Ohne Vertrauen kein Erfolg

Ohne Vertrauen kein Erfolg

PRÜM. Der Rechtspfleger Klaus Hildesheim und seine Frau Marie-Luise aus Prüm könnten auch zu Hause sitzen und Däumchen drehen. Stattdessen engagieren sie sich seit vielen Jahren in einem Bereich, in dem ohne ihre Unterstützung viele Menschen hilflos wären.

Im Dezember 1994 sagte Klaus Hildesheim dem Amtsgericht Prüm ade und verabschiedete sich in den so genannten Ruhestand. Die Beine von diesem Datum an hoch zu legen, war jedoch nie das Ziel des heute 75-jährigen Rechtspflegers. Nach wie vor ist der Justizamtsrat a. D. im Prümer Land unterwegs, um sein berufliches Wissen einzubringen. Ob es da um Testaments-Vollstreckungen oder Betreuungsarbeit geht, um Vorträge oder Haushaltsauflösungen: Hildesheims Rat ist stets gefragt. Erst kürzlich löste Klaus Hildesheim, der als junger Mann in der ersten Mannschaft des SV Prüm als linker Läufer gegen den Ball trat, einen Haushalt auf. Dass damit auch verbunden sein kann, einen schwer erkrankten Mann in der Reha-Klinik zu besuchen, um ihn zum Essen und zur Einnahme von Medikamenten zu bewegen, wissen die wenigsten. Hildesheim: "Von seinem Arzt hat er sich das nicht sagen lassen. In solchen Fällen ist es also immer gut, wenn zeitig Vertrauen aufgebaut wird." Dass Hildesheims Frau zudem die Wäsche des Kranken zu Hause wusch, sei nur am Rande erwähnt. Das große Geld macht Klaus Hildesheim mit seiner zeitraubenden Arbeit übrigens nicht. Für die derzeitige Betreuung einer demenzkranken Frau erhält der Rechtspfleger eine Aufwandsentschädigung von 320 Euro - pro Jahr. Hildesheim: "Da kommen oft die Spritkosten nicht raus." Und warum tut sich Klaus Hildesheim, der 1948 den Schachclub Prüm mitgründete und dort auch heute noch das Sagen hat, das alles an? "Weil es mir Spaß macht. Besonders die Betreuung bereitet immer wieder Freude." Aber: "Ohne meine Frau würde ich das nicht schaffen."Engagement für lernschwache Schüler

Auch Marie-Luise Hildesheim ist in Stadt und Prümer Land keine Unbekannte. Die 69-Jährige gründete 1974 zusammen mit Hans Feldges und Karl Saltin den Verein "Lernen fördern", eine Einrichtung, die sich um lernschwache Schüler kümmert. Bis zum Jahr 2000 war sie dort Vorsitzende, zudem ist sie heute noch im Bundesvorstand. Landeschefin bei "Lernen fördern" ist sie seit 1991, zudem ist Marie-Luise Hildesheim Mitglied im Landesbehindertenbeirat. "Da geht viel Zeit ins Land", sagt die Frau, die sich aufgrund der Lernschwäche ihrer eigenen Tochter dieser Mammut-Arbeit verschrieb. Dass es auf diesem Gebiet Fälle gibt, die Marie-Luise Hildesheim am Ende mit großer Freude erfüllen, macht ihr Mut, weiter zu machen. So gab sie einem kleinen Deutschrussen mehr als sechs Jahre lang Nachhilfe, was diesem ermöglichte, auf der Grundschule zu bleiben, zur Hauptschule zu wechseln und schließlich einen Abschluss zu erzielen. Für die Erfolge im Förderunterricht und bei der Arbeit mit "Lernen Fördern" möchte und erwartet Marie-Luise Hildesheim indes keine Lobeshymnen: "Ich will nicht den großen Dank, nur ungerechtfertigte Kritik tut weh", betont sie. Und trotzdem macht sie weiter. Im Arbeitszimmer stapeln sich die Papiere, bis zur nächsten Sitzung in Mainz wollen rund 350 Seiten DIN-A 4 durchgelesen sein. Von Langeweile ist im Hause Hildesheim also keine Spur. Sicher auch nicht auf absehbare Zeit.