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Noch wird auf Negativzinsen verzichtet

Noch wird auf Negativzinsen verzichtet

Der niedrige Leitzins und die hohen Auflagen der Bankenaufsicht machen auch der Kreissparkasse Bitburg-Prüm zu schaffen. Dennoch und gerade auch deshalb zeigt sich der Vorstand mit dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres zufrieden.

Bitburg. Nur zwei, drei Klicks auf dem Handy, schon hat Bankmitarbeiter Michael Schmitz die zehn Euro überwiesen. Empfänger des Betrags ist Bankvorstand Rainer Nickels, der nur wenige Millisekunden später ein kurzes Vibrieren am Handgelenk spürt. Nickels trägt eine Smartwatch, also eine Uhr, die ihn informiert, sobald auf seinem Handy eine Nachricht eingegangen ist. Ein kurzer Blick auf die Uhr und der Vorstand weiß Bescheid: Die zehn Euro sind angekommen. So einfach ist das.
Überweisungen per Handy-App


Kwitt heißt diese Handy-App der Sparkasse, mit der sich Beträge von bis zu 30 Euro in Sekundenschnelle von Handy zu Handy überweisen lassen. Nickels und sein Vorstandskollege Ingolf Bermes sind von dieser neuen Technik begeistert. Die Kreissparkasse (KSK) Bitburg-Prüm habe sich schon immer frühzeitig mit technischen und digitalen Veränderungen auseinandergesetzt, sagt Bermes und nennt als Beispiel den Geldautomaten. "Wir waren 1978 die Ersten in ganz Rheinland-Pfalz, die einen Geldautomaten in Betrieb genommen haben", erinnert er sich. Dass ausgerechnet in der Eifel der erste "Gauma" (Geldausgabeautomat) eingerichtet worden sei, habe man im ganzen Land belächelt", sagt Bankchef Bermes. "Und heute?"
Heute sucht jeder Sparkassenkunde im Schnitt zwei Mal pro Monat den Gauma auf, um Geld abzuheben. Das und vieles mehr geht aus den Zahlen hervor, die die Kreissparkasse anlässlich ihrer Bilanzpressekonferenz präsentiert.

Die Finanzlage: Nachdem die Bilanzsumme im Geschäftsjahr 2015 geschrumpft war, konnte sie in 2016 um rund ein Prozent auf 1,324 Milliarden Euro gesteigert werden. Einen Zuwachs gab es auch bei den Kundeneinlagen (um 29 Millionen auf 1,004 Milliarden Euro) sowie beim Kundenkreditvolumen (um 4,8 Prozent auf 941 Millionen Euro).
Die Zinsen: "Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank stellt die Banken vor gewaltige Herausforderungen", sagt Bermes. Bislang habe die Kreissparkasse darauf verzichtet, die Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben, und es sei beabsichtigt, daran auch festzuhalten, so der Bankvorstand.
Völlig unklar sei allerdings, ob und wie lange sich das durchhalten lasse. Dem schließt sich auch Landrat Joachim Streit als Vorsitzender des KSK-Verwaltungsrats an. Früher habe man aufgrund der Erfahrungen verlässliche Prognosen für die Zukunft machen können, doch das sei jetzt nicht mehr möglich. "Es gibt riesige Probleme, auf die uns keiner in Europa Antworten geben kann", sagt Streit. "Man fährt also auf Sicht."
Mitarbeiter und Filialen: 25 Filialen hat die KSK derzeit. Und laut Vorstand sind für 2017 auch keine Schließungen geplant. "Das ist für uns ein permanenter Prozess", erklärt Bermes, "und letztendlich entscheidet das der Kunde mit seinen Füßen." Was die Mitarbeiter betrifft (derzeit 328), so ist selbst bei Filialschließungen kein Personalabbau geplant. "Wir wollen und wir werden mit unseren Mitarbeitern in die Zukunft gehen", betont der Bankchef. Wenn die Zahl der Mitarbeiter reduziert werde, dann nur dadurch, dass man frei werdende Stellen nicht mehr neu besetze.

Digitalisierung:
Gut die Hälfte der Kunden wickelt inzwischen einen Großteil des Bankgeschäftes im Internet ab. Um der zunehmenden Digitalisierung gerecht zu werden, erweitert die Sparkasse das Angebot ständig. Mit technischen Neuerungen - wie etwa der eingangs erwähnten Kwitt-App - sollen Bankgeschäfte jederzeit und an jedem Ort ermöglicht werden. Zudem startet am heutigen Dienstag der neue und komplett überarbeitete Internetauftritt der Kreissparkasse.

Gebühren:
Um die Verluste durch die Niedrigzinsen auszugleichen, setzen viele Banken auf eine Erhöhung der Kontoführungs- und Bearbeitungsgebühren. Wie Bankvorstand Nickels erklärt, seien die Preise der KSK bereits vor einem Jahr erhöht worden. Für 2017 seien keine weiteren Veränderungen geplant, sagt Nickels. Zudem solle die Online-Überweisung auch weiterhin kostenfrei bleiben.