Nichts los an der Villa

An der Römischen Villa schlugen zwei Gruppen am Wochenende ihre Zelte auf: der Bitburger Verein Milites Bedenses und die aus Wintrich stammenden Vigilia Romana Vindriacum. Hitze und Regen wechselten sich ab, Besucher blieben daher größtenteils aus. Der Förderverein und die Gruppenmitglieder sind dennoch zufrieden.

Holsthum. Es ist Sonntagnachmittag und der Platz bei der Römischen Villa Holsthum bietet ein seltsames Bild: Autos, Zelte, Bierstand, Menschen in merkwürdiger Kleidung. Bei genauerem Blick erkennt man, was sie tragen: Tuniken! Ach so, das sind Römer!
Inge Franzen aus Wintrich sitzt an ihrem Stand auf dem Römerfest. Sie präsentiert antike Spiele: "Das ist der Vorläufer der bekannten Mühle", erklärt sie und zeigt dabei auf die Rundmühle, Mola Rotunda, genannt. Daneben liegen weitere Spiele: "Das ist wie Bingo, bei dem Spiel Tris braucht man einfach drei in einer Reihe.", erläutert die 63-jährige.
Direkt daneben steht der aus dem Saarland kommende Alexander Rupp in Bekleidung eines Legionärs: "Kettenhemd, Schild, Helm, Schwert, dazu den Wurfspieß - mit Marschgepäck sind das ungefähr 50 Kilo", sagt der 42-Jährige aus St. Ingbert. Während er erzählt, dass er seit frühester Jugend Interesse an der römischen Geschichte hat, kommen drei weitere Römer - Pardon, Vereinsmitglieder - des Weges und laufen zu einem Torsionsgeschoss. Die Nachbildung der römischen Waffe wurde durch Funde rekonstruiert. Geschichtslehrer Philipp Kampfmann erklärt: "Das sind 600 Pfund Zugkraft, eine Legion hatte 60 Stück davon." Währenddessen schießt der 41 Jahre alte Mann einen Pfeil ab, der sich mit circa 160 Stundenkilometern in das Ziel aus Stroh eingräbt.
Der Vorsitzende des Wintricher Römervereins Hans-Joachim Becker erklärt die Leidenschaft für die Römerei: "Warum nur alle fünf Jahre zu den Passionsspielen die Rüstungen auspacken, so macht das mehr Spaß!" Man sei im Jahr an einigen Wochenenden mit der Gruppe unterwegs, erklärt der 58-jährige. Elmar Georg Konrath, der im richtigen Leben Fachassistent für Internationales Kindergeldrecht ist, ergänzt: "Geschichte und Kultur ist immer schwer zu verkaufen, aber wenn man den Leuten etwas zum Angucken und Anfassen bietet, ist es viel einfacher." Funktioniert hat das offenbar nicht so richtig. Kaum ein Besucher hat bei dem wechselhaften Wetter
Wenige Schritte weiter bietet der pensionierte Bäcker Karl Bosse sechs Sorten römisches Brot nach Originalrezepten an. "Damals wurde viel gewürzt", erklärt er. Der ehemalige Vorsitzende des Bitburger Vereins, Edgar Comes, ist als Hobbykoch begeistert davon: "Das ist einmalig und wirklich lecker!" Er präsentiert einen römischen Wein aus Honig, Lorbeerblättern, geschrotetem Koriander und schwarzem Pfeffer. "Den kann man an Weihnachten gut als Glühwein anbieten", ergänzt Bosse. Comes gerät ins Schwärmen: "Die Römerei ist eine Leidenschaft, man muss sich damit identifizieren." Sie seien schon europaweit unterwegs gewesen, waren schon in Österreich und Amerika - und natürlich in Rom! Die Villa in Holsthum sei eine gute Lage für eine solche Veranstaltung. Schade, dass so wenige Leute gekommen seien, findet er, "aber wir haben uns hier sehr wohl gefühlt."
Ortsvorsteher Heinz Faust ergänzt: "Die Präsentation der Römer ist eine sehr schöne Sache, es gefällt mir wirklich gut!" Auch die Vorsitzende des Fördervereins Mechthild Kohl-Heck ist trotz fehlender Besucher zufrieden: "Es ist einfach sehr heiß, die Leute bleiben zu Hause. Trotzdem ist es ein schönes Römerfest. Unser Anliegen ist es, das Interesse für die Römische Villa zu wecken, und daher hoffen wir, dass wir auch weiter in dieser schönen Atmosphäre Feste feiern können." Bei der Gelegenheit weist sie auf eine kommende Veranstaltung hin: "Am zehnten September findet eine Weinprobe mit einer Ausstellung von Bildern einheimischer Künstlerinnen im Keller der Villa statt. Wir hoffen, dass sie ein Erfolg wird!"