Nichts zu beanstanden

Der Unmut bei Bürgern über die Zunahme des militärischen Flugbetriebs ist groß. Bei Kommunen und dem für die Überwachung des Flugbetriebs zuständigen Luftwaffenamt kommt von diesem Ärger aber wenig an. Die Zahl der Beschwerden aus der Eifel hat sich nicht erhöht.

Spangdahlem. "Unter der kostenfreien Rufnummer 0800/8620730 können sich alle Bürger mit ihren Sorgen, Wünschen oder Beschwerden zum militärischen Flugbetrieb direkt an die Luftwaffe wenden", teilt das für den militärischen Luftbetrieb zuständige Luftwaffenamt mit. Das scheinen jedoch nur wenige Menschen zu tun. Ein Sprecher des Amts kann aufgrund der Daten keinen Anstieg bei der Zahl der Beschwerden feststellen. Diese Aussage beruht auf der Auswertung der Statistik für die direkte Umgebung des Flugplatzes.

Von Bürgern, die in der Nähe des Flugplatzes leben, gab es von Januar bis August 2007 46 telefonische und schriftliche Beschwerden über zu laute oder zu tief fliegende Jets.

Nur 28 Beschwerden von Januar bis August



Nach Auskunft von Oberstleutnant Hartmut Beilmann vom Pressestab des Luftwaffenamts waren es im Vergleichszeitraum 2008 28. Damit nicht genug.

"Wir betonen, dass im Rahmen der Auswertung der mit den jeweiligen Beschwerden im Zusammenhang stehenden militärischen Übungsflüge keine Verstöße gegen flugbetriebliche Bestimmungen festgestellt wurde", teilt der Oberstleutnant mit.

Und wie sieht es in den Kommunen aus? Lothar Herres, Ortsbürgermeister der Flugplatz-Anrainergemeinde Binsfeld sagt, dass er in den vergangenen Monaten eine Beschwerde eines Bürgers erhalten habe. Natürlich habe der Fluglärm zugenommen, was durch die größere Zahl von in Spangdahlem anwesenden Flugzeugen begründet sei.

Er möchte, dass das Thema Flugbetrieb beim nächsten Flugplatzforum besprochen wird. Bei diesem Forum treffen sich Vertreter des Flugplatzes mit Bürgermeistern.

Auch die Verbandsgemeinde-Verwaltung Speicher hat in jüngster Zeit keine Beschwerde-Lawine wegen Fluglärms erreicht, berichtet Helmut Pesch von der VG-Verwaltung Speicher. 2006 seien sechs, 2007 eine und 2008 bisher noch keine Beschwerde im Rathaus eingegangen.

Auch im tourismusorientierten Bernkastel-Kues hat sich bisher noch kein Bürger bei Stadtbürgermeister Wolfgang Port beschwert. Das bedeutet jedoch nicht, dass die militärische Fliegerei nur positiv gesehen wird.

"Die Belästigung durch Maschinen der Air-Force ist erheblich. Das kann man nicht gutheißen", sagt der Stadtbürgermeister, der sich fragt, warum Jets im Tiefflug durchs Moseltal fliegen.

Meinung

Wenige Rufer in der Wüste

Die Kontrolleure der militärischen Flugsicherung verschließen sicher nicht die Augen vor rüpelhaftem Fliegen oder sinnlosen Tiefflügen. Fakt ist vielmehr, dass die Piloten mit ihren Jets eine Menge Freiheiten genießen und diese lautstark ausnützen. So etwas nennt sich dann schmeichelhaft wie unpassend "Sound of freedom" (Klang der Freiheit) und ist für den Hörer oft schwer zu ertragen. Tatsache ist, dass sich viele Menschen über den Lärm aufregen, dies jedoch nicht bei der entsprechenden Stelle kundtun. Die Verhandlungsposition der Politiker, die sich für den Erhalt der Air-Base einsetzen, würde durch eine große Zahl richtig adressierter Beschwerden gestärkt. Schließlich zeigt sich immer wieder, dass die Air-Force Vieles möglich macht, wenn die Kritik zu groß wird. h.jansen@volksfreund.deExtra Jets über Trier: Tiefflüge finden in Höhen von 300 bis 450 Metern über Grund statt. Sie sind nach Auskunft des Luftwaffenamts über Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern nicht erlaubt. Das Amt für Flugsicherung überprüfe kontinuierlich die Liste der Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern. Über Trier seien 300 Meter Flughöhe über Grund einzuhalten, teilt das Luftwaffenamt mit. Die Besatzungen seien allerdings angehalten, größere Städte und Orte nach Möglichkeiten zu umfliegen, beziehungsweise sie nicht im Tiefflug zu überfliegen. (har)