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Panik-Schlösser gegen ungebetene Gäste

Panik-Schlösser gegen ungebetene Gäste

PRÜM. Nach dem Übergriff auf eine Siebenjährige an einer Grundschule in Koblenz schrillen nun auch anPrümer Schulen die Alarmglocken.Erste Konsequenzen zieht die Wandalbert-Hauptschule: Die Türen werden demnächst mit Schnapp-Schlössern verriegelt.

Der Missbrauch an einem siebenjährigen Mädchen an der Grundschule Moselweiß in Koblenz (der TV berichtete) hat viele Schulleitungen und Elternbeiräte alarmiert. Während in den Koblenzer Schulen Klassenlehrer mit den Kindern den sexuellen Übergriff aufarbeiten, machen sich die Verantwortlichen der Wandalbert-Hauptschule Prüm Gedanken darüber, wie sie ihre Schüler besser schützen können. Auch die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen hat alle Schulleiter aufgefordert, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen (siehe Hintergrund)."Die haben ja auch nicht damit gerechnet, dass so etwas passieren kann", sagt Rektor Werner Blindert im Rückblick auf das Koblenzer Ereignis und plaudert aus dem Nähkästchen: "Wir merken hier immer häufiger, dass sich Leute, die nichts mit der Schule zu tun haben, auf dem Gelände rumtreiben." Auch die Toiletten seien schon benutzt worden. Oft handele es sich um Schüler der benachbarten Berufsbildenden Schule (BBS) - aber auch andere seien schon gesichtet worden. "Einmal habe ich deshalb bereits Anzeige wegen Hausfriedenbruchs gestellt", sagt Blindert.Schulleitung und Elternbeirat sind nun in die Offensive gegangen. Sie haben beim Schulträger, der Verbandsgemeindeverwaltung Prüm, darum gebeten, die Eingänge einschließlich Lieferantentür mit so genannten Schnappschlössern zu versehen. Das heißt: Jeder kommt raus, aber keiner kommt rein, ohne kontrolliert zu werden. Am Haupteingang wird zudem eine Klingel, eventuell sogar eine Video-Kamera, installiert. Blindert: "Es muss etwas getan werden, besonders wegen unserer Lage mitten im Schulzentrum. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist es bekanntlich zu spät." Deshalb gilt für Blindert ab sofort die Devise: "Sicherheit hat absolute Priorität."Sauereien und Schmierereien auf den Schul-Toiletten

Übergriffe auf Schüler hat es laut Rektor Blindert an seiner Schule bisher noch nicht gegeben. Aber: "Wie oft werfen wir hier fremde Personen raus!", konstatiert er kopfschüttelnd. Fakt sei nämlich, dass es bereits jede Menge "Sauereien und Schmierereien auf der Toilette" gegeben habe. Oft seien in solchen Fällen die eigenen Schüler fälschlicher Weise verdächtigt worden.Der Leiter der Prümer BBS, Klaus Peter Metzger, bestätigt, dass er in dieser Angelegenheit Kontakt zu Werner Blindert habe. Dass sich BBS-Schüler allerdings im Gebäude aufgehalten hätten, sei ihm neu. Aber: Immerhin 90 Prozent seiner Schüler seien früher an der Hauptschule gewesen. "Die suchen den Weg." Metzger: "Ich wüsste aber nicht, wie ich das verhindern könnte." Er könne nicht mehr tun, als diese Schüler "ins Gebet zu nehmen". Aber an einen Laternenpfahl könne er sie nicht binden.Sensibilisiert für das Thema Sicherheit ist auch Klaus Hack, Rektor der Bertrada-Grundschule Prüm. Er habe die Problematik mit dem Elternbeirat besprochen und die Situation vor Ort analysiert. Ergebnis: Die Toilettenzugänge werden heller gestaltet. Außerdem sei es für einen Fremden schwierig, in das Gebäude zu gelangen, weil er über den kompletten Schulhof müsse. Zudem befinde sich die Werkstatt des Hausmeisters in unmittelbarer Nähe der Toiletten. Alle Lehrer seien angewiesen, jeden Fremden anzusprechen. Hack: "Auch, wenn sich dadurch eine Mutter mal auf den Schlips getreten fühlt - Sicherheit geht vor." Von so genannten Panik-Schlössern hält Hack nicht viel, weil die Türen gleichzeitig als Fluchtwege benutzt werden müssten. "Außerdem wollen wir aus unserer Schulen keine Festung machen." Die Grundschule setze stattdessen auf das "Nein-Sagen"-Projekt der Interessengemeinschaft Kinderschutz im Kreis Bitburg-Prüm (IGKS).Verbandsgemeinde-Bürgermeister Aloysius Söhngen hat Verständnis für die speziellen Sorgen der Hauptschule Prüm. Die Wandalbert-Hauptschule befände sich schließlich mitten in einem Schulzentrum. Dort sei "wesentlich mehr Leben" als an überschaubaren Orten. Die Verwaltung habe begonnen, Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Aber: "Alles wird man nicht verhindern können."Liebe Leserinnen und Leser! Finden Sie es sinnvoll, dass sich die Hauptschule Prüm gegen ungebetene Gäste in dieser Form schützt? Welche Erfahrungen haben Sie an Ihrer oder an der Schule Ihres Kindes gemacht? Schreiben Sie uns bis Sonntag, 12 Uhr, Ihre Meinung per E-Mail an eifel-echo@volksfreund.de oder faxen Sie unter 06551/959539. Ihr Beitrag soll 30 Druckzeilen nicht überschreiten .