Nun singt sie alleine

METTENDORF. Es sind die außergewöhnlichen Leistungen, die Menschen auszeichnen. Lisa Kolbet ist dafür ein Beispiel. Mehr als 70 Jahre lang hat sie im Kirchenchor mitgesungen. Jetzt ist sie Ehrenmitglied geworden.

Im Mai wird Elisabeth Kolbet, die von den Menschen in Mettendorf liebevoll Lisa genannt wird, 85 Jahre alt. Das graue Haar adrett frisiert, die schicke weiße Bluse unter der weinroten Strickweste, so sitzt Lisa im Sessel ihrer frisch renovierten Wohnung. In der Hand hält sie ein Notenblatt und singt. Der Chorgesang hat sie ein Leben lang begleitet. Und auch heute noch singt sie gerne. "Aber nur noch für mich und den Herrgott", sagt sie bescheiden. 1922 wurde sie in Mettendorf geboren

Mehr als 70 Jahre lang aber hat sie das Geschehen in den Chören von Mettendorf mitgestaltet. Jetzt hat sie sich entschlossen, ihre aktive Sängerzeit zu beenden. "Meine Stimme lässt nach. Es ist das Alter", sagt Lisa. Aber nicht verbittert, sondern dankbar. Sie akzeptiert den Lauf der Dinge und blickt mit großer Freude auf sieben Jahrzehnte voller schöner Erlebnisse im Chor zurück. 1922 in Mettendorf geboren, hat sie ihr ganzes Leben in dem Eifelort verbracht. Mit 13 Jahren trat sie dem Mädchenchor in Mettendorf bei, der von einer katholischen Schwester geleitet wurde. "Ich konnte schon als Kind gut singen, und es hat mir große Freude gemacht", erinnert sich die Seniorin. Als jüngste von vier Schwestern und zwei Brüdern hat sich, wie seinerzeit üblich, im landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern mitgearbeitet. "Damals gab es getrennte Chöre für Mädchen und Knaben - "bis nach dem Krieg", sagt Lisa. An Pastor Schaaf, der 1963 den gemischter Kirchenchor ins Leben rief, erinnert sie sich genau. Früher sang sie die Sopranstimme, später Alt. Die Kirchenlieder sind ihr gut über die Lippen gegangen, konnte sie doch damit auch ihre Ehrfurcht vor dem Schöpfer und ihre Gläubigkeit untermauern. "Ich war immer froh, die Messe auf diese Art und Weise mitgestalten zu können", sagt sie rückblickend. Mit Stolz verweist sie darauf, in all den Jahren kaum eine Probe versäumt zu haben. Das war nicht immer einfach. 23 Jahre lang hat sie in Mettendorf die Post ausgetragen. Ihr Mann starb schon vor 30 Jahren. "Gerade damals war der Kirchenchor für mich sehr wichtig. Er hat mir in dieser Zeit neben der Familie Rückhalt und Geborgenheit gegeben."Junge Mitglieder wären gerne gesehen

Gerne würde sie sehen, wenn sich junge Menschen für den Kirchenchor entscheiden könnten. Der Kirchenchor "Cäcilia" Mettendorf hat derzeit 19 Mitglieder. Der Altersdurchschnitt ist hoch. "Die jungen Leute meinen, sie müssten dann mehr in die Kirche gehen. Und wenn, geschadet hat das noch keinem", untermauert sie ihren Standpunkt. Die Gemeinschaft im Chor, der Zusammenhalt und die vielen schönen Stunden beim Singen kann sie nur jedem empfehlen. Gerne erinnert sie sich an die runden Geburtstage und alle Namenstage, die immer wieder gefeiert wurden. In einer Feierstunde hat der Kirchenchor sie verabschiedet und geehrt. Lisa Kolbet wurde zum Ehrenmitglied des Chores ernannt. Und alle sind sich einig: Wenn einer das verdient hat, dann ist es Lisa.