Noch sind nicht alle Lichter aus

Kyllburg · Auch wenn die Situation in der Kyllburger Innenstadt aufgrund der zahlreichen leerstehenden Ladenlokale alles andere als rosig ist, so ist die vor einem Jahr gegründete "Offensive gegen Leerstand Kyllburg" guter Dinge. Mit mehreren Projekten möchte sie auch 2014 gegen die Trostlosigkeit leerer Schaufenster vorgehen.

Auch in Kyllburgs Bahnhofstraße haben in den vergangenen Jahren mehrere Geschäfte geschlossen. TV-Foto: Uwe Hentschel

Kyllburg. Der kleine Saal im Hotel zur Post ist voll, die Stimmung ist gut. "Ich kenn' auch noch einen", sagt Alexandra Meusel. "Steht ein Tourist in der Hochstraße und fragt: Wo ist denn die Fußgängerzone?" Die anderen lachen. Dass sie lachen, ist ein gutes Zeichen. Denn genauso gut könnten die 22 Männer und Frauen auch weinen. Schließlich war die Hochstraße ja mal so etwas wie eine Fußgängerzone. Eine gepflasterte Straße mit zahlreichen Läden links und rechts. Bis die Geschäfte nach und nach geschlossen wurden. Zuletzt dann Anfang 2012 auch noch die Schlecker-Filiale.

Seitdem ist die Hochstraße so etwas wie eine Gedenkstätte für die Opfer der Globalisierung und des demografischen Wandels. Deren große Schaufenster daran erinnern, dass es früher einmal anders gewesen sein muss. Wie bereits erwähnt: Die anwesenden Mitglieder der "Offensive gegen Leerstand Kyllburg" könnten genauso gut auch heulen. Doch damit wäre keinem geholfen.

"Große Dinge werfen ihre Schatten voraus", sagt Kyllburgs Stadtbürgermeister Wolfgang Krämer und zeigt auf die zwei Skizzen, die hinter ihm an der Wand hängen. Zwei Hähne. Der eine groß und geschwungen, der andere etwas kompakter, mit eher eckigen Konturen. Der Hahn ist eigentlich die Bezeichnung eines Flurnamens in Kyllburg. Ein Hahn stand früher auch auf einer Säule am Eingang des Kurparks. Und nicht zuletzt ist der Hahn das Wappentier der Kyllburger Fastnacht. "Was in Trier die Elefanten waren und in Luxemburg vor einigen Jahren die Kühe, könnten bei uns die Hähne sein", sagt Krämer.

Gezeichnet hat die beiden Hähne der Kyllburger Künstler Michael Wihr. Und er hat auch noch eine weitere Skizze dabei. Eine Art Fotomontage. Sie zeigt einen rund 4,50 Meter hohen Hahn als Lattenkonstruktion. Befestigt an einem Haus am oberen Ende der Hochstraße. Wie Wihr erklärt, ist für kommendes Jahr geplant, diesen Hahn zu installieren und weitere, kleinere Hähne in der Innenstadt aufzustellen.
Ausstellung ab Februar


Überhaupt hat die Offensive gegen Leerstand 2014 einiges vor. So ist laut Krämer Anfang Februar in Kyllburg der Auftakt der von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz konzipierten Wanderausstellung "Tatort Leere" (siehe Extra) geplant. Inklusive Symposium und Fachvorträgen.
Darüber hinaus sollen nach den diesjährigen vier Kunstzyklen, bei denen Künstler aus der Region ihre Werke in den leeren Ladenlokalen ausgestellt haben (der TV berichtete), auch im kommenden Jahr die Schaufenster wieder gefüllt werden. Einige mit Produkten von Handwerkern, andere mit saisonalen Motiven wie beispielsweise einer Krippe zu Weihnachten oder aber Fastnachtsartikeln. Und einige auch wieder mit Kunstwerken. Für Michael Wihr ist das Ziel ganz klar: "Wir wollen einen Rückfall in den Leerstand auf jeden Fall verhindern."Extra

Wanderausstellung "Tatort Leere": Der Umgang mit leerstehenden Gebäuden stellt eine der größten Herausforderungen für die rheinland-pfälzischen Gemeinden dar. Vor diesem Hintergrund hat die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz die Wanderausstellung "Tatort Leere" ins Leben gerufen. In verschiedenen Orten werden dabei jeweils für ein Wochenende leerstehende Gebäude zum Ausstellungsort. Präsentiert werden Informationen und Handlungsmöglichkeiten zum Thema Gebäudeleerstand - kreativ inszeniert in die Leerstandskulisse integriert. Die Besucher haben dabei nicht nur die Möglichkeit, sich zu informieren, sondern können auch eigene Ideen einbringen. uhe