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Operation am Herzen der Stadt

Operation am Herzen der Stadt

Von den fünf Kastanien auf Bitburgs Postplatz stehen nur noch die Stümpfe. Die Bäume wurden gefällt, damit dort schon bald mehr als 30 Autos parken können. Denn der Parkplatz hinter dem Postgebäude ist ab heute gesperrt. Das Landesmuseum will dort nach Resten aus der Römerzeit graben.

Bitburg. Wer gestern am Postplatz in Bitburgs Fußgängerzone vorbeischlenderte, blieb erstmal verdutzt stehen: Mit Motorsägen rückten Arbeiter den fünf Kastanien Am Spittel, wie der Platz offiziell heißt, zu Leibe. Die Bäume müssen weichen, damit der Platz zum Parken genutzt werden kann. "Jetzt werden noch die Wurzeln der Bäume ausgegraben, die Löcher mit Asphalt verfüllt und dann markieren wir die Stellplätze", sagt Stadtpressesprecher Werner Krämer. 33 Autos sollen dann ab kommender Woche auf dem Platz am südlichen Ende der Fußgängerzone parken können.
Zurück ins 4. Jahrhundert


Die Stadt setzt damit einen Vorschlag des Gewerbevereins um, der Mitte Mai auf seiner Mitgliederversammlung nach einer Lösung gesucht hat, wie sich ersatzweise innenstadtnahe Stellplätze schaffen ließen, da die 40 Stellplätze hinter dem Postgebäude ja mit Beginn der Bauarbeiten wegfallen (der TV berichtete). So entstand die Idee, dass vorübergehend während der Bauzeit der vordere Platz zum Parken genutzt werden kann. Mitte Juni hat der Bauausschuss das Konzept beschlossen. Nun ist so weit. Denn der Parkplatz hinter dem Postgebäude wird ab dem heutigen Mittwoch gesperrt.
"Das Landesmuseum will Anfang September mit den Suchgrabungen beginnen. Deshalb legen wir als Bauherr in dem Bereich hinter dem Postgebäude diese Woche mit vorbereitenden Arbeiten wie dem Entfernen des Pflasters los", sagt Wilhelm Keul von der Trierer Wohnungsbaugesellschaft GBT, die Ende 2011 den Zuschlag für die Umgestaltung des zentralen Innenstadtplatzes bekommen hat. Rund 15 Millionen Euro investiert die GBT in den dreieinhalbgeschossigen Neubau, in dessen Erdgeschoss Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleister angesiedelt werden sollen, während in den Obergeschossen 35 bis 40 Wohnungen entstehen.
Doch bevor gebaut werden kann, will das Trierer Landesmuseum das Gelände nach Funden aus der Römerzeit und dem Mittelalter untersuchen. "Wir wollen kommende Woche mit den Grabungen beginnen", sagt Hans Nortmann vom Landesmuseum und verweist darauf, dass die römische Siedlung einst bis zum Postplatz reichte, bevor die kleine Stadt im 4. Jahrhundert nach Christus zu einem befestigten Straßenkastell umgebaut wurde. "In der Zeit des Castells haben sich die Römer auf kleinerem Raum eingeigelt, weil das ganze Hinterland nicht mehr sicher war", erklärt Nortmann, der am Postplatz Reste der einst größeren römischen Siedlung vermutet: "Wir wissen bisher nur sehr wenig über diese frühe römische Zeit in Bitburg."
Abriss der Post im Herbst


Etwa ein bis zwei Meter in die Tiefe müssen sich die Bagger-schaufeln graben, bevor die Archäologen fündig werden, schätzt Nortmann. Spannend fände er, Grundrisse von Häusern aus der frühen Römerzeit zu entdecken - und dabei etwas über das Leben in dieser römischen Siedlung zu erfahren: "Wenn wir Holzkohle und Schlacke in einem Hinterhof finden, wissen wir, dass es wohl eine Schmiede war, während viele Gefäße einen Hinweis auf eine Gaststätte geben können. Vielleicht gab es an dieser Stelle aber auch einen Tempel oder eine Station zum Pferdewechseln."
Während die Archäologen hinter dem Postgebäude graben, soll ab kommender Woche auch die Beschilderung und Verkehrsführung entlang von Borenweg und Poststraße so weit stehen, dass auf dem Platz vor dem Gebäude, wo gestern die Bäume gefällt wurden, geparkt werden kann. "Das geht jetzt Zug um Zug", sagt Stadtpressesprecher Krämer. Den Abriss des Postgebäudes plant die GBT für Herbst. Mit den Bauarbeiten für den Neubau soll dann im Frühjahr 2013 begonnen werden.