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Nicht unbedingt eine Frage des Glaubens

Nicht unbedingt eine Frage des Glaubens

Der November ist der Monat des Totengedenkens. Die Menschen besuchen die Gräber auf den Friedhöfen und Ehrenfriedhöfen. Doch nicht immer ist die Grabpflege gewährleistet, was auch ein Grund dafür ist, warum die Zahl der Urnenbestattungen zunimmt.

Bitburg. (uhe) "Die Tendenz geht eindeutig zur Urne", sagt Klaus Wagner. "Zu beobachten ist das seit 2004." Damals nämlich wurde das sogenannte Sterbegeld komplett aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen, nachdem es bereits in den Jahren zuvor nach und nach reduziert worden war. Aus Kostengründen hätten sich ab dann auf einmal deutlich mehr Menschen für eine Urnenbestattung entschieden, erklärt Wagner, "wenngleich der Kostenunterschied nicht groß ist".

Klaus Wagner ist Mitinhaber eines Bitburger Bestattungsunternehmens, dessen Tagesgeschäft mittlerweile zu 60 Prozent aus Urnenbeisetzungen besteht. "Das ist auch bei uns inzwischen eine ganz normale Bestattungsform", sagt er. Es gebe zwar im Umland noch immer Dörfer, in denen die Sargbeisetzung nach wie vor dominiere. Doch sei auch dort damit zu rechnen, dass sich das demnächst ändern wird.

"Die Zeiten der großen Familiengräber sind vorbei", meint auch Wolfgang Klaas von der Verbandsgemeindeverwaltung Bitburg-Land. Deshalb hätten sich schon viele Gemeinden dieser Entwicklung angepasst und ihre Friedhofssatzung entsprechend geändert. So gebe es auf einigen Friedhöfen bereits Urnenfelder sowie die Möglichkeit, die Urnen in einem herkömmlichen Sarggrab beizusetzen.

"Ein Sarg muss mindestens 90 Zentimeter überdeckt sein, eine Urne lediglich 50 Zentimeter", erklärt Klaas, so dass es problemlos möglich sei, bis zu vier Urnen in einem bereits belegten Sarggrab beizusetzen. Abhängig ist die Zahl meist von der Größe der Urnen.

Gleiches gilt für Bitburg. Rund 120 Bestattungen gibt es dort pro Jahr. Etwa 55 Prozent davon sind Urnenbestattungen, und wie Werner Krämer von der Stadtverwaltung erklärt, lag der Anteil vor zehn Jahren noch bei ungefähr 20 Prozent. "In der Innenstadt ist der Prozentsatz etwas höher, in den Stadtteilen etwas niedriger", fügt Krämer hinzu. Zudem gebe es auf dem Friedhof Kolmeshöh noch ein anonymes Urnenfeld, wo jährlich etwa zehn bis zwölf Verstorbene aus dem gesamten Umland beigesetzt würden.

Die Möglichkeit einer Urnenbeisetzung gibt es auch in einem Waldstück bei Niederweiler. Dort wurde vor vier Monaten ein Begräbniswald eröffnet. Nach Auskunft des Ortsbürgermeisters Günter Weber hat es bereits mehr als 30 Urnenbestattungen gegeben. Die meisten davon stammen aus dem nördlichen Teil der Republik, doch wie Weber sagt, zeigten auch Einheimische zunehmend Interesse an dem im Eifelkreis bislang einzigen Angebot dieser Form.

"In vielen Fällen hat das nicht etwa esoterische Gründe, sondern einfach damit zu tun, dass die Grabpflege nicht mehr gewährleistet werden kann", erklärt Bestatter Wagner die zunehmende Nachfrage an Naturbestattungen. Denn anders als früher seien die Angehörigen mittlerweile oft im ganzen Land verstreut. Nach wie vor wichtig sei aber dennoch ein Ort zum trauern. Und das könne sowohl ein Friedhof als auch ein Wald sein. Nur eben nicht der eigene Garten, weil das in Deutschland im Gegensatz zu einigen Nachbarländern nach wie vor verboten sei, sagt der Bestattungsunternehmer. "Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass sich auch dies irgendwann ändert." EXTRA Landläufig gilt der November als der Gedenkmonat an die Verstorbenen, Gefallenen und Vermissten - was ihm auch den Namen "Totenmonat" einbrachte. Passend zur Jahreszeit wird im Kirchenjahr im November der Verstorbenen, Gefallenen und Vermissten gedacht. Allerheiligen (1. November) wurde 835 als Feiertag unter Ludwig dem Frommen eingeführt - als Fest für "alle Märtyrer und Heiliggesprochenen". Allerseelen (2. November) wurde auf Geheiß des Abts Odilo von Cluny 998 erstmals begangen. Am Volkstrauertag (14. November; 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeführt) gedenkt man der Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der Totensonntag (21. November) wurde 1816 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen eingeführt. Dem voraus geht der evangelische Feiertag Buß- und Bettag (17. November), der seit dem 20. Jahrhundert um den 20. November begangen wird. Im Zuge sozialpolitischer Änderungen wurde er 1994 als gesetzlicher Feiertag abgeschafft. (scho)