Nicht nur sportliche Höchstleistungen: Wolsfelder Bergrennen bietet auch Stoff für persönliche Geschichten

Nicht nur sportliche Höchstleistungen: Wolsfelder Bergrennen bietet auch Stoff für persönliche Geschichten

Pfingsten in Wolsfeld: Das ist weit mehr als nur Bergrennen, als nur das Studieren von Ergebnislisten und Siegerehrungen. Pfingsten in Wolsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm), das ist auch Gemeinsamkeit über die Grenzen hinweg und eine Ansammlung vieler kleiner persönlicher Geschichten und Episoden.

Foto: (e_bit )

Nervös trippelt die kleine junge Dame vor dem bunten Flitzer, der da in einer Reihe anderer Rennwagen steht und auf seinen Start wartet, auf und ab. Die rosafarbene "Micky-Maus", ihre Ohrschützer, die sie vor dem infernalischen Knallen und Dröhnen der schnellen, bunten Flitzer beim Starten etwas schützen sollen, schiebt sie von einer Hand in die andere. Ein Blick zu ihrem Vater, ein aufmunternder Schubs, doch so ganz traut sie sich offenbar doch nicht, den Mann anzusprechen, der da mit ein paar anderen Rennfahrer-Kollegen vor besagtem Fahrzeug steht.
Ein Bild mit ihrem Idol Bruno Ianniello, Dauergast beim Wolsfelder Bergrennen und vielfacher Sieger in der Eifel, das ist es, was sie will. Und als der ewig freundlich lächelnde und gut gelaunte Herr aus der Schweiz sie bemerkt, ihr freundlich zulächelt und sie bei der Hand nimmt, damit der Papa sein Handyfoto machen kann, strahlt sie über das ganze, kleine, kindliche Gesicht. Jo Ries, so heißt die rennsportbegeisterte kleine Lady, hat endlich das, was sie wollte: Die Luxemburgerin aus dem benachbarten Reisdorf darf ein Bild mit dem schnellen Mann aus der fernen Schweiz, den sie so verehrt, mit nach Hause nehmen.
"Zehn Jahre bin ich", erzählte uns Jo nachher und ihr Vater ergänzt im kleinen Plausch mit dem TV: "Wir haben sie das erste Mal mitgenommen, als sie drei Jahre alt war. Sie war vom ersten Moment an von allem hier begeistert." Für Jo, eine von vielen Luxemburger Gästen an diesem Pfingst-Wochenende sind es "die vielen bunten Rennautos", die so begeistern. Und an den Bruno, der sie jetzt an die Hand genommen hat für das Foto und den alle in Wolsfeld nur den "Raketenbruno" nennen, erinnert sie sich sehr gut. "Den finde ich ganz toll."
Toll finden viele Gäste, viele Fahrerinnen und Fahrer, aber auch viele Einheimische immer das, was sich an Pfingsten im Dorf abspielt. Dann, wenn die Holsthumer Straße, wo sich die Fahrzeuge immer wie an der Perlenschnur aufgereiht zum Start aufstellen, zu einer Art Boxengasse mutiert. Dort, wo die Leute in den Vorgärten sitzen, Tische und Bänke herausgenommen, den Grill angeworfen und auch oft schon ein kleines Fässchen Pils angesteckt haben. Man trifft sich, man kennt sich, man hilft sich.
Als Didier Broemer aus dem belgischen Malmedy, auf den Start wartend, an seinem Citroen ein paar Tropfen Öl auf dem Asphalt verliert, kommt einer der Umstehenden, bringt ihm einen großen Lappen und macht ihn darauf aufmerksam: "Guck mal, du verlierst Öl an deinem Auto."
Der zur Rennflunder aufgemotzte Opel Kadett von Alexander Elzach hat es einer Gruppe junger Männer aus der Eifel angetan, die begierig wissen wollen, was der Fahrer denn an seinem einst serienmäßigen Auto so alles verändert habe, bis ein solches "Geschoss" daraus entstanden ist. Schnell steht man in einer Gruppe beisammen, tauscht sich unter Auto-Interessierten aus.
Derweil pilgern andere Gäste am frühen Sonntag, schon mit Sonnenschirmen, Campingstühlen und Kühltaschen ausgerüstet, an uns vorbei in Richtung einer der Kurven an der Strecke, von wo aus man das Rennen besonders gut beobachten kann. Dort und im Festzelt haben die Mitglieder der Wolsfelder Vereine alles vorbereitet für die Bewirtung der Motorsportfreunde, die sich in jedem Jahr an Pfingsten das Spektakel am Wolsfelder Berg nicht entgehen lassen wollen. Auch die Organisation der Parkplätze obliegt der einheimischen freiwilligen Feuerwehr.
"Die Vereine haben das, was für sie an Pfingsten dabei herausspringt, schon fest für ihr Jahresbudget einkalkuliert. Und wir wissen, dass wir uns darum nicht kümmern müssen. Das klappt einfach in jedem Jahr wie am Schnürchen", lobt Christoph Schackmann, der Vorsitzende des Eifel-Motorsportclubs Bitburg, das Miteinander beim Bergrennen.