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Parkplätze – ein goldenes Kalb

Parkplätze – ein goldenes Kalb

Es ist ein wiederkehrendes Schauspiel: Sobald in irgendeiner Kleinstadt – egal ob in Prüm, Daun, Wittlich oder Bitburg – eine Handvoll Parkplätze wegfallen, die halbwegs nahe an der Innenstadt liegen, oder für Stellplätze, die bisher kostenlos waren, Gebühren verlangt werden, ist das Geschrei groß: Der Einzelhandel sieht seine Existenzgrundlage bedroht, Bürger fühlen sich abgezockt.

Ein Blick auf die Fakten kann helfen: Erstens gibt es in allen Kleinstädten der Region viele kostenlose Parkplätze in bequemer Laufdistanz zur Innenstadt. Zweitens sind die Gebühren, die für Parkplätze in noch größerer Nähe zum Zentrum erhoben werden, im Vergleich zu Trier lächerlich gering. Drittens sind kostenfreie Parkplätze direkt im Zentrum ohnehin nur selten frei - und dies nicht, weil dort Kunden des Einzelhandels parken, sondern Menschen, die in der Innenstadt arbeiten (unter ihnen viele im Einzelhandel Beschäftigte). Viertens ist bei der Entscheidung, ob ich eine Shoppingtour in einer Innenstadt mache, anders als beim Großeinkauf im Supermarkt, die Zahl der kostenlosen Parkplätze von eher nachrangiger Bedeutung.

Wäre dem nicht so, dürften sich Bitburg, Wittlich, Daun und Prüm vor Kunden, die in der Innenstadt shoppen wollen, gar nicht mehr retten können - und die Trierer Innenstadt wäre wie ausgestorben. Denn dort gibt es exakt null zentrumsnahe Parkplätze, die kein Geld kosten, und die Parkgebühren sind vier Mal höher als auf den bewirtschafteten Plätzen in den Kleinstädten. Das zeigt, dass es zwar sicher nicht schadet, wenn man überall frei parken kann, dass es am Ende aber darauf ankommt, was eine Innenstadt an Auswahl, Originalität, Service, Aufenthaltsqualitiät, optischen Reizen und Gastronomie zu bieten hat. In attraktiven, lebhaften Innenstädten, in denen Geschäfte in einigen Segmenten auch konkurrieren, begeben sich Menschen sogar auf die Suche nach freien Parkplätzen und bezahlen dafür auch Gebühren, wenn sie nicht absurd hoch sind.

In Stadtzentren mit wenigen Geschäften, die nichts Besonderes zu bieten und kaum Aufenthaltsqualität haben, kann man so viele kostenlose Parkplätze anbieten, wie man will, sie werden leer bleiben. Deshalb sollten sich Verantwortliche im Gewerbe, beim Stadtmarketing, in Räten und Verwaltungen darum kümmern, dass Pachten angemessen sind, damit sich originelle, neue Geschäfte und Kneipen ansiedeln können, dass die Innenstadt lebendig ist und optisch gut in Schuss. Vor allem sollten sie aber den Tanz um das Goldene-Parkplatz-Kalb beenden.