Parken in Bitburg wo einst die Soldaten marschierten

Stadtentwicklung : Parken, wo einst die Soldaten marschierten

Der Zweckverband Flugplatz Bitburg möchte den Robert-Schuman-Platz auf dem Konversionsgelände Alte Kaserne umgestalten. In der jüngsten Sitzung des Verbands wurde dazu ein Rahmenkonzept vorgestellt.

Wie groß der Robert-Schuman-Platz ist, wird deutlich, wenn man ihn mit anderen Flächen in der Innenstadt vergleicht: Der Parkplatz Altes Gymnasium umfasst rund 6000 Quadratmeter. Und ähnlich groß ist auch die Parkfläche auf dem Bedaplatz. Der Robert-Schuman-Platz, benannt nach dem in Luxemburg geborenen, ehemaligen französischen Ministerpräsidenten und Mitbegründer der Europäischen Union, ist deutlich größer. Mit rund 9000 Quadratmetern, was annähernd der Größe eines Fußballplatzes entspricht, ist das Areal inmitten der Alten Kaserne der mit Abstand größte Parkplatz in Bitburg.

Früher sind auf diesem Platz die Soldaten aufmarschiert. Erst die der Wehrmacht, dann die der Luxemburger und schließlich die Franzosen. Dann kamen die Amerikaner, die daraus einen Parkplatz machten. Der scheinbar endlosen Weite aus rotem und grauem Verbundpflaster sieht man die Geschichtsträchtigkeit des Platzes nicht an. Doch: „Wir haben hier einen historisch-baukulturell sehr wertvollen Standort“, sagt Christoph Heckel, Ingenieur und Geschäftsführer des Trierer Planungsbüros BGH Plan. Im Auftrag des für die Konversion der Altern Kaserne zuständigen Zweckverbands Flugplatz Bitburg hat der Planer ein Rahmenkonzept erstellt, das sowohl eine Umgestaltung des Platzes als auch des angrenzenden Grünbereichs vorsieht. Und in der Sitzung des Zweckverbands wird dieses Konzept vorgestellt.

Derzeit wird der Platz über vier Zufahrten erschlossen. Die Planung Heckels sieht nun vor, zwei dieser Zufahren komplett zu schließen. Und das sind die am westlichen Ende des Platzes. In diesem Zusammenhang soll auch der Abschnitt der Maria-Kundenreich-Straße gesperrt werden, in dem sich das Gebäude 2011 mit den Räumen der Familienbildungsstätte, der Volkshochschule, der Stiftung des Beda-Instituts, des Zentrums für selbstbestimmtes Leben und der Pflegeschule befindet. Wie Heckel erklärt, habe es Anfang Mai ein Quartiergespräch mit den Eigentümern und Nutzern der Liegenschaft Alte Kaserne gegeben. Und dabei sei eine Sperrung dieses Abschnitts für den Durchgangsverkehr durchaus begrüßt worden.

Abgesehen von dem kleinen Anschluss am südöstlichen Zipfel des Platzes (Else-Kallmann-Straße) soll das Areal zukünftig für die Besucher und Anlieger der ehemaligen Kasernenblöcke nur noch über die Zufahrt an der Mittelachse des Platzes möglich sein. Die an dieser Achse vorhandenen Bäume sollen genau wie der übrige Bewuchs auf dem Platz verschwinden und durch neue Bäume ersetzt werden. „Wir wollen die Mittelachse breiter gestalten und durch eine neue Bepflanzung den Grünbereich aufwerten“, sagt der Planer. Das, was es dazu derzeit auf dem Platz gebe, sei in keinem erhaltenswerten Zustand, so Heckel. Zudem sei geplant, im Umfeld der neuen Bäume auch Plätze mit Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Da der Platz innerhalb der Denkmalzone liege, werde in Abstimmung mit der Denkmalpflege dafür gesorgt, dass der weiträumige Charakter des einstigen Kasernenplatzes erhalten bleibe, betont Heckel. Auch das Pflaster des Platzes soll nicht ausgetauscht, sondern nur an den schadhaften Stellen ausgebessert werden.

Was die Parkplatzkapazität betrifft, so wird sich auch daran laut Planer wenig ändern. Derzeit verfügt der Robert-Schuman-Platz über rund 310 Stellflächen, die von den Amerikanern durch die farbliche Pflastergestaltung recht großzügig dimensioniert wurden, aber auch in dieser Größe völlig ausreichen. Was zum einen an der Menge der Plätze liegt, zum anderen aber auch daran, dass das Gebäude, in denen Abteilungen der Kreisverwaltung und die Agentur für Arbeit untergebracht sind, in seiner Nutzung andere Kernzeiten hat als beispielsweise das Gebäude 2011, in dem unter anderem die Volkshochschule sitzt. Selbst zu Spitzenzeiten sei der Platz kaum mehr als zur Hälfte belegt, erklärt dazu Helmut Berscheid, Geschäftsführer des Zweckverbands. Sollten die Kapazitäten des Platzes dennoch nicht ausreichen, um der weiteren Entwicklung des Kasernengeländes gerecht zu werden, so sei – ebenfalls in Absprache mit der Denkmalbehörde – die Schaffung eines Parkdecks in Stahlbauweise am südlichen Rand denkbar, ergänzt der Planer.

Was der Rahmenplan ebenfalls vorsieht, ist eine Aufwertung des Fußgängerbereichs am Rande des Platzes entlang der Maria-Kundenreich-Straße. Dieser Weg, der in seiner Verlängerung unter dem Ostring hindurch auf das Gelände der benachbarten Housing führt, soll ebenfalls mehr Aufenthaltsqualität erhalten. Zudem seien „entlang dieser Achse Stelen als Orte der Erinnerung“ vorgesehen, wie Heckel erklärt. Die Stelen sollen vor allem aus Glas bestehen und mit historischen Aufnahmen des Kasernengeländes bedruckt werden.

Bis Ende 2020 soll das Projekt umgesetzt werden. Rund 800 000 Euro, für die ein Zuschuss in Höhe von 70 Prozent erwartet wird, sind laut Rahmenplan für das Projekt veranschlagt. In dieser Summe nicht enthalten ist die Errichtung des Parkdecks. Wobei sich die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung auch einig sind, dass sie darauf – allein schon aus ästhetischen Gründen - nach Möglichkeit verzichten wollen.

Einstimmig wird das vorgestellte Rahmenkonzept dann am Ende auch genehmigt. In einer Sache gibt es allerdings Bedenken. So äußert Thomas Etteldorf die Sorge, dass es durch die Schließung der derzeitigen Zufahrt in der nordwestlichen Ecke des Platzes zu Problemen mit der in unmittelbarer Nähe geplanten Kita in einem der Kasernenblöcke kommen könnte. Er sei davon überzeugt, dass das entlang der Maria-Kundenreich-Straße zu chaotischen Situationen führen werde, da viele Eltern dann eher an der Straße hielten anstatt über die etwas weiter entfernte Zufahrt auf den Parkplatz zu fahren.

Ob die Kita dort tatsächlich gebaut wird, steht derzeit noch nicht fest (der TV berichtete). Falls ja, wird sich spätestens dann zeigen, inwieweit diese Sorge begründet ist. „Was wir mit der Planung nicht erreichen können, ist eine Verkehrserziehung der Eltern“, sagt dazu Heckel. „Was wir aber machen können, ist für geordnete Verhältnisse zu sorgen.“

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