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Norbert Schneider geht in Ruhestand

Politik : Mehr Zeit für Enkel und Radtouren

Norbert Schneider, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde (VG) Südeifel und langjähriger Bürgermeister der ehemaligen VG Neuerburg, ist seit Anfang des Jahres im Ruhestand. Seinen Amtsacker hat er gut bestellt, nun warten andere Herausforderungen auf ihn.

Das Parkett im Esszimmer ist frisch verlegt, es müssen nur noch kleine Nacharbeiten gemacht werden. Zum Start ins Rentnerleben hat Norbert Schneider, ehemaliger Erster hauptamtlicher Beigeordneten der Verbandsgemeinde (VG) Südeifel, zunächst mal ein bisschen sein Haus renoviert. Dabei hätte man bei dem Schmuddelwetter doch viel mehr Lust, auf die Kanaren zu fliegen – Zeit hätte er ja jetzt.

„Ruhestand heißt ja nicht, dass man nichts mehr tut“, sagt Schneider und lacht. Und die Kanaren wären sowieso im Winter nicht sein Ziel. Da würde er mit seiner Frau lieber zum Skilanglauf oder Wandern in den Winterurlaub fahren.

Auch wenn die beruflichen Termine nun wegfallen –  Aufgaben gibt es bei Schneiders noch genug. „Im Augenblick passen wir jeden Freitag und bald auch noch jeden Dienstag auf unseren Enkel auf“, sagt seine Frau Marita. Und der hält Oma und Opa  auf Trab.

Turbulent war für Norbert Schneider anfangs auch der Start ins Bürgermeisteramt. „Beim Thema Abwasser waren die Ratsfraktionen untereinander total zerstritten.“ Es galt, ein millionenschweres Abwasser-Konzept umzusetzen. „2017 haben wir mit dem Thema abgeschlossen. Alle Ortsgemeinden und mehr als 160 Außengehöfte sind an die Kanalisation angeschlossen“, sagt Schneider. Und auch für die Gemeinden wie Burg, Ammeldingen/Our,  Scheitenkorb und Heilbach hat sich mit dem Bau privater Kleinkläranlagen nach 22 Jahren eine Lösung gefunden. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden – es hat ja auch lange gedauert.“

Stolz ist er darauf, dass alle Schulen im VG-Gebiet saniert oder teilweise sogar neu gebaut wurden. Die Feuerwehren seien gut ausgestattet und auch mit dem Radwegebau sei relativ früh gestartet worden.

Den hat der passionierte Rennradfahrer selbst gerne genutzt: „Ich bin fast täglich mit dem Rad zur Arbeit gefahren:“ Zuletzt allerdings mit dem E-Bike seiner Frau, gibt er zu. Aus rein praktischen Gründen. „Ich kam nicht mehr verschwitzt im Büro an.“ Den Lückenschluss des Enzradwegs hätte er auch noch gerne zu Ende gebracht. Sonst fallen ihm keine offenen Baustellen mehr ein.

In Schneiders Ära ist der Gaytalpark verkauft und mit der Landschafts- und Flächennutzungsplanung begonnen worden. Unter ihm sei eine neue Diskussions-Kultur geschaffen worden, indem man die Bürger in Arbeitskreisen an den Planungen beteiligt hat. Stolz ist Schneider darauf, dass die VG 2009 mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet wurde und 2013 den zweiten Platz beim Deutschen Umweltpreis belegt hat.

Nach der Fusion der VG Neuerburg mit der VG Irrel zur VG Südeifel 2014 hat Schneider aus privaten Gründen nicht mehr für das Amt des Bürgermeisters kandidiert. Seitdem hat er als Erster hauptamtlicher Beigeordneter zusammen mit Moritz Petry, Bürgermeister der VG Südeifel, die Geschäfte geführt. „Es war eine gute Zusammenarbeit. Jeder hatte seinen Geschäftsbereich. Wir haben einander respektiert.“

Ebenso wie Petry, der aus Mainz stammt, ist auch Norbert Schneider kein gebürtiger Eifeler. Zu seinem Geburtsort Andernach-Miesenheim hat er noch familiäre Bindungen – „und eine Streuobstwiese“. Doch über eine Rückkehr denkt das Ehepaar nicht nach: „Wir bleiben hier!“, sagen beide.

„Wir haben hier viele Freunde und Bekannte, und es würde uns ein Stück weit schwerfallen, wegzuziehen“, sagt der 62-Jährige. Außerdem wohnen ja Sohn, Schwiegertochter und Enkel in Irrel und – siehe Anfang des Textes – da würden sie als Großeltern ja gebraucht.

Und jetzt hat er auch wieder mehr Zeit fürs Radfahren, Wandern und Lesen (zurzeit liest er von Dan Brown „Origin“ und „Das Tagebuch der Menschheit: Was die Bibel über unsere Evolution verrät“, von  Carel van Schaik und Kai Michel).

„Und wenn du jetzt nicht dabei wärst, würde ich sagen, ich mache die Gartenarbeit“, sagt Schneider zu seiner Frau und grinst. Die lacht herzhaft. „Okay“, räumt er ein, „Ich würde das jetzt nicht als mein liebstes Hobby bezeichnen.“ Kochen? Fehlanzeige. Einkaufen? „Wenn ich einen Zettel mitbekomme, klar.“ Aber sonst habe er bei der Hausarbeit schon immer mitgeholfen.

Politische Ambitionen habe er keine mehr. Dafür wolle er sich lieber in Sinspelt mehr ehrenamtlich einbringen. Und welchen großen Traum würde er sich jetzt gerne erfüllen, wo er mehr Zeit hat?

Schneider: „Da habe ich noch keinen Gedanken dran verschwendet. Ich hatte bisher nicht das Gefühl, dass ich etwas vermisse.“

Und wo sieht er die VG Südeifel in 20 Jahren? „Das ist schwer zu sagen. Das hängt viel von den äußeren Einflüssen ab. Aber um den Fortbestand der Gemeinden mache ich mir keine Sorgen.“ Mit dem Dorfcheck sei der Kreis auf einem guten Weg. „Die Ortsgemeinden brauchen etwas mehr Geld in der Kasse, sonst wird der Frust immer größer. Die Dörfer müssen leben können, dann geht es letztendlich auch der VG gut.“