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Nord-Ost-Tangente: Hängepartie mit Folgen

Nord-Ost-Tangente: Hängepartie mit Folgen

Für "ein wichtiges Projekt" hält der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering die Nord-Ost-Tangente. Doch wann das Land die rund 6,5 Millionen Euro für den Neubau der Umgehungsstraße in Bitburgs Norden lockermacht, bleibt offen. Mit der Tangente steht und fällt auch die Neuordnung des Innenstadt-Verkehrs.

Bitburg. Rund 7000 Fahrzeuge soll die Nord-Ost-Tangente (siehe Grafik) aus der Bitburger Innenstadt heraushalten. Seit Jahrzehnten wird die Umgehungsstraße in Bitburgs Norden geplant, Baurecht gibt es noch nicht. Parallel gibt es seit fast zehn Jahren im Zusammenhang mit der großen Tangente auch für die Innenstadt eine Vision: den linksdrehenden Einbahnstraßen-Ring. Der würde über Karenweg, Borenweg, Denkmalstraße, Dauner Straße und Römermauer führen - und damit rund um das historische Römerkastell, um das sich Bitburg entwickelt hat.

Der Reiz der linksdrehenden Verkehrslösung: Die Einbahnstraßen könnten schmaler werden, sodass der City-Ring zur mit Bäumen begrünten Allee wird, die zum Flanieren und Verweilen einlädt. "Der Innenstadt-Ring ist abhängig von der Tangente", sagt Johannes Zimmer, Leiter des Bereichs Stadtentwicklung im Rathaus.

Bislang wird der grüne City-Ring nur in Zusammenhang mit der Umgehung diskutiert. Die würde rund 6,5 Millionen Euro kosten - und damit etwa die Hälfte des Etats, den das Land dieses Jahr insgesamt in den Straßen-Neubau investiert (siehe Extra). "Es ist erklärtes Ziel der Verkehrspolitik des Landes, stark belastete Ortsdurchfahrten zu entlasten und so die Lebensqualität und Verkehrssicherheit zu verbessern. Deshalb ist die Nord-Ost-Tangente ein wichtiges Projekt", sagt Minister Hendrik Hering.

So weit, so klar. Aber wann die Tangente im Landeshaushalt berücksichtigt wird, bleibt ungewiss. Fest steht nur: Wegen des noch laufenden baurechtlichen Verfahrens (der TV berichtete mehrfach) "können noch keine Investitionsmittel für 2011 eingeplant werden", sagt Beate Schrader, Sprecherin des Verkehrsministeriums. Demnach gäbe es für die Tangente - Baurecht vorausgesetzt - frühestens 2012 Geld. Doch "Vorrang haben zunächst Maßnahmen, die erforderlich sind, um das vorhandene Straßennetz in einem leistungsfähigen und vor allem verkehrssicheren Zustand zu erhalten", erklärt Schrader. Erst dann geht es an den Straßenneubau und da ist die Nord-Ost-Tangente nur "eines von mehreren Projekten". Ob die Umgehungsstraße für Bitburg denn im Landeshaushalt 2012 eine Chance hat? Schrader: "Priorität genießen Projekte, die bereits im Bau sind und 2012 noch fertig gestellt werden - etwa der Hochmoselübergang, dessen Finanzierung ratenweise bis 2012 fällig wird."

Meinung

Alternativen gefragt

Logisch wäre es schon, zuerst die Innenstadt mit der Nord-Ost-Tangente vom Durchgangsverkehr zu befreien und dann die Verkehrsströme in der City neu zu sortieren. Logisch ja, aber leider nicht besonders aussichtsreich. Es gehört nicht viel Interpretation dazu, um die Aussagen des Mainzer Ministeriums so zu verstehen, dass es für die Tangente vor 2013 auf keinen Fall Geld gibt. Hinzu kommt, dass das Budget für neue Straßen in den kommenden Jahren eher schrumpfen wird, da auch das Land sparen muss. Bitburg sollte deshalb die Neuordnung des Innenstadt-Verkehrs nicht länger an die ungewisse Nord-Ost-Tangente knüpfen. Denn das hieße, die gute Idee des City-Rings auf den Sankt-Nimmerleins-Tag zu verschieben. Geprüft werden sollte, ob sich der Ring nicht auch ohne Tangente umsetzen ließe. Ansonsten ist es geboten, Alternativen zu entwickeln. Denn beim Verkehr in der Innenstadt gibt es durchaus Verbesserungspotenzial. d.schommer@volksfreund.deEXTRA Stadt, Land, Straßen: Das Land Rheinland-Pfalz unterhält ein Straßennetz von 7225 Kilometer Gesamtlänge. Dieses Jahr werden 95 Millionen Euro in die Landesstraßen investiert. Davon sind zwölf Millionen Euro für den Neubau von Straßen. Der Rest fließt in Erhaltung sowie Um- und Ausbau bestehender Straßen und Brücken. Im aktuellen Landeshaushalt sind 520 Straßenprojekte. (scho)