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Paten helfen Jugendlichen bei Bewerbungen

Paten helfen Jugendlichen bei Bewerbungen

Der Übergang von der Schule ins Berufsleben fällt nicht jedem Jugendlichen leicht. Das Dekanat Bitburg und der Caritasverband Westeifel haben 2012 das Projekt Ausbildungspaten gestartet. Dabei helfen engagierte Menschen benachteiligten Jugendlichen bei der Suche eines Ausbildungsplatzes.

Bitburg. Lawrence van Haver ist 17 Jahre alt und besucht die Theobald-Simon-Schule in Bitburg. Dort absolviert er zurzeit das Berufsvorbereitungsjahr. Da er erst vor neun Monaten mit seinem Vater nach Deutschland gezogen ist und zuvor kein Wort Deutsch sprach, hat er es besonders schwer, sich alleine um einen Ausbildungsplatz zu kümmern. Da auch sein Vater der deutschen Sprache nicht besonders mächtig ist, stellen das Ausfüllen von Anträgen und Behördengänge die beiden vor große Probleme.
Das hat auch die Schulsozialarbeiterin Christel Cüppers-Schüller schnell erkannt und Lawrence geraten, sich einen Ausbildungspaten zu suchen. Die vermittelt der Caritasverband Westeifel in Kooperation mit dem Dekanat Bitburg.
Einer von acht Paten ist Winfried Reis, Geschäftsführer von Alibi Eifelservice. Reis hatte vor zwei Jahren von dem Projekt erfahren und sich dafür interessiert. Sein zweites "Patenkind" ist Lawrence. Ihm hilft er beim Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen. Der 17-Jährige macht zurzeit ein Praktikum bei Edeka. Da es ihm dort so gut gefällt, hat er sich mit Hilfe von Reis um einen Ausbildungsplatz beworben. "Ich habe Kontakt zum Jobcenter aufgenommen und gefragt, was zu tun ist", sagt Reis.
Eigeninitiative gewünscht


Auch beim Verfassen der Praktikumsberichte hat der Pate dem Schüler zur Seite gestanden. Einmal in der Woche trifft er sich mit Lawrence, um Dinge zu regeln oder Probleme zu lösen.
"Natürlich müssen die Jugendlichen auch selbst Initiative zeigen", sagt Carmen Basten, die die Schul- und Ausbildungspatenschaften vonseiten der Caritas betreut. Zusammen mit Dekanatsreferent Dyrck Meyer betreut sie das Projekt. "Unsere Paten kennen viele Netzwerke und sind oft eine große Hilfe, um Türen zu öffnen", sagt Carmen Basten.
Offizieller Vertrag


Etwa ein Jahr lang läuft die Patenschaft. In der Regel betreut jeder Pate nur einen Schüler. Zuvor wird im Beisein der Eltern ganz offiziell ein Vertrag geschlossen zwischen dem Schüler und dem Paten. "Es ist uns ganz wichtig, dass die Schüler die Hilfe auch wirklich wollen. Wir erwarten, dass sie mitarbeiten", sagt Carmen Basten. Der Bedarf ist jedenfalls da. Neben Schülern aus dem Dekanat Bitburg können auch Schüler aus der Verbandsgemeinde Speicher an dem Paten-Projekt teilnehmen. Es werden noch Paten gesucht. Diese sollen Jugendlichen helfen, ihre eigenen Stärken zu entdecken und sie unterstützen, damit sie im Ausbildungsprozess nicht den Mut verlieren.
Gute Aussichten


Für Lawrence sieht es gut aus. Edeka möchte dem 17-jährigen Belgier die Chance geben, die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann zu machen. Voraussetzung ist natürlich, dass sich seine Deutsch-Kenntnisse noch verbessern, damit er seinen Schulabschluss bekommt. Doch Deutsch spricht Lawrence mittlerweile schon fast fließend, nur mit dem Schreiben klappt es noch nicht so gut.
Das Dekanat Bitburg sucht weiterhin Ausbildungspaten. Interessenten wenden sich an Dyrck Meyer, Telefon: 06561/694290 oder per Mail an dekanat.bitburg@bistum-trier.de
Extra

448 Jugendliche suchen im Eifelkreis Bitburg-Prüm eine Ausbildungsstelle. Während 310 einen Platz gefunden haben, sind noch 138 auf der Suche (Stand Juni 2014). Demgegenüber stehen 199 unbesetzte Ausbildungsplätze. Aktuell sind in der Region Trier 3179 Bewerber bei der Berufsberatung registriert, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle sind. "Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr", sagt Isabell Juchem, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Trier. Dem gegenüber stehen 3488 freie Ausbildungsstellen, die zum Sommer zu besetzen sind. Das sei ein Plus von zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Schon zum sechsten Mal in Folge übersteigt die Zahl der gemeldeten Stellen die der gemeldeten Bewerber. Das heißt, für Jugendliche stehen die Chancen eine Lehrstelle zu finden sehr gut." sn