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Oberkailer Pfarrer muss 9600 Euro Strafe zahlen

Oberkailer Pfarrer muss 9600 Euro Strafe zahlen

Wegen Betrugs und der Veruntreuung von ihm anvertrautem Spendengeld hat das Amtsgericht Bitburg einen Strafbefehl gegen den Oberkailer Pfarrer verhängt. Er muss 9600 Euro Strafe zahlen und gilt damit als vorbestraft. Das Bistum hat noch nicht entschieden, wie es weitergeht.

Bitburg/Oberkail. Fünfmal hat er Geld vom Messdienerkonto abgehoben und es dann für sich selbst ausgegeben. Und fünfmal veruntreute er Spenden seiner Kommunionkinder. Geld, das unter anderem für krebskranke Kinder gedacht war.
Seit bekannt ist, dass der zuvor allseits beliebte Pfarrer von Oberkail, Gindorf und Seinsfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sich an insgesamt 7200 ihm anvertrauten Euro vergriffen haben soll, sind die Gläubigen seiner Gemeinde tief gespalten. Die einen haben ihm den Fehltritt vergeben. Andere halten ihn für unhaltbar. Ob der derzeit krankgeschriebene Seelsorger bleiben darf oder gehen muss, ist unklar. Denn eine Entscheidung des Bistums steht nach wie vor aus. Juristisch ist die Sache nun allerdings abgeschlossen.
Das Amtsgericht Bitburg hat, wie es gestern mitteilte, auf Antrag der Staatsanwaltschaft Trier einen Strafbefehl wegen veruntreuender Unterschlagung und Betrugs gestellt. Der nach wie vor in Oberkail lebende Geistliche hat den Strafbefehl akzeptiert und sich damit zur Zahlung von 9600 Euro Strafgeld (120 Tagessätze à 80 Euro) verpflichtet. Das Ganze ist rechtskräftig. Der Pfarrer gilt damit als vorbestraft.
Er selbst möchte sich zu alledem nicht äußern. Wie es für ihn weitergeht, weiß er ebenso wenig wie sein vorgesetzter Dechant Klaus Bender aus Kyllburg. "Der Zustand ist relativ unerquicklich", sagt Bender - und zwar sowohl für die Gläubigen der betroffenen Gemeinden als auch für den straffälligen Pfarrer. Da müsse bald etwas passieren.
Bistum forderte Selbstanzeige


Obwohl der Verdacht gegen den Geistlichen bereits Anfang 2013 entstanden war und das Bistum ihn aufgefordert hatte, sich selbst anzuzeigen, sieht es nicht danach aus, als wäre schnell mit einer Entscheidung zu rechnen. Nach der weltlichen folgt nun eine kirchenrechtliche Untersuchung. Wie lange die dauert, kann das Bistum nicht sagen. Aufgeflogen war der Geistliche nach einer Reise an den Gardasee, die er für seine Messdiener organisiert hatte: Obwohl Geld vom Konto abgebucht worden war, mahnte das beauftragte Busunternehmen eine offene Rechnung an. Buchprüfungen brachten weitere Unregelmäßigkeiten ans Licht. Dass der Mann Spenden und Kollekten nicht vollständig weiterleitete, wertet die Staatsanwaltschaft als eine "auf Dauer gerichtete Einnahmequelle". Obwohl der Geistliche eine A-14-Besoldung (also mindestens 3480 Euro brutto) erhält und in einer mietfreien Wohnung lebt, war der Grund für sein Handeln offenbar Geldnot. Wofür er das Geld benötigte, ist unbekannt.Extra

Ähnliche Vorwürfe hatte es gegen den Oberkailer Pastor auch in seiner früheren Pfarrei Kobern-Gondorf gegeben. Zum einen war ihm vorgeworfen worden, 20 000 Euro veruntreut zu haben. Er soll das Geld zweckfremd benutzt haben, um das Defizit einer Wallfahrt auszugleichen. Die Summe wurde später zurückgebucht. Zudem ging es um Spenden der Kommunionkinder. Der Rhein-Zeitung zufolge erschien Eltern der Betrag von 200 Euro zu gering. Ihrer Rechnung nach hätten es mindestens 1500 Euro sein müssen. Der Beschuldigte sagte jedoch, die Umschläge seien zum Teil leer oder nur mit wenig Münzen gefüllt gewesen. Sowohl aus Sicht der Staatsanwaltschaft als auch aus jener des Bistums Trier bestätigte sich der Verdacht nicht. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Der Eifeler Pfarrgemeinderat kritisiert, dass er vom Bistum nicht über diese Vorfälle in Kenntnis gesetzt wurde. kah