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Tankstelle: Neues von der Meilbrück

Tankstelle : Neues von der Meilbrück

Warum Total zu Star wird, und was den Besitzern Sorgen macht.

Bitburg Wenn Niklas Schilling (21) die Tankstelle an der Meilbrück bald aus dem Familienbetrieb übernimmt, wird er sie schließen. An alle mit der Nadel im roten Bereich, sorry für die Panik: nur nachts, nur in der Winterzeit. Vom 1. Dezember bis zum 30. April soll die jetzt noch 24-Stunden-Tanke von 23 Uhr bis 5 Uhr zu machen. Die Idee komme von ihm. Der Grund: zu wenig Umsatz, zu hohe Kosten in den stillen Stunden. "Allein wenn die ganzen Lichter hier nachts brennen", wirft er ein. Die nächste 24-Stundentankstelle wird es ab dann bei Welschbillig in Richtung Trier geben oder in Bitburg die Aral auf der Saarstraße. Schon jetzt ist Freizeit Mangelware für Niklas Schilling - manchmal nur zwei Tage im Monat -, denn er habe "die Zügel schon größtenteils in der Hand", wie er sagt. Sein Vater, Achim Schilling, kümmert sich weiterhin um den Gastronomiebetrieb Restaurant Schilling direkt nebenan.
Ab 2019 gibt es auch ein "völlig neues Erscheinungsbild", sagt der Senior-Chef. Mit Erscheinungsbild meint er, dass die Familie den Vertrag mit dem Mineralölunternehmen Total auslaufen lassen möchte und schon in den Verhandlungen mit dem Konzern Orlen steht. Wo jetzt "Total" in leuchtenden Lettern prangt, steht dann bald "Star". Wer das nicht kennt, muss sich nicht grämen, "Star"-Embleme sind in Rheinland-Pfalz (noch) Raritäten. Warum der Wechsel? "Das Unternehmen hat eine jüngere Philosophie. Das passt gut zu uns, weil wir auch innovativ sind", erklärt Schilling. Auf finanzielle Beweggründe geht er nicht ein. Obwohl das Geld für die Familie auf jener Straße liegt: Wenn die Schillings von der B-51 sprechen, schwindet der Enthusiasmus. Die Bundesstraße ist für viele Pendler wie ein Autobahnersatz. Während wochenlanger Bauarbeiten diesen Jahres verlängerte sich für Verkehrsteilnehmer die Zeit vorm Steuer merklich, da fährt der Frust mit auf dem Beifahrersitz. Die Strecke war zwischen dem 3. Juni und dem 16. Juli etwa 14 Tage gesperrt. Die Unternehmer waren demnach in dieser Zeit von eingeschränktem Verkehr und damit weniger Kunden betroffen.
Was die Pendler Nerven und Sprit kostete, soll der Familie Schilling starke Gewinneinbußen beschert haben. Achim Schilling spricht von 30 000 bis 40 000 Euro. Zur Verdeutlichung die Zahlen des Landesbetriebs für Mobilität: Etwa 16 000 Fahrzeuge fahren täglich an der Meilbrück vorbei, davon rund 2500 Laster. Etwa 800 der Reisenden gingen täglich durch die Tankstellenpforten, rechnen die beiden Schillings vor. "Das fangen wir heute noch auf", sagt Achim Schilling zu den Einbußen. Und wie? "Selber Schichten übernehmen, die sonst Mitarbeiter machen", erklärt Niklas Schilling. In einem Grenzgebiet zu Luxemburg, wo sich generell mit Benzin nicht viel verdienen lasse, ist das ein zusätzliches Problem.
Das größte Anliegen der Schillings liegt auch auf den Straßen, ist aber ein anderes: Die Beschilderung zur Raststätte - und da hofft die Familie auf Orlen. Denn das Mineralölunternehmen müsste jede Menge Genehmigungen einholen und im Zuge dessen "würde sich vielleicht die Politik regen, um die Raststätte besser zu beschildern", hofft Achim Schilling. Warum der Ärger um ein paar Hinweise? Die Schillings haben schon oft beobachtet, wie Fahrer unerlaubt gewendet haben, weil sie die Einfahrt zur Raststätte verpasst haben. "Das ist lebensgefährlich", sagt der Senior-Chef.
Der Landesbetrieb für Mobilität reagiert auf Schillings Kritik: "Der Anlieger Schilling wurde mit einem nicht unerheblichen Betrag dafür entschädigt, dass er den Parkplatz auf der dem Rasthof gegenüberliegenden Seite selbst planen und bauen lässt." Zahlen nennt die Behörde nicht. Der Bund habe wiederum die Fußgängerbrücke geplant und finanziert - zurzeit noch eine Brücke ins Leere, denn der angedachte Parkplatz (der TV berichtete) ist nie entstanden. Ebenso wenig setzten die Raststättenbetreiber die Pläne um, einen Erotikladen oder ein Motel um. Konkret wird Achim Schilling zu den Vorhaben nicht auf TV-Anfrage. Der Streit um die Beschilderung könnte also ein Fortsetzungsroman werden.Extra: ORLEN UND STAR

 Niklas Schilling (links) ist als Kind schon mit dem Kart um die Meilbrück gefahren, jetzt hält er die Geschicke der Tankstelle in den Händen. Achim Schilling leitet das Restaurant – und zeigt uns, wie man eine Crème brûlée flambiert. Bon Appetit!
Niklas Schilling (links) ist als Kind schon mit dem Kart um die Meilbrück gefahren, jetzt hält er die Geschicke der Tankstelle in den Händen. Achim Schilling leitet das Restaurant – und zeigt uns, wie man eine Crème brûlée flambiert. Bon Appetit! Foto: (e_bit )
Tankstelle: Neues von der Meilbrück
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Die Orlen Deutschland GmbH, eigene Schreibweise ORLEN Deutschland, ist ein mittelständisches Mineralölunternehmen mit Sitz in Elmshorn. Es betreibt Tankstellen unter dem Namen Star. Das Unternehmen gehört zur Kapitalgruppe des polnischen Mineralöl- und Petrochemiekonzerns PKN Orlen, beschäftigt rund 140 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 3,32 Milliarden Euro. Orlen Deutschland betreibt derzeit mehr als 550 Tankstellen, die sich vorwiegend in der Nordhälfte Deutschlands befinden. (Quelle: Wikipedia)