"Paffen gnädiglichst unterlassen"

250 Jahre sind vergangen seit dem ersten Markt in den früheren Dörfern Spang und Dahlem. Auf den Tag genau, am 30. April, erinnerte der Hobby-Historiker Günther Klassen mit seinem Team in einer Feierstunde an die damalige Zeit.

Spangdahlem. Rund 270 Menschen füllten das Gemeindehaus in Spangdahlem "am letzteren des Monats April", um sich in die Zeit des 18. Jahrhunderts entführen zu lassen. Initiator der Veranstaltung, Günther Klassen aus Spangdahlem, freute sich darüber, ganz in der Sprache der Zeit, "dass auch gekommen sind, Männer und auch Frauen aus den kurtrierischen Dörfern Binsfeld und Herforst". Ebenso begrüßte er "erlauchte Gäste aus dem Luxemburgischen Gransdorf und Kayle sowie den erlauchten Amtsherrn von Speicher, Rudolfo Becker und seine ehrenwerte Frau Marlies sowie andere Persönlichkeiten aus dem Flecken Speicher". Verhaltensregeln während des "Spectakulums zu Spang-Dahlem", verkündete der zu dieser Zeit übliche Ausrufer, gespielt von Manfred Kremer: Während der Aufführung sei von Bezeugungen des Beifalls abzusehen und das Missfallen zu reduzieren und die "durch die Soldaten gebrachte Unsitte, nämlich das Inhalieren oder Paffen von Tabak in Pfeifen oder in Blätter sowie in Papier eingerollt, gnädiglichst zu unterlassen". Nachdem das Publikum also derart belehrt wurde, erläuterten Klassen und Ehefrau Rosmarie die politischen und wirtschaftlichen Umstände im Kurfürstentum Trier. Ab dem Jahr 1700 legte Klassen seine Recherchen den Mitbürgern offen. So erfuhr das Publikum von Hunger, Krankheit und Seuchen ebenso wie über den Wiederaufbau der Nikolauskapelle, von belesenen oder zweifelhaften Brüdern der Eremitage oder über den Tod von fast 50 Wallfahrern aus Spangdahlem. Das Rollenspiel der einheimischen Schauspieler, mit authentischen Aussagen aus historischen Schriften, untermalte anschaulich die Rahmenerzählung und sorgte nicht selten für Erheiterung im Saal. Bevor es zum Höhepunkt des Abends, zur Verleihung des Marktrechts kam, durften sich die Gäste an einer zünftigen Marktvesper laben.Marktvesper und feierliche Lesung

Mit erhabenen Worten las Freiherr von Boos, Domdechant der hohen Domkirche und Amtsherr zu Kyllburg (Paul Hißerich) im zweiten Teil der Veranstaltung die Urkunde vor, die die Feierlichkeiten des Abends verursachte: "Primo der erster Vieh- und Krämery-Waaren-Marck dies Jahr am letzten Tag des Monats April zu vorangedeutetem Spang bei der St. Niclas Capel auf dasigen Wieß gehalten werden solle…". Überschwänglich bedankte sich der Schultheiß von Spang (Ortsbürgermeister Klaus Rodens) für diese "große landesväterliche Fürsorge". Bis 1895 gab es am Tag vor dem 1. Mai, am Tag des Heiligen Quirinus, den Markt in Spang-Dahlem. "Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht hierher gekommen wäre, es ist richtig faszinierend", sagte Marlies Valerius aus Binsfeld. Und Laura Knauf aus Spangdahlem meinte: "So erfährt man etwas über unsere Geschichte."