Nur die Haltestelle fällt zum Opfer

Nur die Haltestelle fällt zum Opfer

BERKOTH. Die vor knapp zwei Jahren vollzogene Eingemeindung von Burscheid in die Ortsgemeinde Berkoth (Kreis Bitburg-Prüm) ist einzigartig in der jüngeren kommunalen Geschichte. Frühere Eingemeindungen in der Region rühren mit einer Ausnahme aus der Zeit der Kommunalreform.

Nein, leicht gefallen ist es den Burscheidern nicht, ihre Eigenständigkeit als eine der kleinsten Ortsgemeinden in ganz Rheinland-Pfalz aufzugeben. Jahrelang war die Ortspolitik so etwas wie Familiensache. Seit Jahrzehnten schon gab es nie viel mehr als ein Dutzend Burscheider mit Hauptwohnsitz. Die wählbaren unter ihnen stellten den Ortsgemeinderat. Doch dann starb der Ortsbürgermeister, und ein Ratsmitglied erkrankte schwer. Am Ende beschloss der dreiköpfige Rumpf-Gemeinderat, dass sich Burscheid der Nachbargemeinde anschließt. "Selbstverständlich waren wir dazu bereit, die Burscheider aufzunehmen", sagt Berkoths Ortsbürgermeister Alfons Hager. Er steht einer Gemeinde vor, die selbst nur rund 85 Einwohner hat. Im Miteinander von Alt- und Neu-Berkother gibt es keine Probleme, berichtet Hager. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass man im Bereich Feuerwehrwesen bereits lange Zeit zusammenarbeitet. Zudem sind die Burscheider auch mit einem Vertreter im Ortsgemeinderat vertreten, obwohl die Alt-Berkother die Besetzung der Posten ohne Probleme unter sich hätten regeln können. "Aber ich habe mich dafür stark gemacht, dass auch ein Burscheider in den Gemeinderat kommt", sagt Hager. Damit kommt er einem Versprechen nach, dass er den Neu-Berkothern gemacht hatte. Zwischen der Auflösung von Ortsgemeinde und damit auch vom Ortsgemeinderat Burscheid Anfang 2003 und der Kommunalwahl 2004 war zudem bei Ratssitzungen ein Vertreter Burscheids eingeladen. In die Freude über das Funktionieren der neuen Kommune mischt sich bei Alfon Hager auch ein wenig Bitterkeit. Die rund 85 Einwohner der Gemeinde verlieren sich neben dem Ortskern noch auf rund 7,1 Quadratkilometern Fläche. Es gibt neben Burscheid weitere Wohnplätze im verkehrsmäßig wenig entwickelten Islek. "Nach der Eingemeindung sind die Haltestellen für Busse in Burscheid und in Heinischseifen weggefallen", berichtet Hager. Für die zuständige Behörde gelte eben der Grundsatz, dass Ortsteile im Gegensatz zu eigenständigen Ortsgemeinden kein Anrecht auf eine Haltstelle haben, sagt der Ortsbürgermeister. Diese Begleiterscheinung der Dorfvereinigung hat Bestand, obwohl es Schulkinder gibt, die nun morgens und mittags mit dem Auto zu einer der verbliebenen Haltestellen gebracht werden müssen. "Aber wir sind in Gesprächen und hoffen, dass wir eine Lösung finden", sagt Hager, der von einer weiteren Zusammenarbeit berichtet: "Unsere Freiwillige Feuerwehr überlegt, ob sie mit der Wehr aus der Nachbargemeinde Uppershausen zusammenarbeiten soll." Dank einer solchen Zusammenarbeit könne man nach Hagers Worten der drohenden Personalnot bei den beiden Wehren begegnen. "Aber das bedeutet nicht, dass auch die Ortsgemeinden zusammengehen", beeilt sich Berkoths Ortsbürgermeister festzustellen. Schließlich hat die Nachbargemeinde mit ebenfalls rund 85 Einwohnern für diesen Teil des Isleks eine durchaus normale Einwohnerstärke. Keine Einwohner mehr hatte die erste nach der Kommunalreform aufgelöste Ortsgemeinde im Regierungsbezirk, die auch noch in der Nachbarschaft von Berkoth und Burscheid liegt. Merkeshausen, einst Heimat einer florierenden Eisenhütte, wurde mit Wirkung vom 12. Juni 1994, dem Tag der Kommunalwahlen, in die Gemeinde Oberpierscheid eingemeindet. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Merkeshausener mit Erstwohnsitz mehr."Mein Feuer, Dein Feuer" - das gilt nicht mehr: Lesen Sie morgen im nächsten Teil der Serie "Baustelle Bürokratie", warum sich Feuerwehren im Land nicht mehr an Verwaltungsgrenzen orientieren möchten.

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