Noch mehr Geld für sauberes Wasser

Noch mehr Geld für sauberes Wasser

Bis Jahresende soll das Abwasser aller Haushalte der Verbandsgemeinde Arzfeld aufbereitet werden. Zwar zeigt sich mittlerweile, dass es länger dauern wird, dafür gibt es aber auch gute Nachrichten aus Mainz: Das Umweltministerium unterstützt das Projekt mit weiteren 2,14 Millionen Euro.

Arzfeld. Das selbstgesteckte Ziel ist groß: Bis Ende 2015 will die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld alle Bürger an ein Abwassersystem angeschlossen haben - doch die Uhr tickt. Auf der Zielgeraden kommen nun gute Nachrichten aus dem Umweltministerium in Mainz. Das Land hat weitere 2,14 Millionen Euro für die Fertigstellung des Abwasserkanalsystems bewilligt. Im Herbst 2012 hatte der Rat beschlossen, den Vorgaben des Landes zu folgen und alle Haushalte in der VG ans Abwassernetz anzuschließen (der TV berichtete). Ein damals vorgestelltes Gutachten ging davon aus, dass für das Vorhaben 5,3 Millionen Euro zu investieren seien. Mit dem Ausbau des Netzes der VG-Werke konnten fast 93 Prozent aller Häuser in den 43 Ortsgemeinden über die VG-Kanäle angeschlossen werden. "Wir haben einiges erreicht, es fehlten aber immer noch abgelegene Ortslagen und Einzelgehöfte, für die sich ein Anschluss an die großen Kläranlagen nicht gelohnt hätte", sagt VG-Bürgermeister Andreas Kruppert. Neue Ideen mussten her. Das Aachener Planungsbüro Berg betrachtete kurzum jedes übriggebliebene Gebäude für sich und entwickelte individuell zugeschnittene Lösungen. "Manche Häuser konnten über Druckleitungen doch mit dem Kanalnetz verbunden werden, für andere musste eine neue, günstige Lösung her", sagt Kruppert. Sie wurde in Form von Kleinkläranlagen gefunden (siehe Extra). Die VG hat jeweils die Planungen und den Bau übernommen und die Anlagen dann an die Grundstückseigner verkauft.
Private Kläranlagen


"Je nach Größe kosten sie zwischen 10 000 und 15 000 Euro", sagt Kruppert. Grundsätzlich seien die Gespräche mit den Eigentümern gut gelaufen: "Es ist zwar erst mal eine hohe Investition, mit den regelmäßigen Abwasserbeiträgen haben die Besitzer der Kläranlagen dann aber nichts mehr zu tun - insofern rechnet es sich."
Das nun bewilligte Geld ist der vorläufige Schlussstein. "Mit den Fördermitteln werden die verbliebenen 320 Anwesen an die Abwassersysteme angeschlossen", teilt das Umweltministerium mit. Doch auch die neuen Besitzer von Kleinkläranlagen profitieren: "Sowohl Maßnahmen zum Ausbau unseres Abwassernetzes werden unterstützt als auch die Einrichtung der kleineren Anlagen gefördert", sagt Kruppert. Rund 3,5 Millionen Euro hat das Umweltministerium mittlerweile in die Arzfelder Abwasserbeseitigung investiert. "Im letzten Jahr mussten wir zudem die Abwassergebühren maßvoll anheben", sagt Kruppert (siehe Hintergrund).
96 Prozent sind machbar


Allein das Ziel, bis zum Jahresende 2015 mit dem Projekt fertig zu werden, kann kaum noch erreicht werden. "Nicht schlimm, wir sind sehr weit, das Umweltministerium weiß Bescheid", sagt der VG-Bürgermeister. Die VG-Werke rechnen damit, dass die Arbeiten bis zum kommenden Sommer abgeschlossen sind. Neben Arbeiten am Kanalnetz werde aktuell eine Kleinkläranlage im Lützkampener Ortsteil Sengerich gebaut, danach beginne im Herbst die Arbeit an einer Anlage in Welchenhausen, sagt der stellvertretende Werkleiter Uwe Ritter. Auch in Stupbach - ebenfalls ein Ortsteil Lützkampens - und in der Gemarkung Fuchswiese in Lichtenborn stehen noch Arbeiten an. "Sind sie fertig, liegen wir bei einer Abdeckung von 96 Prozent", sagt Ritter. Eine hundertprozentige sei nicht zu erreichen, erklärt er, es gebe noch einige Jagdhütten und entlegene Ferienhäuser an Ortsrändern, die nicht anschließbar seien.Extra

Kleinkläranlagen können das Abwasser von vier bis 50 Einwohnern aufbereiten, ohne dass die Grundstücke an ein öffentliches Kanalnetz angeschlossen werden müssen. In einem Absatzbecken werden Feststoffe und Fette vom Wasser getrennt. In einer sogenannten biologischen Stufe wird das Wasser schließlich gereinigt. Je nach Bauart kann dies in einer Pflanzenkläranlage oder über Sandfilter erreicht werden. Die Anlagen werden in der Regel unterirdisch gebaut. affExtra

Gerade werden in Sengerich die Häuser angeschlossen. TV-Foto: Fritz-Peter Linden. Foto: (e_pruem )

Die Gebühren für die Schmutzwasserbeseitigung wurden zum Jahresende 2014 in der Verbandsgemeinde Arzfeld von 3,40 Euro pro Kubikmeter Wasser auf 3,50 Euro erhöht. Die Grundgebühr eines Hausanschlusses stieg von 30 Euro auf 45 Euro, der wiederkehrende Beitrag stieg von 6 Cent auf 6,5 Cent pro Quadratmeter Grundstücksfläche. Er wird für die Möglichkeit, Wasser in das Kanalnetz zu leiten, erhoben, unabhängig davon, ob das auch getan wird. aff