laufe. Es sei „eine Boom-Sorte“. Gleichzeitig habe man festgestellt: „In der Eifel gibt’s noch kein Helles.“ Da habe der Entschluss dann gestanden. Außerdem biete es im Vergleich zum herberen Pils eine deutlich andere Geschmacksnote: „Es ist ein bisschen süffiger und hat eine leichte Malznote. Und vor allem die Frauen, denen wir es zum Testen gegeben haben, haben sich dafür ausgesprochen.“

Den Zuspruch erhielten sie dann auch schnell von der Eifel-Marke in Prüm, wo man nicht viel Überzeugungsarbeit leisten musste: Die Vulkan-Brauerei, sagt Marken-Geschäftsführer Markus Pfeifer, „ist ja schon lange bei uns“. Dort werde auch alles kontrolliert. Und für Existenzgründer wie die fünf aus Blankenheim und für genau solche Ideen, ergänzt er, „sind wir ja vor vielen Jahren erfunden worden“. Kurz: „Da passt eigentlich alles.“

Wie auch das Timing: Dieser Tage ist das Bier in den Verkauf gegangen, rechtzeitig zu höheren Temperaturen und niedrigeren Infektionszahlen. Derzeit erhält man es im Sechser-Gebinde oder einzeln. Und weil es kein Massenprodukt ist, kostet die 0,3-Liter-Flasche ein bisschen mehr als andere Biere: 1,89 Euro pro Stück, mit Pfand.

Als wir mit Kai Janssen telefonieren, hat er gerade sei allererstes, offizielles, frisch geliefertes „Blanq Hell“ probiert. Und? „Lecker. Zum Glück.“ Am (Feier-) Abend stellt sich auch der Reporter tapfer dem Selbsttest. Füße hoch, Helles ins Glas. Urteil: Das könnte was werden mit dem neuen Bier.

 Das neue Helle aus der Eifel.
Das neue Helle aus der Eifel. Foto: Blanq GmbH

Das bestätigt, zwei Tage nach Veraufsstart, auch Mario Olzem, Co-Initiator des „Hellen“, dessen Geschenkeladen mitten im Ort auch Sitz der Firma ist: Es läuft bestens an. „Wahnsinn. Wir haben schon dicke nachbestellt. Wir können’s kaum glauben.“ Und dann war da noch „Mahrvin“: Der Damhirsch ist dieser Tage im Rudel auf der Kasselburg geboren. Und soll das Maskottchen der Biermarke werden, wie bereits auf den Werbematerialien zu sehen. Bald kommt er auf den Schul-Bauernhof Lampertstal in Blankenheim. Wie gesagt: Von Marketing verstehen sie was.