Ortsdurchfahrten in der Eifel kosten statt 670000 nun 1,7 Millionen Euro

Kostenpflichtiger Inhalt: Schock nach Ausschreibung im Eifelkreis : Elf Straßenbauprojekte werden dreimal teurer als erwartet

Der Kreisausschuss hat im April beschlossen, elf Ortsdurchfahrten zu sanieren. Die damals geschätzten Kosten lagen bei 670 000 Euro. Tatsächlich, das ergab die Ausschreibung, werden die Ausbauten aber fast dreimal so teuer.

Die Ortsdurchfahrt von Baustert hat ihre besten Zeiten hinter sich. „Wir sind zwar noch nicht auf so einem schlechten Niveau angekommen wie manche Rumpelpiste in Bitburg“, sagt Ortsbürgermeister Udo Brück. Dennoch werde es langsam Zeit, dass die Strecke saniert wird.

Eigentlich ist das seit April beschlossene Sache. In einer damaligen Sitzung hat der Kreisausschuss die Bauarbeiten zusammen mit zehn anderen Projekten zur Ausschreibung und Vergabe freigegeben. Doch es kam etwas dazwischen.

670 000 Euro sollten die Sanierungen von insgesamt vier Kilometern Kreisstraßen in Idesheim, Trimport, Röhl, Sülm, Orenhofen, Koxhausen, Niederraden, Baustert, Bleialf, Großlangenfeld und Weinsfeld nach ursprünglicher Schätzung kosten. Es sind keine großen Arbeiten: In den jeweiligen Orten sollen nur einige Hundert Meter aufgerissen und mit einer neuen Bitumenschicht bedeckt werden.

Doch die Ausschreibung, schreibt ein Sprecher der Kreisverwaltung, erbrachte „überraschend“ ein etwas anderes Ergebnis. Das günstigste Angebot für die Sanierung der elf Ortsdurchfahrten lag laut einer Vorlage bei 1,7 Millionen. Und war somit fast dreimal so hoch wie veranschlagt. Dies sprengte das Budget der Planer. Im Haushalt war ein solch hoher Betrag für die Bauarbeiten nicht vorgesehen. „Die Finanzierung der Maßnahmen war somit nicht gesichert“, heißt es von der Verwaltung. Die Ausschreibung musste „aus schwerwiegenden Gründen“ aufgehoben werden. Wovon die Bieter auch in Kenntnis gesetzt worden seien. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen?

Dazu schauen wir uns mal eine der Baustellen genauer an: den Ausbau der Kreisstraße 146 in Daleiden. Im März wurden die Kosten für diese Sanierung mit 170 000 Euro beziffert. Zugrunde legte man, schreibt ein Verwaltungssprecher, Einheitspreise aus dem Jahr 2018.

Das Ausschreibungsergebnis sei dann aber überraschend viel höher gewesen. 270 000 Euro, und somit 100 000 Euro mehr, seien für die Sanierung der Ortsdurchfahrt geboten worden. Eine Steigerung von 50 Prozent gegenüber der Schätzung aus dem Jahr 2018.  

Zu diesem Preis wollte die Verwaltung aber die Bagger nicht rollen lassen. Und so verschob sich der Baubeginn von 2019 auf voraussichtlich 2020. Laut Verwaltung erklärt sich die Kostenexplosion durch „eine starke Kostensteigerung im Bausektor“. Die Situation ist bekannt: Die Firmen sind ausgelastet, die Materialkosten steigen. Die Folge: Inzwischen werden deutschlandweit neun von zehn öffentlichen Projekten teurer als veranschlagt. Dass sich die Kosten verdreifachen bleibt dennoch selten. Ortsbürgermeister Udo Brück kann verstehen, dass die Ausschreibung aufgehoben wurde: „Die Preise sind zum Himmel geschossen. Man muss den Haushalt nicht unnötig schröpfen.“ Und damit meint er auch den seiner eigenen Gemeinde. Denn die wollte im Rahmen der Arbeiten an der Ortsdurchfahrt auch gleich zwei Gemeindestraßen mitsanieren: die Straße im Kobenorn und die Kirchstraße. Dazu wird es jetzt wohl erstmal nicht kommen.„Wir hoffen, ass es trotzdem nächstes Jahr losgehen kann“, sagt Brück.

Eine Entscheidung über den Baubeginn ist noch nicht getroffen. Denn Baukosten, wie sie 2018 zu erwarten waren, heißt es in einer Vorlage, seien nun wohl nicht mehr zu realistisch. Nun wolle die Kreisverwaltung die Vorhaben aber nochmals genauer prüfen, wodurch sich möglicherweise der Umfang der Deckenbauten reduzieren, die Menge an Fördergeld aber erhöhen könnte.

Über das Ergebnis dieser Untersuchung werde der Kreisausschuss Anfang 2020 informiert, kündigt die Verwaltung an.

Mehr von Volksfreund