Neues Leben in Bitburgs ewiger Abrissbude

Metallbauer mietet Schaufenster im alten Kösterhaus : Neues Leben in Bitburgs ewiger Abrissbude

Hinter dem Schaufenster des Kösterhaus in Bitburg tut sich was. Ein Metallbauer aus Sankt Thomas stellt dort seine Ware aus. Das heißt aber auch: Mit dem Abriss wird es noch dauern.

Bitburg ist eine Stadt im Wandel. Das ist nicht nur in der Fußgängerzone zu bemerken, wo seit Jahren Bauarbeiten laufen. Auch am Ortseingang aus Richtung Neuerburger Straße hat sich in den vergangenen 15 Jahren viel getan: Erst zog es Aldi an den Stadteingang, dann Edeka und der Action-Markt. Umliegende Häuser wurden renoviert, die Konrad-Adenauer-Anlage verschönert.

Ein Altbau aber hat sich in all dieser Zeit überhaupt nicht verändert: das ehemalige Köster-Haus im Karenweg. Seit die Firma Köster Mitte der 1990er-Jahre ins Industriegebiet „Auf Merlick“ zog, stand das Gebäude leer. Bis jetzt. Denn, von vielen unbemerkt, ist in Bitburgs ewiger Baustelle etwas passiert.

Vor Wochen waren die Fenster so milchig, dass man kaum hindurchschauen konnte. Nun sind sie sauber. Und es gibt auch etwas zu sehen: Wo früher Baumaterial und Müll herumlag, glänzen jetzt Edelstahl-Möbel, ein Schwenkgrill und andere Metallwaren. Wo sie herkommen, verrät ein neues Schild an der Tür: „World of Steel“.

Die Firma mit Sitz in Bruderholz, einem Ortsteil von Sankt Thomas, hat die Schaufenster nämlich gemietet. Verkauft werde vor Ort aber nichts, wie Geschäftsführer Thomas Knubertz verrät. Die Metallbauer nutzen das Köster-Haus als Werbe-Platz: „Die Leute, die vorbeigehen, können sich einen Eindruck von unserer Produktpalette verschaffen.“

Foto: TV/Christian Altmayer

Es ist nicht das erste Mal, dass Knubertz in der Kreisstadt seine Waren ausstellt. Beim Beda-Markt im März hatte der Metallbauer im ehemaligen Modehaus Nickels ein Schaufenster hergerichtet. Nach der Veranstaltung stand das Haus dort aber nicht mehr zur Verfügung.

Auf der Suche nach einer neuen Werbefläche stieß Knubertz dann auf das leerstehende Gebäude im Karenweg. Also nahm er Kontakt zum früheren Köster-Prokuristen Wolfgang Mayer auf und traf mit ihm eine Vereinbarung: Bis zum Abriss des Gebäudes darf „World of Steel“ bleiben. Wie lange das sein wird? Darüber weiß Knubertz nichts genauen.

Bekannt ist, dass Mayer seit vier Jahren plant, den Komplex abzubrechen und einen neuen hochzuzuziehen. Den Bauantrag hat der Unternehmer 2015 bei der Kreisverwaltung beantragt, wie ein Sprecher der Behörde bestätigt. Die Genehmigung habe das Amt im November 2018 erteilt. Bislang wurde aber lediglich die Fassade gesichert. „Wann und ob mit dem Bau und Abriss angefangen werden soll, ist uns nicht bekannt“, schreibt ein Sprecher der Verwaltung. Mayer selbst war nicht zu erreichen.

Nach wie vor ist am Köster-Haus also keine Abrissbirne in Sicht. Davon profitiert Metallbauer Knubertz. Er gibt allerdings zu: „Beim Schaufenster in der Trierer Straße war die Resonanz besser. Da standen die Leute an der Ampel und hatten Zeit sich die Dinge hinter den Scheiben anzuschauen.“ Von den Ausstellungswaren im Köster-Haus nähmen weniger Menschen Notiz: „Die Menschen schauen da gar nicht hin, weil sie es gewohnt sind, dass sich dort nichts tut.“

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