Oscar Carl Holderer aus Prüm war an Entwicklung einer Mondrakete beteiligt

Kostenpflichtiger Inhalt: Menschen : Der Raketenpionier aus Prüm

Vor rund 100 Jahren wurde der deutsch-amerikanische Ingenieur Oscar Carl Holderer in der Eifel geboren. Der Mitarbeiter der Nasa war maßgeblich an der Entwicklung der Mondrakete Saturn V beteiligt.

„Ich glaube, dass sich die Vereinigten Staaten das Ziel setzen sollten, noch vor Ende dieses Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen zu lassen und ihn wieder sicher zur Erde zurückzubringen. Kein anderes Projekt wird innerhalb dieser Periode eindrucksvoller und für die Erforschung des Weltraums wichtiger sein.“

Mit diesen historischen Worten verkündete der frühere US-Präsident John F. Kennedy im Mai 1961 das Bestreben der Vereinigten Staaten von Amerika (USA), den einstigen „Wettlauf zum Mond“ im Kalten Krieg gegen die ehemalige Sowjetunion gewinnen zu wollen.

An dem prestigeträchtigen Apollo-Programm, das vor 50 Jahren erstmals Astronauten auf den Erdtrabanten brachte, wirkte neben dem bekannten Deutsch-Amerikaner Wernher von Braun auch der aus Prüm stammende Wissenschaftler Oscar Carl Holderer entscheidend mit.

Der am 4. November 1919 geborene Maschinenbauingenieur entwickelte seinerzeit einen aerodynamischen Windkanal, der im Vorfeld der legendären Apollo-11-Mission zur Erforschung und Verbesserung des Flugverhaltens der Mondrakete Saturn V diente. Bei seiner Tätigkeit für die US-Raumfahrtbehörde Nasa (National Aeronautics and Space Administration) profitierte der gebürtige Eifeler ebenso wie sein damaliger Chef Wernher von Braun von den Ergebnissen einer jahrelangen Forschungsarbeit, die bereits während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland begann.

Dort arbeiteten die beiden Raketentechniker in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde an der Konstruktion einer ballistischen Großrakete mit der Bezeichnung „Aggregat 4“. Die auch mit dem Propagandanamen V2 (Vergeltungswaffe 2) bezeichnete Artillerie-Rakete sollte bei zahlreichen Luftangriffen auf europäische Städte, darunter London und Antwerpen, etwa 8000 Todesopfer fordern. Darüber hinaus starben im Umfeld der Massenproduktion der Raketenwaffe schätzungsweise 20 000 KZ-Häftlinge sowie Zwangsarbeiter des Konzentrationslagers „Mittelbau-Dora“, das an eine unterirdische Fabrik nördlich der thüringischen Stadt Nordhausen angeschlossen war.

Nach Kriegsende wurden von Braun und Holderer neben vielen weiteren Raketenwissenschaftlern im Rahmen des US-Geheimprojektes „Operation Overcast“ rekrutiert und nach Amerika gebracht. Dort arbeitete das aus rund 120 deutschen Technikern bestehende Team im Auftrag der US-Army weiterhin an der Entwicklung von Raketen und militärischen Flugkörpern. So entstand in den folgenden Jahren unter anderem die erste US-amerikanische ballistische Rakete PGM-11A, genannt „Redstone“. Ab 1950 lebte Holderer in der früheren Kleinstadt Huntsville (Alabama), die durch den Zuzug zahlreicher Nasa-Mitarbeiter stark anwuchs und daraufhin als „Rocket City“ bekannt wurde. Zehn Jahre nach seiner Übersiedlung in die USA erhielt der gebürtige Deutsche die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Mit dem Bau und der Weiterentwicklung des von ihm geplanten Windkanals ermöglichte er in den folgenden Jahren die Konstruktion der Saturn V-Rakete, die bei mehreren Apollo-Missionen der Nasa zum Einsatz kam. Während seines wechselhaften Arbeitslebens entwickelte der versierte Wissenschaftler insgesamt neunzehn technische Patente. Auch nach seiner Pensionierung im Jahre 1974 blieb Holderer mit großer Leidenschaft der Raumfahrt verbunden. So arbeitete er unter anderem an der Entwicklung verschiedener Trainingsgeräte für Weltraumflüge. Darüber hinaus beteiligte er sich am Aufbau des U.S. Space & Rocket Center (USSRC) in Huntsville, dem weltgrößten Museum für Raumfahrt.

Foto: Pixabay. Foto: Pixabay

Im Jahr 2008 wurde der Raketeningenieur für sein Lebenswerk mit der Aufnahme in die United States Space Camp Hall of Fame geehrt. Sieben Jahre später starb der frühere Eifeler am 5. Mai 2015 im Alter von 95 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Er hinterließ seine zweite Ehefrau, zwei leibliche Söhne sowie einen Stiefsohn und eine Stieftochter.