Oasen im Stadtgrau: Wie grün sind die Eifeler Innenstädte Bitburg, Wittlich, Daun und Prüm?

Kostenpflichtiger Inhalt: Der große TV Vergleich : Oasen im Stadtgrau: Wie grün sind die Eifeler Innenstädte?

Grünflächen nutzen der Umwelt, bieten Platz zur Erholung und setzen Farbakzente in graue Innenstädte. Vielerorts fordern Bürger daher mehr Bäume, Beete und Blühwiesen. Doch nicht jede der vier Eifelstädte Bitburg, Wittlich, Daun und Prüm kann damit punkten. 

531 Millionen Bäume wurzeln in Rheinland-Pfalz. Und ohne diese Eichen, Fichten, Kiefern und Linden würden wir dumm dastehen. Denn die Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und bremsen den Klimawandel. Sie filtern Feinstaub aus der Luft, bieten Lebensraum und spenden Schatten. Kurz: Bäume sind Alleskönner, Stützpfeiler des Ökosystems.

Auch in Städten werden sie gebraucht. Manche Gemeinde setzt aber noch heute eher auf grau als auf grün, obwohl die Rufe nach mehr Parks und Gärten lauter werden.  Wir haben mal die Innenstädte von  Wittlich, Bitburg, Daun und Prüm angeschaut und dabei allerhand Unterschiede bemerkt.

Wittlich: Wer sein Auto auf dem Parkplatz Rommelsbach abstellt, steht schon im Grünen. Wenige Meter entfernt erstreckt sich der gewaltigste Stadtpark der Eifel auf rund 8,5 Hektar. An ihm vorbei fließt die Lieser. Rund um den Fluss, der sich durch Wittlich schlängelt, haben Planer einen Grüngürtel gedeihen lassen. Im Norden schmiegt sich die Parkanlage Ohling an die Stadt.

Insgesamt bringt es Wittlich laut Rathaussprecher Rainer Stöckicht auf 30 Hektar Grünfläche. Das entspricht bei 18762 Einwohnern rund 15 Quadratmetern pro Bürger. Rund 4500 Bäume schlagen hier Wurzeln, Jungbäume nicht mitgezählt.

Für deren Pflege gibt die Stadt jährlich rund 400 000 Euro aus. Hecken werden geschnitten, Blumen gegossen, kranke Bäume gefällt. Wenn ein Riese allerdings der Kettensäge zum Opfer fällt, wird er bei der alljährlichen Pflanzaktion im Herbst ersetzt. So sind 2018 40 Bäume gesetzt worden.

Weitere Projekte: Bei der Neugestaltung des Lieserufers wurden die Böschung und der Spielplatz begrünt. Der Servicebetrieb hat zudem im Stadtpark Blühstreifen und Beete angelegt. Weitere seien geplant, sagt Stöckicht: „Steinschüttungen hat der Servicebetrieb aus dem Programm gestrichen.“

Bitburg: Ein anderes Bild bietet sich in Bitburg. Wer die 350 Meter Fußgängerzone vom Spittel bis zur Liebfrauenkirche hochspaziert, sieht nicht mal eine Handvoll Bäume. Grünstreifen gibt es kaum. Sträucher kämpfen sich stattdessen aus Blumenkübeln empor. Oasen im Stadtgrau sind der Waisenhauspark, das Maximiner Wäldchen und die Konrad-Adenauer-Anlage. Große Parks wie in Wittlich, Daun und Prüm fehlen. Auch in den Neubaugebieten dominieren Schotter und Kiesel. Was der Stadt vor Monaten den „Terror Gardening Award“ der Satire-Seite „Gärten des Grauens“ einbrachte. TV-Leser kritisieren in Leserbriefen  die Stadtgestaltung, die aus Bitburg „eine graue seelenlose Wüste“ mache. Ist da was dran? Ein Blick in die Zahlen:

Die weitläufigste Grünfläche in Bitburg dürfte der Friedhof Kolmeshöh sein.  Genau lässt sich das nicht sagen. Denn das Kataster ist nach Angaben des Verwaltungsmitarbeiters Ralf Mayeres nicht fertig. Also hat der TV sich selbst ein Bild gemacht. Nach wohlwollender Schätzung kommen wir auf rund 15 Hektar Grünfläche, das Housinggelände, schmalere Grünstreifen und Verkehrsinseln nicht mitgerechnet. Das entspricht bei rund 14 000 Einwohnern nicht einmal 10 Quadratmetern pro Kopf. Auch bei der Zahl der Bäume kann die Bierstadt nicht glänzen. So stehen auf Gemeindeflächen 2765 Bäume, und damit fast 2000 weniger als in Wittlich.

Abhilfe soll geschaffen werden. Zum Beispiel durch die Spende von Ulrike Jauslin-Simon. Die 80-jährige Schwester von Marie-Luise Niewodniczanska hat der Stadt 80 Bäume vermacht. 43 haben auf dem Friedhof in der Erdorfer Straße Platz gefunden. Für 37 fehlt noch ein passender Ort. Und das sei das Problem in Bitburg, sagt Gärtnermeister Mayeres: „Wir würden mehr Bäume pflanzen, wenn wir geeignete Stellen hätten.“

Die Gestaltung der Plätze richte sich aber nach deren Funktion. Auf dem Beda-Platz und dem Spittel werde Freifläche für Veranstaltungen gebraucht, sagt Mayeres: „Diese sollten frei von Einbauten sein, damit Lastwagen und Autos rangieren können.“

Fünf Ahornbäume mussten deswegen 2012 am Spittel weichen. Ingesamt wurden in den vergangenen Jahren laut Mayeres 85 Bäume gefällt und ersetzt – etwa am Maximiner Wäldchen und am Markt. Dort sollen sieben hinzukommen. Für die Pflege der Anlagen gibt die Stadt jährlich 69 000 Euro aus.

Daun: In Daun gibt es mehr zu tun. Rund 240 000 Euro steckt die Gemeinde jährlich in die Pflege ihrer 20 Hektar Grünflächen. Das entspricht bei fast 8000 Einwohnern etwa 25 Quadratmetern pro Bürger. Den meisten Platz haben sie im Kurpark. Der wurde jüngst umgestaltet – Blumen, Kräuter und Bäume strecken ihre Köpfe aus der Erde. Weitere Grünflächen sind an der Lieser und nahe der Burg zu finden. Insgesamt stehen im Ortskern 1078 Bäume, heißt es bei der Verbandsgemeinde. 25 wurden in den vergangenen Jahren gepflanzt. Die Gesamtzahl ist niedriger als in Bitburg und Wittlich. Der Vergleich hinkt aber. Denn Daun ist  kleiner als die anderen Kreisstädte.

Prüm: Keine Kreisstadt, aber eine Erwähnung wert, ist Prüm. Denn ausgerechnet die kleinste unter den vier Eifelstädten ist die grünste. 30,3 Hektar Grünfläche stehen in der Abteistadt nach Angaben von Bürgermeister Johannes Reuschen zur Verfügung. Und das, obwohl der Ort nur 5250 Einwohner zählt. Pro Kopf hat somit jeder Bürger rund 57 Quadratmeter Natur für sich. Und damit mehr als fünfmal so viel wie ein Bitburger. „Das Thema wird bei uns im Luftkurort großgeschrieben“, sagt Reuschen. Man achte darauf, Wohnraum nicht zu verdichten: „In jede Straße kommen Beete, in jedes Beet ein Baum.“

Bei deren Zahl muss der Stadtchef passen. Wenn auch nicht mehr lange: Denn derzeit laufe eine Untersuchung, die Bäume, Hecken und Wiesen erfasse, um ein Kataster zu erstellen. Weitere Bemühungen: An Ortseingängen werden Blühwiesen gesät, an Straßenrändern Beete und Bäume gesetzt.

Auch der Hahnplatz, der seit Jahren im Umbau ist, steht im Schatten von Blätterkronen. Die Kirschbäume blühen allerdings rot, tragen also kein grünes Laub. Das scheint einigen Anlass genug zu sein, über fehlendes Grün in der Stadt zu klagen. Das allerdings ist dann Meckern auf hohem Niveau.

Der TV hat auch in Gerolstein und Bernkastel-Kues nachgefragt, allerdings keine Antwort erhalten.

Weitere Bilder der Innenstädte gibt es online unter www.volksfreund.de/fotos

Hier geht es zur Bilderstrecke: Grün- und Grauflächen in Wittlich, Bitburg, Daun und Prüm

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