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Ostern in der Eifel: Die Auferstehung im kleinsten Kreis

Kirche : Die Auferstehung im kleinsten Kreis

Für die katholische Kirche sind Karwoche und Ostern das wichtigste Fest. Aufgrund der Corona-Pandemie sind kirchliche Veranstaltungen derzeit aber nur im ganz kleinen Rahmen möglich. In den Pfarreien wird deshalb improvisiert.

Es ist durchaus bitter, doch Klaus Bender nimmt es mit Humor. Er habe bereits gespottet, dass einige Gottesdienste ohnehin so schwach besucht seien, dass das Corona-Virus gar keine Chance hätte, sich zu verbreiten, sagt der leitende Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Kyllburg und Dechant des Dekanats Bitburg. Da ist was dran. Doch so leer wie jetzt hat aber selbst Bender die Gotteshäuser noch nicht erlebt. Es fühle sich komisch an, sagt er. „Normalerweise ist die Karwoche die intensivste Woche im Kirchenjahr“, erklärt der Geistliche. Und jetzt? Jetzt sind Gott und Bender bei den kirchlichen Festen ganz unter sich. „Ich habe im Pfarrhaus einen kleinen Gebetsraum, und dort feiere ich dann die Gottesdienste alleine“, sagt er. Dabei wäre ein wenig Gesellschaft durchaus möglich. „Das Bistum hat angeregt, dass wir die Messen mit maximal zehn Personen feiern können“, erklärt der Dechant. Theoretisch bestünde also die Möglichkeit, zumindest im kleinen Kreis einen Gottesdienst abzuhalten.  Nur wo zieht man da die Grenze? Dürfen dann nur die mitfeiern, die auch an der Liturgie beteiligt sind?

Für den Pfarrer aus Kyllburg ist das nichts Halbes und nichts Ganzes. Deswegen verzichtet er darauf – und kommt dabei einer Aufgabe nach, die sonst, wie er sagt, eher untergehe. „Jeder Pfarrer soll sonntags mindestens eine Messe für die eigene Pfarrei abhalten“, sagt Bender. Da sei die sogenannte Applikationspflicht. Im normalen Alltag komme dieser Gedanke oft zu kurz. „Oft denkt man einfach gar nicht daran“, so der Dechant. Das sei jetzt anders. Insofern habe die Situation ja auch etwas Gutes.

Mindestens bis Ende April wird der kirchliche Ausnahmezustand dauern. Und auch für Ralf Pius Krämer, Pfarrer und Moderator der Pfarreiengemeinschaft Gerolsteiner Land, stellt sich die Frage, wie er damit umgeht. Krämer handhabt es ähnlich wie Bender. „Wir tun uns schwer damit, die Kirche zu bestimmten Zeiten zu schließen, um dort im kleinen Kreis die Messe zu feiern“, sagt Krämer. Deshalb veranstaltet auch er keine Gottesdienste in der Kirche. Für persönliche Gebete könnten die Gotteshäuser der Pfarreien zu Ostern aber jederzeit besucht werden, fügt er hinzu. Zudem werden im Gerolsteiner Land – genau wie auch in der Kyllburger Pfarrei – auch Osterkerzen und gesegnete Palmzweige verteilt. Und in der Osternacht wird der Pfarrer aus Gerolstein auch das Osterfeuer segnen. Dann wird die Osterkerze am Feuer angezündet und in die Kirche gebracht. An bestimmten Riten der österlichen Liturgie wird also festgehalten.

Für Krämer sind die Einschränkungen, zu denen das Corona-Virus die Kirche zwingt, ein Dilemma. „Gerade in Notsituationen ist ein Ort des Zusammenkommens wichtig“, sagt er. „Genau das fehlt jetzt.“ Und das dann ausgerechnet auch noch an Ostern – ein Fest, an dem die Auferstehung Jesu gefeiert wird und das für Hoffnung und Zuversicht steht.

Auch Jochen Kohr muss in diesen Tagen improvisieren. Der Pastor der Pfarreiengemeinschaft Bleialf war zunächst genau wie Bender und Krämer der Auffassung, dass es besser sei, auf den Gottesdienst komplett zu verzichten anstatt ihn in kleiner, auserlesener Runde zu feiern. Inzwischen aber hat Kohr eine andere Möglichkeit gefunden. Die Gottesdienste und Feiern werden gestreamt, also gefilmt und dann mit ein wenig Verzögerung im Internet übertragen. Palmsonntag war Premiere. Und die Resonanz sei positiv gewesen, sagt der Pastor. Rund 200 Menschen hätten sich die Messe im Internet angeschaut. So viele Kirchenbesucher hat Kohr eher selten. Zumal in Bleialf derzeit aufgrund der Kirchensanierung ohnehin weniger Platz zur Verfügung stehe.

„Da waren mit Sicherheit auch einige dabei, die sich das nur aus Neugier angeschaut haben“, räumt der Pfarrer ein. Und auch qualitativ sei die Aufzeichnung alles andere als professionell gewesen, fügt er lachend hinzu. „Und trotzdem ist es etwas ganz anderes, ob ich zu einem Live-Gottesdienst irgendwo in einer fremden Kirche zugeschaltet bin oder aber im Internet an einer Messe teilnehme und dabei Umfeld und Akteure sehe, die mir vertraut sind“, meint Kohr. Bei dem einen Gottesdienst wird es deshalb nicht bleiben. Auch die Ostermessen sollen per Live-streaming im Internet übertragen werden. Und die Bleialfer sind dann auch nicht die Einzigen. So werden beispielsweise auch die Ostergottesdienste der evangelischen Kirchengemeinde in Bitburg im Internet übertragen.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig sei die Situation aber dennoch, sagt Pfarrer Kohr. „Immerhin stehe ich in einer fast komplett leeren Kirche und feiere einen Gottesdienst.“ Der Kreis derjenigen, die daran teilnehmen, ist auf das Notwendigste reduziert: der Pastor, die Küsterin, der Lektor beziehungsweise die Lektorin und die Organistin. Und dann natürlich noch der Kameramann. Das sind dann alle. Der Rest der Kirchengemeinde sitzt vor den Bildschirmen.