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Niedrige Bahnsteige und steigende Ausgaben

Niedrige Bahnsteige und steigende Ausgaben

Die Bahnsteige sind zu kurz und zu niedrig und die Unterführung dazwischen alles andere als behindertengerecht: Bereits vor Jahren hat der Bitburger Stadtrat der Sanierung des Erdorfer Bahnhofs zugestimmt, doch passiert ist seitdem nichts. Der Grund: Das Projekt dürfte nach einer neuen Berechnung wohl deutlich teurer werden als ursprünglich geplant.

Erdorf. 2100 Bahnhöfe wurden allein zwischen 2009 und 2011 deutschlandweit modernisiert. Nach Auskunft der Bahn sind dabei 352 Millionen Euro investiert worden. Auch Rheinland-Pfalz war mit 167 Bahnhöfen und 15,8 Millionen Euro dabei. Bitburg-Erdorf allerdings nicht. Weder 2009 noch 2010 oder 2011.
Und auch 2012 wird die Erdorfer Station in keiner Bilanz auftauchen. Und 2013 sieht das wohl kaum anders aus. Das Einzige, was sich bei der Planung für die Modernisierung des Erdorfer Bahnhofs bislang bewegt, sind die zu erwartenden Ausgaben. Die steigen.
Nachdem vor einigen Jahren bereits das Bahnhofsumfeld neu gestaltet wurde (siehe Extra), ist der Bahnhof selbst nach wie vor ein Problemfall. Die Bahnsteige sind für moderne Züge zu kurz und zu tief, und die Unterführung, die beide Steige miteinander verbindet, ist für Menschen im Rollstuhl ungeeignet. Zudem fehlt am Bahnhof eine Toilette. Folge: Die Unterführung wird als Klo missbraucht.
Bereits 2008 hat die Bahn deshalb eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gebeben, und vor zweieinhalb Jahren hat der Stadtrat den Ausbau der Bahnsteige, die behindertengerechte Umgestaltung der Unterführung sowie die Errichtung öffentlicher Toiletten beschlossen (der TV berichtete). Doch mit diesem Beschluss allein ist es nicht getan. Denn für den Ausbau zuständig ist die Bahn, die als Eigentümer der Gleise den größten Teil der Investition zu tragen hat. Und die hat nun festgestellt, dass das Vorhaben deutlich teurer werden dürfte als bislang gedacht.
Die Ausgaben hätten sich um 700 000 Euro erhöht, "so dass wir nun von einer Gesamtbausumme von 2,25 Millionen Euro sprechen", sagt Berthold Steffes vom städtischen Tiefbauamt. Für die Stadt bedeute das, dass ihr Anteil um rund 180 000 Euro auf nun 383 000 Euro steige. Der Grund für diesen erheblichen Anstieg liegt laut Steffes darin, dass bei der ursprünglichen Planung sehr grob kalkuliert worden sei. "Die Planungsgrundlage und daraus resultierend auch die Kostenermittlung war im Nachhinein betrachtet zu unpräzise", erklärt Steffes, der davon ausgeht, dass es möglicherweise sogar noch teurer werden könnte.
So gebe es derzeit noch Klärungsbedarf bei den Ausgaben für den Rückbau der Bahnsteige. Zudem sei noch zu klären, inwieweit der Denkmalschutz das Projekt beeinflusse. "Muss zum Beispiel die vorhandene Bahnsteigüberdachung aus Gründen der Denkmalpflege erhalten bleiben, erhöhen sich die Kosten noch einmal, da eine Sanierung teurer ist als ein Abriss und Ersatz mit fertigen Wetterschutzhäusern", sagt Steffes.
Und auch eine andere Frage scheint noch nicht geklärt: "Muss eine Toilettenanlage gebaut werden, sind die Kosten der Anlage und der Unterhaltung zu 100 Prozent von der Stadt Bitburg zu tragen", erklärt der Leiter des Tiefbauamts. Je nach Standard der Toilette sei dabei beim Bau mit 50 000 bis 90 000 Euro zu rechnen. "Es ist also nicht zu erwarten, dass die Kosten sinken, sondern eher, dass sie noch weiter steigen."
Extra

In einer ersten Bauphase ist das Bahnhofsumfeld, das die Stadt im Jahr 1999 für 200 000 Euro von der Bahn gekauft hat, erneuert worden. Seitdem sind rund eineinhalb Millionen Euro geflossen. Mit dem Geld sind neue Parkplätze und Grünanlagen, eine überdachte Bushaltestelle, Fahrradboxen sowie Sitzbänke finanziert worden. Zudem wurde im Sommer 2007 direkt vor dem Bahnhof ein Kreisel gebaut. uheExtra

Über die Mehrausgaben wurde bereits der Bauausschuss in nichtöffentlicher Sitzung informiert. Bevor jedoch nun die zusätzlichen 180 000 Euro im Haushalt eingeplant werden, erwartet der Bauausschuss zunächst eine detaillierte Begründung der Kostensteigerung, insbesondere durch die DB Station & Servive AG, die für die Projektplanung zuständig ist. Noch wartet die Stadt auf diese Begründung. uhe