Organspende: Das geht auch bei älteren Menschen.

Organspende : Die Chance der späten Spende

Auch ältere Bürger können einem anderen Menschen ein Organ überlassen – es gibt sogar ein spezielles Programm dafür. Reinhold Balitzki aus Weinsheim findet, dass noch viel zu wenige davon wissen.

Ein Organ spenden? Das dürfen nur Jüngere – glauben viele. Es geht aber eben auch bei älteren Menschen. Reinhold Balitzki aus Weinsheim hat sich deswegen beim TV gemeldet: Er will, dass das bekannter wird – und dass es für Dialysepatienten über 65 sogar ein Spenderprogramm gibt.

Balitzki ist 72 Jahre alt, bis 2006 war er Ausbildungsleiter bei Stihl Magnesiumdruckguss in Weinsheim. Und er ist Dialysepatient. Vor etwa acht Jahren bemerkte er eine zunächst schleichend ablaufende Veränderung: Er hatte Probleme bei körperlicher und vor allem sportlicher Aktivität. Wanderungen seien kaum noch möglich gewesen, „beim Radfahren machte ich schnell schlapp“. Außerdem habe er damals „Kilo um Kilo zugelegt, ohne zu wissen, warum“. Dann fand man heraus: Er hatte Wasser im Körper. Die Niere arbeitete nicht mehr richtig.

Besonders schwer für einen so aktiven Menschen wie ihn: Zu jener Zeit leitete er die Herzsportgruppe des Ski-Klubs Prüm im Kurcenter und war auch bei der Laufgemeinschaft Pronsfeld-Lünebach als Trainer tätig.

Seit November muss er dreimal in der Woche zur Dialyse ins Gerolsteiner Krankenhaus: Gegen 7 Uhr morgens werde er abgeholt, um 12.30 Uhr sei er wieder daheim. Dazwischen liegt ein anstrengender Vorgang: „Was die Niere in drei Tagen macht, geschieht da in vier Stunden. Danach“, sagt er, „ist man ziemlich geschafft.“

Eine Spenderniere könnte Reinhold Balitzki und vielen weiteren Dialysepatienten das Leben leichter machen. Eine Lösung für alle aus der „Ü-65“-Riege bietet das „Eurotransplant Senior Program“, das auch unter dem Namen „Old for Old“ (Alt für Alt) läuft: Es ist nur für Menschen über 65 Jahre gedacht, die dabei anderen älteren Bürgern eine Niere spenden.

Dass es eine Altersgrenze für Organspenden gebe, sei ein Trugschluss, sagt Balitzki. Susanne Venhaus, Pressesprecherin bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation, bestätigt: „Jeder kann in jedem Alter spenden.“

Die Grenze gilt bei Stammzellenspendern. Und es habe gewiss auch keinen Sinn, sagt Balitzki, dass ein alter Mensch einem deutlich Jüngeren ein Organ überlasse: „Wenn einer mit 30 Jahren die Niere eines älteren Menschen bekommt, dann hat der ja nichts davon.“ Denn versage das Organ nach einigen Jahren, brauche er wieder ein neues. „Und das wird ja auch nicht besser mit jeder Operation. Aber wenn einem älteren Menschen eine Niere angeboten wird, die noch sechs oder sieben Jahre halten würde – das schenkt ihm dann diese Jahre ohne Dialyse.“

Das Dialysezentrum in Gerolstein ist eine Zweigpraxis des Medizinischen Versorgungszentrums in Daun, das von Nephrocare, einem Fresenius-Tochterunternehmen, betrieben wird. Ältere Dialysepatienten, sagt Achim Bous, der ärztliche Leiter, „haben eine kürzere Lebenserwartung als ein gesunder Mensch. Sie brauchen kein Organ, das noch 40 oder 50 Jahre hält.“ Deshalb seien auch die Kriterien für die Auswahl „etwas lockerer als bei der normalen Organvergabe“.

Was aber nicht heißt, dass es einfach wäre: Man rede mit den Patienten über die Optionen, kläre mit Hausärzten auch die weiteren Krankheitsbilder ab, schaue sich an, ob die Betreffenden für eine Verpflanzung in Frage kommen, also „transplantabel“ seien.

Falls ja, melde man sie dann den Spezialisten im Transplantationszentrum in Köln-Merheim, mit dem die Dauner zusammenarbeiten. Die untersuchen den Patienten dann erneut und mehrere Tage lang. Und erst dann kommt man eventuell auf die Warteliste für eine Spenderniere.

Das Zentrum in Daun und in Gerolstein versorge etwa 100 Dialyse-Patienten, sagt Achim Bous. Tatsächliche Transplantationen pro Jahr: „Null bis zwei.“ Ein Patient habe elf Jahre lang darauf warten müssen, einer zwei Jahre – im Schnitt seien es sechs.

Ähnlich sind die Zahlen im Raum Bitburg. Das Marienhaus-Klinikum hat zwar keine Dialysestation, trotzdem können Notfallpatienten dort aufgenommen werden, sagt Kardiologiechef Rainer Zotz: „Auf unserer Intensivstation können alle behandelt werden“, und zwar per Blutfiltration: Dabei wird das Blut 24 Stunden lang einem durchgehenden Reinigungsverfahren unterzogen.

In Bitburg besteht außerdem das KfH-Nierenzentrum in der alten Gerberei und versorgt dort ambulante Dialysepatienten (KfH: Das Kürzel des Vereins in Neu-Isenburg geht zurück auf die Gründung als „Kuratorium für Heimdialyse“ vor 50 Jahren, heute betreibt man bundesweit Dialysezentren).

Reinhold Balitzki aus Weinsheim: Er will, dass das Organspendeprogramm für ältere Dialysepatienten bekannter wird. Foto: Fritz-Peter Linden

Reinhold Balitzki wünscht sich jedenfalls, dass noch viel mehr Menschen vom ESP-Programm erfahren. Er bewirbt sich jetzt um die Aufnahme in die Empfängerliste. Dafür wird auch er demnächst in Köln-Merheim ein weiteres Mal gründlich untersucht.

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