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Nicht überall kann Oma helfen

Nicht überall kann Oma helfen

STADTKYLL. Als erste Einrichtung im Oberen Kylltal bietet der Kindergarten Stadtkyll eine ganztägige Hort-Betreuung für Grundschüler. Dadurch bleiben nicht nur dort Arbeitsplätze erhalten.

"In jedem Beruf gibt es Wandel. Auch bei uns", sagt Kindergarten-Chefin Annemie Müller. "Wir haben jetzt Kinder zwischen drei und elf Jahren hier. Das ist schön - und für uns eine Bereicherung." Das gilt im zweifachen Sinn: Bislang nehmen 15 Kinder aus Kerschenbach, Reuth und Stadtkyll teil - und sie sichern damit Arbeitsplätze. "Ohne die Hort-Gruppe hätte ich zwei Leute nach Hause schicken müssen", sagt die Leiterin. Denn seit vergangenem Jahr ist die Kinderzahl auf rund 70 gesunken - zu wenige für vier Gruppen mit je zwei Betreuerinnen. Dank der Hortkinder dürfen die Frauen ihre Jobs behalten. Hort-Betreuung, das heißt: Die Erzieherinnen kümmern sich auch um Kinder aus der benachbarten Grundschule. Die ersten sind bereits um 7.15 Uhr im Kindergarten und warten dort auf den Schulbeginn. Nach der letzten Stunde kommen sie zurück, erhalten ein frisch gekochtes Mittagessen und unter anderem Hausaufgaben-Betreuung. "Schön, dass man hier für die Kinder kocht", freut sich der sechsjährige Hort-Junge Richard Serve. Und Marius Michels (acht Jahre) ist froh, dass er abends mit erledigten Hausaufgaben heimgehen kann. In der ersten Januar-Woche bietet der Kindergarten außerdem ein Ferienprogramm, zum Beispiel mit Besuch im Vulkamar. Das gefällt dem sechsjährigen Massimo Sportelli: "Schwimmbad - cool!" Annemie Müller: "Wir haben alle Hortplätze belegt. Und bereits weitere Anfragen." Trotz Mehrkosten: Rund 5000 Euro sind es insgesamt für die Ortsgemeinden, wie Dieter Hilgers von der Verbandsgemeinde Obere Kyll mitteilt. Und die Eltern zahlen, je nach Einkommen, zwischen null und 155 Euro im Monat. Sie tun das alle gern: Viele sind allein erziehende Mütter und auf die Betreuung angewiesen, denn es stehen längst nicht mehr überall Großeltern als Nothelfer bereit. Und bevor da irgendwelche Diskussionen aufkommen, wird die KiGa-Chefin kategorisch: "Es macht nicht die Qualität einer Mutter aus, ob sie arbeiten geht oder ständig auf ihren Kindern gluckt. Das Problem ist einfach immer noch die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft. Warum bildet man sie denn aus, wenn sie hinterher zu Hause bleiben sollen?" Deshalb habe sie höchsten Respekt vor arbeitenden Müttern - von denen etliche ohne das Hort-Angebot ebenfalls auf ihre Jobs verzichten müssten. "Es geht nicht ohne Ganztags-Betreuung", sagt Annemie Müller. "Warum sind wir denn bei Pisa so schlecht?", schiebt sie hinterher - und ärgert sich über viele, die zwar offiziell ihre Kinder daheim erziehen, in Wirklichkeit "aber nur Kaffee trinken". Obwohl sie auch weiß, dass längst nicht alle im Dorf für eine Ganztags-Betreuung sind: "Aber das juckt mich wenig. Obwohl ich selbst früher auch dagegen war. Aber ich konnte eben immer arbeiten - weil ich zwei Omas in der Nähe hatte." Stadtkyll soll, neben der integrativen Tagesstätte in Daun, nicht der einzige Hort-Ort im Kreis bleiben: "Wir haben vorigen Sommer eine kreisweite Umfrage gemacht, um den Bedarf zu ermitteln", sagt Berthold Schmitz von der Kreisverwaltung. "Das ergab ein ganz klares Ergebnis: Der Bedarf an Betreuung für Schulkinder wird größer und größer. Und da müssen wir reagieren."