Nicht gelandet: Mondfahrer wird kein Ehrenbürger

Im Ältestenrat sind nicht alle vom Vorschlag begeistert : Mondfahrer landet nicht in Bitburg

Dass der Astronaut Buzz Aldrin drei Jahre in Bitburg gelebt hat, ist kein Geheimnis. Sollte die Stadt dem Mondfahrer deshalb zum Ehrenbürger ernennen? Darüber hat der Ältestenrat diskutiert. Das Ergebnis: Das wird wohl nichts.

Wir schreiben den 21. Juli 1969. Geschätzt eine halbe Milliarde Menschen schaut drei Männern zu, wie sie ihre ersten Schritte auf dem Mond machen. Auch die Eifeler haben bei dem historischen Moment vor den Mattscheiben geklebt. Und der ein oder andere hat dabei womöglich ein bekanntes Gesicht gesehen.

Denn der zweite Mondfahrer, Edwin „Buzz“ Aldrin, hat drei Jahre lang in Bitburg gelebt. Von 1956 bis 1959 war der amerikanische Soldat und spätere Astronaut Kommandeur einer Flugstaffel in der Bierstadt.

Nun hat sich 2019 die Mondlandung zum 50 Mal gejährt. Und dieses Jubiläum brachte das ehemalige Stadtratsmitglied Stephan Garçon ins Grübeln. Seit Jahren hat die Stadt keinen Ehrenbürger mehr ernannt. Warum also nicht, den Jahrestag zum Anlass nehmen, um Aldrin zum Bitburger honoris causa zu machen?

Foto: dpa/Buzz Aldrin

Schnell tippt der Sozialdemokrat eine E-Mail an den Bürgermeister, in der er den Vorschlag unterbreitet. Was auf den ersten Blick weit hergeholt wirkt, erklärt Garçon in dem Brief so: „Die wohl größte technische Meisterleistung in der Menschheitsgeschichte und die Tatsache, dass Aldrin als Pilot der Raumfähre beteiligt war und er drei Jahre in Bitburg ebenfalls als Pilot stationiert war, sollten Grund genug sein.“

Ein netter Nebeneffekt wäre es, dass die Auszeichnung einer berühmten Person auch Werbung für die Stadt wäre. Etwas anderes ist dem Sozialdemokraten aber wichtiger: Die Würdigung Aldrins würde nach seiner Ansicht die deutsch-amerikanische Freundschaft befördern, die unter der Trump-Regierung gelitten habe.

US-Soldaten hätten die Eifel vier Jahrzehnte geprägt und einen nie dagewesenen Wohlstand in die Stadt gebracht. Hunderte Freundschaften und Ehen seien entstanden. „In meiner Generation hatte jeder einen Freund aus den Staaten“, erinnert sich Garçon. Und es werde Zeit, dieser „Boomzeit jenseits von Sonntagsreden zu gedenken“: „Das würde die Lebensleistung eines Helden würdigen, von dem wir mit Stolz sagen können: Er war drei Jahre lang ein Bitburger!“

Auch wenn Garçon Feuer und Flamme ist: So richtig angetan scheint man im Rathaus von dem Vorschlag nicht zu sein. Auf Nachfrage des TV lässt Bürgermeister Joachim Kandels wissen: „Einen direkten Bezug zur Mondlandung und Bitburg sehe ich nicht, wenngleich Herr Aldrin als späterer Astronaut sicherlich Menschheitsgeschichte geschrieben hat.“

Auch die deutsch-amerikanische Freundschaft sieht Kandels nicht in Gefahr. Im Gegenteil: Sie werde in der Region „in herausragender und weltweit beachteter Weise durch das Zusammenleben dokumentiert“ und vom Host Nation Council und der Air Base Spangdahlem befördert.

Aber das sind nicht die einzigen Bedenken des Stadtchefs. Kandels glaubt auch, dass der Vorschlag, Aldrin zum Honoratior zu ernennen, im Stadtrat keine absolute Mehrheit finden wird. Wie er darauf kommt? Der Bürgermeister hat die Idee  dem Ältestenrat unterbreitet. Doch im Gremium, in dem die Vorsitzenden der Fraktionen sitzen, gab es Widerstand. Bei der Verleihung einer so wichtigen Auszeichnung hielte der Bürgermeister aber „einen einstimmigen Beschluss für wünschenswert“. Weswegen er Aldrin im Stadtrat gar nicht erst vorschlagen will. Kritik im Ältestenrat kam auch vom Grünen-Chef Peter Berger: „Ich war aber nicht der Einzige, der sich dagegen ausgesprochen hat.“ Warum er den Astronauten nicht für geeignet hält, erklärt er so: „Ein Ehrenbürger muss eng mit der Stadt, die die diese Ehre verleiht, verbunden sein. Das sehe ich bei Aldrin nicht, der hier nur drei Jahre gelebt hat.“ Ein weiterer Kritikpunkt: „Aldrin war Soldat.“ Man sollte aber nach Meinung Bergers eher Menschen ehren, „die für friedliche Lösungen von Konflikten eintreten.“

Berger sei aber einer Diskussion im Stadtrat nicht abgeneigt, sagt er. Nur fände er es dann besser, wenn nicht Garçon, sondern dessen ehemalige Fraktion, die SPD, den Antrag stellen würde. Eine Aussage, die Garçon empört: „Ich habe nicht als SPD-Mitglied einen Antrag gestellt, sondern als Bürger einen höflich vorgetragenen Vorschlag gemacht. Das wird in dieser Stadt doch wohl noch erlaubt sein.“ Dass Kandels die Sache wegen der „wenigen Gegenstimmen“ abgeblasen hat, findet der Antragsteller überdies „mutlos“.

Kandels hingegen schwebt eine andere Art der Würdigung vor. Er wäre offen, sagt er, nach Aldrin eine Straße in Bitburg zu benennen.

Was meinen Sie? Wäre Buzz Aldrin ein geeigneter Ehrenbürger für Bitburg? Und wenn nicht er: wer dann? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an eifel@volksfreund.de

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