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Nur zusammen kann man’s stemmen

Nur zusammen kann man’s stemmen

Die gemeinsame Vermarktung ihrer Holzernte hat den fast 3500 Mitgliedern des Waldbauvereins Prüm auch 2016 satte Erträge gebracht. Sorgenthema bleibt aber das Kartellverfahren gegen die Kooperation mit den Forstämtern - und die für Mitte März erwartete Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Prüm. Der Waldbauverein Prüm ist so solide wie ein Eichenschrank: Zur Hauptversammlung der ältesten und mitgliederstärksten forstwirtschaftlichen Vereinigung im Land sind am Montag, wie jeden Januar, wieder mehr als 250 Besucher in die Karolingerhalle gekommen. Und wie in jedem Januar präsentiert ihnen Horst Backes, Chef der gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft Prümer Wald und Holz GmbH (PWH), stabile Zahlen: Rund 3,5 Millionen Euro Erlös aus den gebündelten Holzverkäufen, Gesamtmenge 51 000 Kubik- oder Festmeter. Es ist etwas weniger als 2015 (59 000 Kubikmeter), zu leicht gesunkenen Preisen, aber immer noch so, dass man auch im siebten Jahr seit der PWH-Gründung "sehr zufrieden" sein könne, sagt Backes.
Dicke Wertschöpfung


"Ich kenne keine Region mit Kleinprivatwald", sagt im Anschluss Peter Wind, Chef des Forstamts Prüm und Geschäftsführer des Waldbauvereins, "in der so viel Holz mobilisiert wird". Das wirkt sich auch an anderer Stelle aus: Pro 1000 Kubikmeter Holz, sagt Wind, rechne man 20 Arbeitsplätze, 1031 sind es im gesamten Gebiet des Vereins, bei einem Umsatz in der kompletten Wertschöpfungskette von 170 Millionen Euro.
Und ein paar Kröten verdienen sie auch noch mit Kräutern: 55 Tonnen Bärlauch nämlich wurden vergangenes Jahr in den Wäldern des Vereins gesammelt. Das brachte immerhin 28 000 Euro ein.
Und doch: "Die Zeiten sind unsicher", sagt der Vereinsvorsitzende Aloysius Söhngen. "Nicht nur, weil sich die Weltlage permanent ändert und wir nicht wissen, welches Dekret der amerikanische Präsident heute noch unterschreiben wird."
Nein - sie sind es auch wegen des Verfahrens, das das Bundeskartellamt in Bonn gegen das Land Baden-Württemberg in Gang gebracht hat: Die Wettbewerbsbehörde stört sich an der Zusammenarbeit zwischen Forstämtern und Waldbesitzern - eine Kooperation, die auch in Rheinland-Pfalz seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziert wird. Zwar vermarkten die Waldbauern in der Eifel ihr Holz in einer eigenen Gesellschaft, das Kartellamt wittert dennoch ein Monopol aus Waldbesitzern und Forstämtern: Weil man sich eben von diesen beraten lässt (der TV berichtete).
Zurzeit verhandelt man deswegen am Oberlandesgericht Düsseldorf. Dort ist das Urteil für Mittwoch, 15. März, angekündigt. Und es sieht derzeit so aus, als wolle sich der vorsitzende Richter dabei auch nicht von der jüngsten Änderung des Bundeswaldgesetzes beeinflussen lassen, die seit Freitag in Kraft ist und für die sich auch die rheinland-pfälzische Landesregierung stark gemacht hat: Dass vorbereitende Arbeiten im Wald - wie die Auswahl der zu schlagenden Bäume nach Beratung der Forstleute - eben nicht zur Vermarktung gehören.
Man könne aber eben nicht, wenn man gerade einmal einen halben Hektar Wald besitze, "dafür Forstwirtschaft studieren", sagt Söhngen, sondern sei auf diese Beratung angewiesen.
Freiwillig, nicht erzwungen


Eine Beratung, die zudem freiwillig sei, unterstreicht Landes-Umweltministerin Ulrike Höfken in ihrer Rede vor den Waldbauern. Die Gemeinschaftsforstämter, sagt die Ministerin, "sind ein Angebot - und keine Zwangsbewirtschaftung".
Deshalb habe sie auch "mit Befremden" gehört, dass sich der Richter in Düsseldorf nicht an das geänderte Bundeswaldgesetz halten wolle. Was sich so positiv entwickelt habe, "das sollte man nicht zerschlagen. Wir hoffen, dass es ein ausgewogenes Urteil gibt."
Das hofft auch Landrat Joachim Streit: "Das Gemeinschaftsforstamt in Rheinland-Pfalz ist ein Erfolgsmodell. Das wird hier im Eifelkreis gelebt."
Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Ökologie, sagt der Landrat, werden auch Themen sein bei der ersten Regionalkonferenz des Kreises am Mittwoch, 22. März, in Prüm - wo genau, wird noch bekanntgegeben (siehe Extra).Extra

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm ist im September in die Arbeit an seinem Entwicklungskonzept eingestiegen, der Auftakt war damals in Bitburg (der TV berichtete). Bestandteil ist auch der Zukunfts-Check Dorf, es geht unter anderem um Mobilität, Wohnen im Alter, Nahversorgung, Arbeit, Ehrenamt oder medizinische Versorgung. Dazu lädt Landrat Joachim Streit zu Regionalkonferenzen ein - die erste ist in Prüm, eine weitere folgt am Donnerstag, 30. März, in Arzfeld. fpl