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Ohne die Kraft der Frauen läuft nichts

Ohne die Kraft der Frauen läuft nichts

VIANDEN/KÖRPERICH. (ako) Die Rolle der Frauen stand im Mittelpunkt der siebten Gaytaler Gespräche zur nachhaltigen Entwicklung. Ob dies die Abschlussveranstaltung der Reihe war, bleibt angesichts der ungewissen Zukunft des Gaytal-Parks offen.

Um die Rolle der Frauen ging es bei den diesjährigen Gaytaler Gesprächen, einer Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (LZU) und des Umwelt-Erlebniszentrums Gaytal-Park. Ob dies die letzte Veranstaltung dieser Art in der Eifel war, ist angesichts der ungewissen Zukunft des Gaytal-Parks noch nicht klar. "Die gewachsene Beziehung zu den Gesprächspartnern des Gaytal-Parks sind wesentliche Grundlage dafür, dass wir uns jedes Jahr hier treffen", macht Peter Heil, Referent der LZU, deutlich. Anstoß für das gewählte Thema "Die Rolle der Frauen" gaben für ihn unter anderem die zahlreichen Initiativen und Projekte, die Frauen im Rahmen des Agenda-Prozesses angestoßen haben. Wie vielfältig die Rolle der Frauen im alltäglichen Leben ist, belegte schon die Einladung: Mutter, Erzieherin, Köchin, Partnerin, Putzkraft, Arbeitnehmerin, Arbeitgeberin, Managerin, Krankenpflegerin, Gestalterin, Psychologin, Wirtschafterin. In wissenschaftlich fundierten Vorträgen und mit zahlreichen Praxisbeispielen wurde die Kernthese erläutert: "Es gehört mehr dazu als nur ein unabhängiges Erwerbseinkommen, damit sich Frauen für die Zukunft ihrer Region engagieren können und wollen. Nur dann ist auch eine partnerschaftliche, zukunftsfähige und nachhaltige Regionalentwicklung möglich." Es mangele, so die Veranstalter, nicht an Vorschlägen und Konzepten, jedoch an deren Umsetzung. Welche Auswirkung eine stärkere Berücksichtigung der Belange von Frauen auf die Gestaltung des ländlichen Raums hätte, machte gleich das Anfangsreferat von Sabine Hofmeister, Professorin am Institut für Umweltstrategien der Uni Lüneburg, deutlich. Ihr Thema in Anlehnung an die berühmte Forderung von Virginia Woolf, jede Frau brauche ein Zimmer für sich selbst: "Frauen-Räume: (k)ein nachhaltiges Verhältnis?" Würden die tatsächlichen Bedürfnisse von Frauen bei der Stadt- und Raumplanung gerecht berücksichtigt - was im Übrigen nicht ohne Neuerungen der Verfahren möglich sei - dann wären Fehlerfreundlichkeit und die Möglichkeit, Fehlentwicklungen wieder rückgängig zu machen, zentrale Kriterien. Die Nutzungsmischung in Siedlungsgebieten, weg von der Schlafstadt und dem Kaufghetto auf der grünen Wiese, sowie kurze Wege würden Priorität erhalten. Denn: "Frauen müssen mobiler sein, sie sind als Managerin für verschiedene Lebensbereiche in komplexen Wegeketten zu Hause." Wenn es gelänge, in den Begriff von Wirtschaft nicht nur Geld als Leitmotiv, sondern auch die überwiegend von Frauen getragene Versorgungsökonomie zu integrieren, dann könnten die Trennung von Wirtschafts-, Lebens- und Naturraum aufgehoben und im Interesse der nachfolgenden Generationen Nachhaltigkeit erreicht werden. Derzeit jedoch seien die Welten von Männern und Frauen kaum miteinander in Übereinstimmung gebracht. Nachhaltigkeit, so der Tenor der Referate, sei schlicht umschrieben mit "gut leben können". Dass es hierzu längst praktische Ansätze auch für Frauen in strukturschwachen Regionen gibt, beweise das Modell zur Förderung der Frauenerwerbstätigkeit in der Westpfalz. Die luxemburgische Gemeinde Beckerich wurde als Vorbild in Sachen Chancengleichheit präsentiert, und das Projekt der "internationalen Gärten" - ökologisch ausgerichteter Gartenbau mit Migrantinnen in Göttingen - zeige, dass Globalisierung lokal buchstäblich fruchtbare Ergebnisse bringen kann. Den Tagungsreader der Veranstaltung können Interessierte beim Gaytal-Park Körperich unter Telefon 06566/96930 anfordern. Eine komplette Dokumentation aller Gaytaler Gespräche gibt es im Internet unter www.umdenken.de/gaytal