Orsfelder halten zusammen

64 der 160 Einwohner von Orsfeld haben trotz ungemütlicher Kälte die Einladung des Trierischen Volksfreunds zum Fototermin wahrgenommen. Ein Ergebnis, mit dem Bürgermeister Peter Schwickerath zufrieden ist.

Orsfeld. Der Ortsbürgermeister von Orsfeld Peter Schwickerath (58) reibt sich fröstelnd die Hände. Bittere Kälte liegt über der Eifel. "Gemütlich ist es heute wirklich nicht," sagt er, "aber ich zähle fest auf die Orsfelder. Sie werden kommen." Er soll recht behalten. Pünktlich auf die Minute strömen Menschen zum Gemeindehaus, um an der Dorffoto-Aktion des TV teilzunehmen. Während bereits 60 Bürger in Reih und Glied für das Foto parat stehen, fährt ein Familienbus mit vier weiteren wild winkenden Orsfeldern vor. "Wartet, wir sind sofort da," ruft jemand über den Platz. Natürlich warten die Anwesenden. Schließlich schaffen es 64 von genau 160 Bürgern auf das große Erinnerungsbild des Ortes - auf die Orsfelder ist eben Verlass.
"Der Zusammenhalt unserer Dorfgemeinschaft funktioniert noch gut", erklärt auch Klaus Ertz (63) mit seiner Enkelin Finja (3) auf dem Arm. Die Kleine sei aber leider nur zu Besuch bei ihm.
Dorffoto Aktion



Genau das sei eines der wenigen Themen, wegen denen man sich Sorgen machen müsse, sagt Schwickerath. "Wir haben einigermaßen viele Kinder im Ort. Dass wir wie vor zwei Jahren eine Kindergartengruppe mit zwanzig Kleinen voll bekommen, ist aber nicht mehr selbstverständlich", betont er. Noch zögen regelmäßig junge Familien in das drei Kilometer von Kyllburg entfernte Örtchen an der Bundesstraße 257. "Wir müssen aber drauf achtgeben, dass das auch so bleibt", betont er. Damit kleine Orte für junge Menschen attraktiv bleiben, müssten die Kommunen mit Geldern zur Dorferneuerung ausgestattet werden: "Am Dorfrand gibt es immer wieder Baustellen von jungen Familien. Im Ort stehen aber fünf Häuser leer. Die Gebäude oder die Stelle, an der sie stehen, würden wir gerne wieder mit jungen Familien belebt sehen. Wir brauchen die Möglichkeit, mit den Gebäuden etwas zu machen."
Nach Argumenten für ein Leben in der kleinen, bereits um 1563 in einer Urkunde als Orßfeld erwähnten Gemeinde, muss Sylvia Jakoby (47) indes nicht lange suchen: "Der Ort ist klein und überschaubar. Hier leben relativ viele Kinder. Es ist fast ein Klischee, aber die Menschen helfen sich hier in der Regel noch untereinander."
Auch Tina Stepniak (30) weiß, warum sie gerne in dem Dorf lebt: "Für mich und meinen Mann Andreas ist ein Traum wahr geworden. Wir suchten ein altes Bauernhaus, haben es hier gefunden und genießen die Ruhe und die tolle Nachbarschaft."
Zum perfekten Glück ist mit Sohn Wilhelm vier Tage vor dem Fototermin Orsfelds jüngster Bürger zur Welt gekommen. "Dorfleben ist wie das Leben selbst. Manchmal geht es gut, dann etwas schlechter, aber es wird auch wieder besser", kommentiert Anton Leinen (85) die Sorgen seiner Mitbürger. Als ältester Bürger auf dem Dorffoto spricht er aus Erfahrung: "Leben in Orsfeld ist und bleibt schön."