Noch stärker auf die Schläger achten

Noch stärker auf die Schläger achten

Zahl der Straftaten gesunken, Aufklärungsquote gestiegen: Die Kriminalstatistik der Polizeiinspektion Prüm hat Erfreuliches zu bieten. In Zukunft wollen die Beamten ihren Einsatz bei der Bekämpfung von Rohheitsdelikten wie Körperverletzung weiter verstärken.

Prüm. Die Menschen im Altkreis Prüm und der Verbandsgemeinde Obere Kyll können sich sicher fühlen: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der angezeigten Straftaten im Dienstbezirk der Polizeiinspektion (PI) Prüm um 4,7 Prozent auf nunmehr 1797 gesunken. Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, liegt damit weit unter dem Landesschnitt.

Wesentlich beunruhigter müssen da die Übeltäter sein, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Beamten ihnen auf die Schliche kommen, ist hoch. Fast 70 Prozent aller Straftaten werden aufgeklärt. Damit gehören die Prümer zu den erfolgreichsten Ermittlern, sowohl im Landesvergleich als auch im Bereich des Polizeipräsidiums Trier. In ganz Rheinland-Pfalz werden 62,5 Prozent der Taten aufgeklärt, im Bezirk Trier sind es 65,6 Prozent. Die benachbarte Polizeiinspektion Bitburg kommt immerhin auf 67,5 Prozent. "Das liegt zum einen daran, dass wir unsere rechtlichen Möglichkeiten gut ausschöpfen", sagt PI-Chef Christoph Cremer. "Zum anderen natürlich an der guten Arbeit und hohen Motivation der Beamten."

Rückgang auch bei Spitzenreitern



Zu den häufigsten Straftaten gehören die Rohheitsdelikte wie Raub oder Körperverletzungen sowie Nötigung und Bedrohung. Auch dabei verzeichnen die Beamten insgesamt einen Rückgang um 16 Prozent von 275 (2009) auf nun 236 im vergangenen Jahr. Die Zahl der leichten Körperverletzungen ist um 15 auf 116 Fälle gesunken, einen Zuwachs gab es hingegen bei den schweren und gefährlichen Körperverletzungen: von 38 auf nun 55.

Auf diesen Bereich wollen sich die Beamten in Zukunft vermehrt konzentrieren. Cremer setzt dabei vor allem auf eine rasche Bearbeitung, "damit die Strafe auf dem Fuße folgen kann". Außerdem sollen die Alkohol- und Drogenkontrollen bei Großveranstaltungen verstärkt werden. Gemeinsam mit dem Jugendamt will man zudem verstärkt auf die Einhaltung des Jugendschutzes achten und die Ausrichter der Feste vorab dafür sensibilisieren.

Bei Eigentumsdelikten sind die leichten Diebstähle aus Autos oder Wohnungen von 216 auf 236 gestiegen, die Zahl der Einbrüche ist aber stark rückläufig. 2009 wurden 222 solcher Fälle verzeichnet, 2010 nur noch 164.

Einen Großteil der Straftaten machen außerdem die Vermögens- und Fälschungsdelikte aus. Dazu zählen Betrug, Veruntreuung, Unterschlagung oder Urkundenfälschung. 291 Mal wurden solche Vergehen im vergangenen Jahr aktenkundig. Im Jahr zuvor waren es noch 348 Fälle.

Nach wie vor ein schwieriges Feld ist die Rauschgiftkriminalität. Dabei verzeichnet die Statistik einen deutlichen Anstieg von 303 auf 388 Fälle. Problematisch sei dabei laut Cremer, dass es eine hohe Dunkelziffer gebe. Je mehr diesbezüglich kontrolliert werde, desto mehr steige die Fallzahl an. Dabei verweist Cremer auf die gute Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und dem Zoll.

Für die Straftaten sind laut Statistik zu 80 Prozent Männer verantwortlich.

EXTRA

DREI FRAGEN AN CHRISTOPH CREMER



Die Polizeiinspektion Prüm ist für die Verbandsgemeinden Arzfeld, Prüm und Obere Kyll zuständig. Dort leben insgesamt rund 40 000 Menschen. Für die Sicherheit verantwortlich ist seit Februar 2010 Polizeihauptkommissar Christoph Cremer. Herr Cremer, welche Zahl finden Sie in der aktuellen Statistik am beeindruckendsten? Cremer: Für mich ist das der Rückgang der sogenannten "Roheitsdelikte" von 275 auf 236, handelt es sich dabei doch um Delikte, bei denen die unmittelbare Betroffenheit (im wahrsten Sinne des Wortes, ich denke hier vor allem an Körperverletzungsdelikte) sehr hoch ist. 2010 hat sich damit eine Entwicklung fortgesetzt, die seit 2007 zu beobachten ist. Welcher Fall ist Ihnen am stärksten im Gedächtnis geblieben? Cremer: Der ereignete sich bei einer Abendveranstaltung des Prümer Sommers. Da fiel eine junge Frau auf, die in stark angetrunkenem Zustand Passanten anpöbelte. Dies setzte sich beim Eintreffen der hinzugerufenen Polizeikräfte fort. Die Frau verhielt sich weiterhin aggressiv und beleidigend. Die Aggressivität steigerte sich schließlich so weit, dass sie die eingesetzten Polizeibeamten tätlich angriff, wobei glücklicherweise niemand ernstlich verletzt wurde. Die junge Dame musste den Rest der Nacht in einer Gewahrsamszelle verbringen. Sie hatte in erheblichem Umfang Alkohol getrunken, womit sie dann auch am nächsten Tag, als sie sich bei den Polizeibeamten für ihr Verhalten entschuldigte, ihren "Ausraster" begründete. Der Vorfall zeigt aber deutlich, wie sehr übermäßiger Alkoholgenuss das Verhalten beeinflusst, und dass zukünftig auch entsprechende Kontrollen erforderlich sind. Gibt es besonders problematische oder besonders positive Entwicklungen? Cremer: Bei allen positiven Entwicklungen beobachten wir den Bereich der Rauschgiftkriminalität mit Aufmerksamkeit. Zur Erhöhung des "Entdeckungsrisikos" werden wir unsere Kontrollen in diesem Bereich, auch im Zusammenwirken mit den Nachbardienststellen, weiter intensivieren.