Patient genesen
Noch vor wenigen Jahren war die Zukunft des Neuerburger Krankenhauses ungewiss. Dank eines neuen Konzeptes und umfangreicher Investitionen hat sich die Situation inzwischen grundlegend geändert. Der TV hat sich die Neuerungen angesehen.
Neuerburg. Wer sich in Karlshausen, Krautscheid oder Neuerburg den Arm bricht, der weiß, wo er Hilfe bekommt und muss dafür nicht sehr weit fahren. Eine Tatsache, die keineswegs selbstverständlich ist. "Vor drei Jahren hingen sehr dunkle Wolken über unserem Krankenhaus", sagt der Neuerburger Stadtbürgermeister Willi Hermes. Wolken, die sich inzwischen verzogen haben. Mehr als 7000 Unterschriften von Menschen aus der Region haben damals zur Rettung des St.-Josef-Krankenhauses beigetragen. Krankenhaus stand kurz vor dem "Aus"
Seitdem ist viel passiert. Die Marienhaus GmbH in Waldbreitbach hat als Trägerin gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz mehr als drei Millionen Euro investiert, um das Haus fit für ein neues Konzept zu machen. Dieses Konzept bietet neben der Akut- und Grundversorgung (insgesamt 34 Betten in der inneren und der chirurgischen Abteilung) eine spezielle Betreuung für Schwerstkranke. In den 14 Betten der neuen Intensivstation liegen Menschen, die in anderen Kliniken lange Zeit künstlich beatmet worden sind. In Neuerburg soll ihre Lunge lernen, den Körper wieder selbst zu versorgen. Und zwar in einer Umgebung, die mit jener der üblichen "Glaskasten-Intensivstationen" wenig gemein hat. Die Zimmer sehen fast aus wie normale Krankenhauszimmer, sind nur deutlich besser ausgerüstet. "Viele der Menschen, die hierher kommen, haben seit Monaten nichts anders gesehen als die üblichen Aquarien", sagt Vera Bers, die Leiterin des Krankenhauses. Sie erinnert sich an einen Patienten, der nach drei Wochen in Neuerburg erstmals eigenständig atmend im Rollstuhl sitzen konnte und in Begleitung zur Enz gebracht wurde. "Der Anblick einer Entenfamilie hat ihm Tränen in die Augen getrieben."Auf schwerstkranke Patienten spezialisiert
Neben denen, die kommen, um das Atmen wieder zu lernen, nimmt das Neuerburger Krankenhaus seit dem Umbau auch pflegebedürftige Patienten der sogenannten "Phase F" auf - ebenfalls Schwerstkranke: Unfallopfer, Schlaganfallpatienten oder Menschen, die schwerste Operationen hinter sich haben. Menschen jedenfalls, die nicht von ihren Angehörigen gepflegt werden können. Für sie stehen 27 Plätze in komfortablen, persönlich eingerichteten und klimatisierten Zimmern zur Verfügung, die genau wie jene der Intensivstation über Beatmungsgeräte und medizinische Gase verfügen. "Da sind beim Umbau zum Teil nur die Außenwände stehen geblieben", sagt Vera Bers. Dass das Land eine Million Euro zum Umbau des Hauses beigesteuert hat, sei ein Zeichen dafür, dass man an die Wirksamkeit des neuen Konzeptes geglaubt habe. Für die Menschen rund um Neuerburg bedeutet all dies, dass ihnen im Notfall auch vor der eigenen Haustür geholfen werden kann.