Ohne Dünkel und klerikales Gehabe

Ohne Dünkel und klerikales Gehabe

Zweifacher Grund zur Freude: Der gebürtige Speicherer Werner Becker und der Speicherer Pastor Stephan Gerber feiern am Sonntag, 18. September, um 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus zusammen eine besondere Messe. Becker wurde vor 50 Jahren und Gerber vor 25 Jahren zum Priester geweiht.

Speicher. Die Pfarrkirche in Speicher hat gleich zwei Patrone, die beiden Apostel Philippus und Jakobus, nach denen sie auch benannt ist. Welcher Ort würde sich also besser eignen, um zur gleichen Zeit ein silbernes und ein goldenes Priesterjubiläum zu würdigen, als dieser?

Seit Februar dieses Jahres ist Stephan Gerber Pastor der Pfarreiengemeinschaft Speicher. Vor 25 Jahren weihte ihn Bischof Hermann Josef Spital zum Priester. 50 Jahre ist dieser Tag bereits bei dem gebürtigen Speicherer Werner Becker her. Sein Primizspruch lautete damals: "Wir wollen ja nicht Herren eures Glaubens sein, sondern wir sind Helfer zu eurer Freude".

Ein Motto, das ihm immer wichtig war. Nach altem Verständnis war der Priester "der Herr". Mit der Priesterweihe war man Hochwürden. "Mir ging es nicht darum, über die Menschen zu herrschen. Ich wollte immer einer der Ihren sein, ohne Dünkel und klerikales Gehabe", sagt Becker. Auch Stephan Gerber möchte mit den Menschen unterwegs sein, ihnen Raum geben und aus dem Glauben heraus Perspektiven eröffnen. Die Zeiten haben sich geändert, Glaube hat sich geändert. "Es ist schwieriger geworden. Der Glaubensverlust macht heute den Priestern schwer zu schaffen", beobachtet Becker. Man müsse neue Wege gehen, sagt Gerber. Zehn Pfarreien mit insgesamt 21 Dörfern liegen in seiner Zuständigkeit. "Wir müssen weg von dem auf den Priester konzentrierten Kirchenbild." Sein Ziel ist es, dass Gläubige sich in ihrer Wertschätzung zusammenschließen. So könne man auch Wortgottesdienste feiern, ohne Priester und Diakon. "Es wird meine Aufgabe sein, das zu begleiten, anzuregen und aufzubauen."Vom Lausbub zum Pastor


Werner Becker war 35 Jahre lang Religionslehrer am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum Völklingen. Er selbst sei "ein Lausbub" gewesen: Klein und schmächtig von Statur, sei er auf Bäume geklettert, um ganz oben in der Krone die Rabennester auszuheben. Und ein begeisterter Fußballspieler sei er gewesen, später sogar Trainer. Als Berufsschullehrer hatte er nur mit Pubertierenden zu tun. Nicht immer ein leichter Job. "Meine Schüler haben mich 35 Jahre lang zu ihrem Vertrauenslehrer gewählt, meine Lehrerkollegen 20 Jahre in den Personalrat. Das sind für mich die schönsten Ehrentitel meiner Karriere." Die Jugendlichen - die sind auch ein Anliegen für den neuen Pfarrer in Speicher. "Wir müssen sie ernst nehmen, ohne zu messen und zu fragen: Warum bist du nicht dort, wo ich dich sehen möchte?".

Und was raten sie jungen Kollegen, die vor der Entscheidung stehen, Priester zu werden? Becker: "Wenn man den Beruf ergreift, muss man die Menschen gern haben." Gerber: "Jeder, der heute Priester werden will, muss Abenteuerlust mitbringen." Erfüllend ist für ihn, wenn er merkt, dass er in schlimmen Situationen für andere da sein konnte.
Das feierliche Dankamt ist am Sonntag, 25. September, 15 Uhr in der Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus. Im Anschluss gibt es einen Empfang mit Kaffee und Kuchen im Pfarrheim Speicher. snExtra

Werner Becker wurde 1941 in Speicher geboren. Er hat in Trier und München Philosophie und Theologie studiert. Von 1967 bis 1971 war er Kaplan in Saarbrücken, von 1971 bis 2006 Religionslehrer am Kaufmännischen Berufsbildungszentrum Völklingen. Ab 1972 zusätzlich Hilfe in der Pfarrseelsorge. Seit 2011 ist er im Ruhestand. Stephan Gerber wurde 1960 in Quierschied (Saarland) geboren. Nach seiner Ausbildung zum Zahntechniker besuchte er das Erzbischöfliche Abendgymnasium in Neuss. In Trier und Freiburg studiert er Philosophie und Theologie. 1990 war er Diakon in Neuwied, ab 1994 Kaplan in Altenkessel-Rockershausen, danach Vikar in Saarwellingen. Anschließend war er Pastor in Neunkirchen. sn

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