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Nichts ist größer oder kleiner

Nichts ist größer oder kleiner

Mit Hilfe mathematischer Gesetze hat der in Kues geborene Theologe und spätere Bischof Nikolaus von Kues vor 600 Jahren versucht, Gott, die Welt und die Unendlichkeit von beidem zu definieren. Mit Erfolg.

Bernkastel-Kues. (uhe) Nikolaus von Kues war zu Lebzeiten das, was man heute als ehrgeizigen Karrieremenschen bezeichnen würde.

1401 als Sohn eine wohlhabenden Kaufmanns in Kues geboren, beginnt Nikolaus Chrifftzs (=Krebs) 16 Jahre später sein Studium in Heidelberg, wechselt dann aber nach Padua in Italien, wo er Mathematik, Physik, Astrologie, Medizin und Jura studiert.

Mit 22 Jahren hat er bereits einen Doktortitel in Jura, studiert im Anschluss daran noch Theologie und Philosophie in Köln, ist als 27-Jähriger Dekan in Koblenz und bis zu seinem Tod im Jahr 1464 unter anderem Konzilsmitglied in Basel, päpstlicher Legat in Deutschland, Kardinal der römischen Kirche, Bischof von Brixen und Generalvikar in Rom.

Doch für die Nachwelt weitaus bedeutender als die kirchliche Laufbahn des Nicolaus Cusanus (lateinische Bezeichnung) ist seine mathematische und philosophische Annährung an Gott und die Welt. Cusanus gilt an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit für viele als einer der Begründer der neueren Philosophie.

Das Herz ruht in der Kapelle des Cusanusstifts



Dass die Erde eine Kugel und eben keine Scheibe ist, gilt im 15. Jahrhundert mittlerweile als nahezu unumstritten. Doch der nach wie vor verbreiteten Ansicht, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums, kann sich Cusanus nicht anschließen.

Das Weltall ist voll mit Planeten, deren Beschaffenheit grundsätzlich nicht anders ist als die der Erde, stellt der Geistliche klar. Das All habe weder Anfang noch Ende, sei somit unendlich und habe damit ohnehin keinen Mittelpunkt.

Ebenso unendlich wie das Universum sei auch Gott, sagt der Philosoph. Und da es außerhalb der Unendlichkeit nichts geben könne, sei Gott sowohl das Größte als auch das Kleinste.

Auch 600 Jahre danach setzen sich Philosophen und Wissenschaftler mit den Erkenntnissen auseinander, die im Kopf des Gelehrten gereift sind.

Dieser kluge Kopf liegt im Übrigen - gemeinsam mit dem restlichen Körper - in Rom begraben. Ein entscheidendes Organ fehlt in Rom allerdings: das Herz. Das hat seinen Weg zurück in die Heimat gefunden und ruht in der Kapelle des Cusanusstifts in Bernkastel-Kues.

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